Wolmirstedt l Das Feuer war groß. Am 1. April brannte in der Elbeuer Sortieranlage ein zehn mal zehn Meter großes Feld, auf dem Restmüll gelagert war. Die Feuerwehr war stundenlang im Einsatz. Als Ursache wurde Selbstentzündung vermutet. Diese Vermutung hat sich inzwischen bestätigt, heißt es von der Polizei. Die Schadstoffmessungen in der Luft in Meitzendorf und der Niederen Börde haben keine Auffälligkeiten ergeben.

Dennoch: Bei den Löscharbeiten hat sich gezeigt, dass das Saugrohr im Löschteich nicht funktioniert. Deshalb musste das Wasser aus dem nahegelegenen Mittellandkanal gepumpt werden. Die Feuerwehr hatte auf dieses Manko bereits im Vorfeld hingewiesen.

„Die Entnahmestelle am Wasserauffangbecken ist ein Sorgenkind“, bestätigt Holger Mühlisch, Vorstand des Kommunalservice Börde, zu dem die Elbeuer Niederlassung gehört, „sie wurde bereits mehrfach geändert und frostsicher gemacht.“ Die Leitung sei zudem angehoben und mit neuer Druckluft versehen worden. „Offensichtlich ist der Erfolg ausgeblieben.“ Demnächst soll erneut nachgebessert werden. In den nächsten Wochen beginnen umfangreiche Bauarbeiten, in die auch die Löschwasserfassung mit einbezogen wird.

Trotz der Panne: Holger Mühlisch betont, dass die Versorgung mit Löschwasser in der Elbeuer Anlage zu jedem Zeitpunkt voll umfänglich gesichert ist. Nicht allein wegen des nahen Kanals, sondern auch durch zwei Löschwasserhauptanschlüsse.

Ob der Löschteich nach den Bauarbeiten endlich auch Wasser spendet, soll bei einer Feuerwehrübung getestet werden. Darüber hinaus wird ein neuer Feuerwehrplan den bisher vorliegenden ersetzten.

44 Betriebe aufgeführt

Über so einen Feuerwehrplan verfügt längst nicht jeder Betrieb, der im Bereich Wolmirstedt ansässig ist. Das macht die aktuelle Risikoanalyse der Stadt deutlich. In einer Tabelle sind 44 Betriebe mit besonderen Gefahren aufgeführt, davon können gerade zehn einen Feuerwehrplan vorweisen. In so einem Feuerwehrplan steht unter anderem, wo Gefahrstoffe gelagert werden, wo es Löschwasser gibt, an welcher Stelle eines Hauses der Rauch abziehen kann. Anhand solcher Pläne kann sich die Feuerwehr schnell orientieren und weiß, wo sich womöglich brennbares Material befindet.

Angesichts der nur partiell vorhandenen Feuerwehrpläne kritisierte Thomas Schlenker (Grüne) im Stadtrat unter anderem, dass auch zwei Farsleber Betriebe, in denen 30.000 beziehungsweise 40.000 Liter Diesel gelagert werden, über keinen Feuerwehrplan verfügen.

Ob solche Feuerwehrpläne vorliegen, muss vom Bauordnungsamt des Landkreises kontrolliert werden. Alle zwei Jahre müssen sie auf Aktualität überprüft werden. Warum Betriebe mit Gefahrgut trotzdem keinen Feuerwehrplan haben, macht Thomas Schlenker stutzig. „Wenn die Aufsichtsbehörden des Kreises schon so oberflächlich mit der Forderung nach Feuerwehrplänen umgehen, stelle ich mir die Frage, mit welcher Gewissenhaftigkeit dann das Genehmigungsverfahren für die Erweiterung der Deponie der Firma Papenburg vollzogen wird.“ Dieses Verfahren wird ebenfalls vom Landkreis bearbeitet.

Feuerwehrpläne fehlen laut Risikoanalyse übrigens auch für die Kitas, die Musikschule die Halle der Freundschaft und Jugendclubs. Hingegen gibt es welche unter anderem für das Rathaus, die Sparkasse und die Schulen.

Die Feuerwehr weiß sich in der Regel jedoch auch ohne Feuerwehrpläne zu helfen. „Wir führen regelmäßig Übungen in Betrieben und öffentlichen Einrichtungen durch und machen uns dabei mit den Gegebenheiten vertraut“, erklärt Wolmirstedts Ortswehrleiter Marco Reinhardt. Operativ taktische Studien heißt das im Fachjargon. Jüngst haben die Kameraden im Seniorenwohnpark geübt, lernen somit die Rettungswege kennen, wissen ungefähr, wieviele Menschen sich in solchen Gebäuden befinden. Diese Übungen sind im Ernstfall eine gute Grundlage für schnelles Handeln.

Im Zusammenhang mit dem Feuer in der Elbeuer Recyclinganlage bedankt sich Vorstand Holger Mühlisch ausdrücklich bei der Feuerwehr. Er würdigt das umsichtige und zielgerichtete Handeln des Einsatzleiters Marco Reinhardt und seines 60 Kameraden starken Teams. „Der mutige Einsatz der Leute hat unser Unternehmen vor einem größeren Schaden bewahrt.“