Niederndodeleben l Nachdem seit Beginn der Corona-Pandemie viel weniger getanzt wird, ist der Lockdown jetzt erneut mit einer Zwangspause im Tanzstudio von Julia Drenkmann verbunden. Dabei sollte 2021 ein besonderes Jahr werden. Im Tanzstudio von Julia Drenkmann in Niederndodeleben herrscht gähnende Leere. Seit Wochen schon wird erneut hier kein neuer Tanzschritt ausprobiert, keine bekannten Tanz-Choreografien aufgefrischt. Die Corona-Pandemie hat Tanzpädagogin Julia Drenkmann und ihrem Team die rote Karte gezeigt, die Regelungen der Eindämmungsverordnung lassen Tanzunterricht kaum zu.

Bürokratischer Aufwand anstatt der Tanzstunde

„Seit März vergangenen Jahres haben wir viel weniger zu tun“, blickt die 33-jährige Tanzpädagogin auf die vergangenen Monate zurück. Als Beispiel führt sie einen gerade begonnenen Tanzkurs an, der im Frühjahr aufgrund des Lockdowns abgebrochen werden musste und auch im September auf andere Art nur für wenige Stunden wieder aufgenommen werden konnte. Im Sommer vergangenen Jahres zum zweiten Mal Mutter geworden, musste sie sich neben der Kinderbetreuung zu Hause um das Schreiben von Hygienekonzepten bemühen und Eindämmungsverordnungen studieren. Auch so manches Telefonat und manche E-Mail waren nötig, um die Eltern der Tanzkinder auf dem Laufenden zu halten und Absprachen zu treffen.

Das Hauptgeschäft von Julia Drenkmann und ihrem Team läuft nämlich weniger im eigenen Tanzstudio ab, sondern mehr in den Kindertagesstätten der Region. Hier führen sie die Mädchen und Jungen an die Bewegung heran und vermitteln ihnen den Spaß am Tanzen. Doch auch als die Regelungen wieder lockerer wurden, konnten sie trotz des vorhandenen Hygienekonzeptes nicht in allen Kindereinrichtungen wieder voll durchstarten. „Das akzeptieren wir. Die Lage ist so komplex, jeder Träger oder jede Kita-Leitung hat eigene Bewältigungs-Strategien für die Corona-Situation“, sagt Julia Drenkmann.

Hoffen auf baldiges Lockdown-Ende

Im Studio hatte es das Team selbst in der Hand. Abstand, Maske bis zum Platz und Desinfektion waren hier oberstes Gebot. Teilnehmerzahlen wurden begrenzt, Zumba-Kurse beispielsweise nur mit Anmeldung abgehalten. Aber auch das ist derzeit nur Geschichte. Julia Drenkmann bleibt nur, die Kreuze und Herzchen, die auf dem Tanzboden als Abstandshalter dienen, nachzukleben und auf ein baldiges Ende des Lockdowns zu hoffen. Schließlich gibt es nach ihrer Aussage gerade in Zeiten wie diesen nichts Besseres, als sich von den Sorgen freizutanzen. „Aber wir sind gewappnet, wenn es wieder losgehen kann“, fügt sie an.

Dazu zählt auch, dass Julia Drenkmann und ihre Mitstreiterinnen Heike Göttinger und Janine Siegmund die Zeit genutzt haben, um die Tanzkostüme zu sortieren. „Zum ersten Lockdown haben wir einen Corona-Tanz für die Kinder inszeniert“, erinnert sich die Tanzpädagogin.

Als Ersatz wird interaktiv getanzt

Überhaupt nutzt sie bei ihren Alternativen gern auch die sozialen Netzwerke. „Ich möchte den Kindern auch mit interaktiven Dingen zeigen, dass wir sie nicht vergessen, obwohl wir mit ihnen nicht tanzen können“, erklärt sie weiter und weiß das Echo zu schätzen. Zahlreiche Kinder melden sich mit Hilfe ihrer Eltern zurück und schicken beispielsweise Videos, die zeigen, wie sie zu Hause tanzen. „Auch beim Rodeln haben sie mir erzählt, dass sie das Tanzen vermissen“, erinnert sich die Tanzpädagogin wehmütig.

Selbst vor 30 Jahren vom Tanzfieber gepackt

So wie die kleinen Tanzmäuse, die heute in ihre Schule gehen, hat sie selbst auch vor 30 Jahren begonnen - unter den Fittichen von Mama Heike Göttinger (früher Heike Hofmann), die auch heute noch in ihrem Studio ihre rechte Hand ist. Mit ihrer mobilen Tanzschule „Tanzmäuse“ tingelte Heike Göttinger seit 1991 durch die Kindergärten – zunächst in Potsdam, ab 1992 dann in der Region um Magdeburg. Die kleine Julia, die die Freude am Tanzen sowohl von ihrer Mutter als auch von ihrem Vater in die Wiege gelegt bekam, hüpfte immer wieder quietschvergnügt zwischen den Tanzmäusen herum. Eine logische Konsequenz war es, dass sie auch beruflich in die Fußstapfen ihrer Mutter trat und 2017 die Regiefäden im Tanzstudio von ihr übernahm.

Aber auch „Oma-Tanzmaus“ Heike Göttinger kann und möchte vom täglichen Tanzen mit den Kindern noch nicht lassen. „Das hält mich fit und fröhlich. Besonders witzig ist es, wenn die Eltern der Tanzmäuse selbst auch schon bei mir getanzt haben“, sagt sie.

Jubiläumsfeier vorerst aufgeschoben

2021 hätte es bei den Tanzmäusen anlässlich des runden Geburtstages eigentlich verdient, ordentlich gefeiert zu werden. Aber daran wagen Julia Drenkmann, Heike Göttinger und Janine Siegmund derzeit nicht zu denken, nachdem zum Jahresende selbst die traditionellen Weihnachtsmärchen, die immer mit einer Spendenaktion verbunden waren, ausfielen. An neuen Tänzen wird trotzdem gearbeitet, auch wenn das gar nicht so leicht fällt. „Oft erarbeiten wir nach ersten eigenen Idee die Tänze gemeinsam mit den Kindern, aber die sind ja nun nicht da“, bedauert Julia Drenkmann und wünscht sich zum runden Studio-Geburtstag nichts sehnlicher, als dass am Ende des Jahres wieder viele fröhliche Kinder ein Weihnachtsmärchen aufführen dürfen.