Bei Klein Oschersleben brennt riesiger Strohballen / Pumpen laufen nicht

Feuerwehren ziehen Löschwasser aus der Bode

Von Yvonne Heyer

" Wenn es hier mal brennt ... !" Wie oft ging dieser Gedanke den Bürgern rund um Klein Oschersleben angesichts der riesigen Strohdiemen am Bahnhof Hadmersleben durch den Kopf ? Wie es ist, wenn diese riesigen Strohdiemen brennen, weiß man nun : Am Montagabend ging nach 22 Uhr die Brandmeldung in der Leitstelle ein.

Klein Oschersleben. Zwei junge Männer bemerkten beim Abstellen ihrer landwirtschaftlichen Fahrzeuge auf dem Areal gegenüber des Strohlagerplatzes Brandgeruch. Sie stellten fest, dass ein Strohdiemen brannte. Sofort informierten sie die Rettungsleitstelle.

In der Erstalarmierung rückten zunächst die Kameraden der Klein Oschersleber und Oschersleber Wehr aus. Stadtwehrleiter Bernd Dedecke, der selbst in Klein Oschersleber wohnt, war als erster vor Ort und musste feststellen, dass aus der fi rmeneigenen Wasserentnahmestation der Verschoor Fourage B. V. GmbH kein Löschwasser entnommen werden kann.

Drei 400 Meter lange

B-Leitungen nötig

Zunächst wurde Wasser aus dem Geesgraben gezogen, der unmittelbar hinter dem Brandherd verläuft. Mit der Nachalarmierung der Wehren aus Hadmersleben und Alikendorf war es die Aufgabe dieser Kameraden, die Wasserentnahme aus der Bode zu organisieren. Drei 400 Meter lange B-Leitungen mussten geschaffen werden.

Da die Schlauchleitungen über die L 66 verlaufen, ist die Straße noch immer gesperrt. Hätte die Wasserentnahmestelle der Firma funktioniert, hätte man sich diese Arbeit und die damit verbundenen Verkehrsbehinderungen erspart.

Nachdem auch noch die Wehren aus Kroppenstedt und Groß Germersleben an den Brandherd gerufen worden waren, nahmen 92 Kameraden aus sechs Feuerwehren mit 15 Einsatzfahrzeugen den aussichtslosen Kampf gegen die Flammen auf. Auch Kreisbrandmeister Horst Nitzer sowie Abschnittsleiter Ralf Lange verbrachten die Nacht am Ort des Geschehens. Gegen 4 Uhr wurde schließlich entschieden, den Strohdiemen kontrolliert abbrennen zu lassen.

Da der Diemen unmittelbar gegenüber der Halle mit der Strohpelettsanlage liegt, wird die Halle mit riesigen Wasserfontänen gekühlt. Kameraden der Wehren Schermcke und Hordorf überwachten gestern bis 16 Uhr den Brandherd. " Doch wir werden noch die nächsten Tage rund um die Uhr im Einsatz und wachsam sein müssen ", schätzt Dedecke ein.

Brandursache wird

noch ermittelt

Die Polizei bezifferte den Schaden auf geschätzte 100 000 Euro. Ajo van Zeh als zuständiger Verwalter der Verschoor-Gruppe in Klein Oschersleben wollte sich zur Schadenshöhe nicht äußern.

Der Brand wirft schließlich nicht nur die Frage nach der Ursache auf. Die Brandursachenermittlung ist noch nicht abgeschlossen, Selbstentzündung scheidet bei Stroh aus, so Uwe Lubosch, der als Sachverständiger für Brandschutz einst das Brandschutzgutachten für das Strohlager erstellt hat.

Die Leiterin des Bauordnungsamtes des Landkreises Börde, Isolde Prost, selbst und auch eine Mitarbeiterin waren gestern ebenso am Brandherd. " Fakt ist, die Wasserentnahmestelle, die als Aufl age für die Genehmigung des Strohlagerplatzes zu schaffen war, hat nicht funktioniert, die Pumpen liefen nicht. Wie es aussieht, sind sie über Winter kaputtgefroren. Uns stellt sich nun die Frage, ob sie gewartet oder kontrolliert worden sind ", sagte Prost.

Wegen der Gefährdung hat die Bauordnungsamtsleiterin Isolde Prost die Nutzungsuntersagung der Strohpeletts-Produktionshalle für die Dauer des Feuerwehreinsatzes ausgesprochen. An der Reparatur der Wasserentnahmestelle ist die Verschoor-Gruppe dran.