Wolmirstedt l Der neue Flächennutzungsplan ist ein 170 Seiten starkes Pamphlet. Darin wurde unter anderem akribisch aufgelistet, welche Flächen der Stadt bebaut sind, als Kleingärten genutzt werden oder von Gewerbegebieten besetzt sind. Jeder Quadratmeter ist dabei berücksichtigt. Weiterhin dient dieser Plan dazu, die mögliche Entwicklung bis in das Jahr 2030 aufzuzeigen. Auch Prognosen hinsichtlich der Bevölkerungsentwicklung sind darin eingeflossen. Auf der Grundlage solcher Daten wurde die Nutzung einiger Gebiete umsortiert.

Als neue Baugebiete für Wohnhäuser werden das Gelände des Stadion des Friedens aufgeführt, dazu ein Teil des ehemaligen Krankenhausgeländes. Auch in zwei Kleingartenanlagen sollen künftig Häuser gebaut werden dürfen. In der Kleingartensparte „1947“, ist ein Streifen entlang des Bauernweges sowie eine Fläche nördlich der Feuerwehr als Bauland ausgewiesen, etwa 20 Grundstücke könnten dort entstehen. Auch in der Elbeuer Kleingartensparte entlang der Magdeburger Straße soll straßenbegleitend Platz für 15 Baugrundstücke geschaffen werden. Diese Gartenanlagen sollen allerdings erst perspektivisch umgeplant werden. „Kein Kleingärtner wird von seiner Scholle vertrieben“, erklärte die zuständige Rathausmitarbeiterin Doris Bunk.

85 zusätzliche Bauplätze

Das Gelände der ehemaligen Lederfabrik in der Angerstraße kommt ebenfalls als Bauland in Frage. Bisher hat der Eigentümer diese Grundstücke jedoch noch nicht erschlossen. Deshalb wird mit dieser Fläche noch nicht mit letzter Sicherheit gerechnet.

Im Gebiet des Birkenweges, zwischen Bauernweg und Lindhorster Weg, könnten ebenfalls Häuser entstehen. Laut Flächennutzungsplan müssen dort jedoch erst Altlasten erkundet und gegebenenfalls beseitigt werden.

Verfügbar werden könnten auch zehn Einfamilienhausgrundstücke am Nordrand der Schachtstraße. Außerdem stellen sich die Planer vor, die vorhandenen Stichstraßen in diesem Wohngebiet mit Wendehämmern zu versehen. Alle Maßnahmen zusammen ergeben in der Kernstadt etwa 85 zusätzliche Bauplätze.

Dem gegenüber stehen nach den aktuell verfügbaren Zahlen 104 freie Baugrundstücke in Wolmirstedt, Elbeu und Mose, die meisten davon im Wohngebiet Elbeu und im vierten Abschnitt des Lindhorster Weges, der allerdings gerade erst erschlossen wird.

Junge Familien halten

In den vergangenen Jahren wurden von den Bürgern etwa 20 Bauplätze pro Jahr gefordert, mehr als die Hälfte der Bauwilligen wollten ihr Haus in der Kernstadt aufbauen. Im Zuge der Bevölkerungsentwicklung sei es laut Flächennutzungsplan auch dringend nötig, ausreichend Bauland vorzuhalten. Demnächst möchte die junge Generation sesshaft werden, die in den Häusern groß geworden ist, die ihre Eltern nach der Wende neu gebaut haben. Nun wächst bei den jungen Erwachsenen der Wunsch nach einem eigenen Heim. „Ziel der Stadt Wolmirstedt ist es, junge Familien, die sich aus der ortsansässigen Bevölkerung gründen, am Ort zu halten“, heißt es im Plan.

Das ist offenbar auch im Sinne der Arbeitskräftesicherung vonnöten. Wolmirstedt gilt als nahezu vollbeschäftigt, im Jahr 2030 stehen den vorhandenen Arbeitsplätzen nicht mehr genügend Personen gegenüber.

Zudem sei mit einem Rückgang der Bevölkerungszahl zu rechnen. Lebten laut Melderegister im Jahr 2016 noch 11.808 Menschen in Wolmirstedt, so sollen es 2025 noch 11.160 sein und im Jahr 2030 werden für Wolmirstedt nur noch 10.619 Einwohner prognostiziert.

Die demografische Entwicklung wird ebenfalls im neuaufgestellten Flächennutzungsplan berücksichtigt. Gehörten 2015 noch gut 20 Prozent der Bevölkerung der Altersgruppe Ü67 an, so sollen es 2030 bereits 30 Prozent sein. Damit steigt der Bedarf an alterspezifischem Wohnraum. Viele der vorhandenen Wohnungen in den Plattenbauten genügen den Anforderungen künftiger Mieter nicht. Deshalb wird empfohlen, weitere Mehrgeschosser zu entfernen und durch kleinere Gebäude mit hochwertigeren Wohnungen zu ersetzen.

Der Entwurf dieses neuen Flächennutzungsplans liegt vom 4. Januar bis 5. Februar im Rathaus öffentlich aus.