Irxleben l Reinhild Besecke ist erschüttert und andere Besucher des Friedhofs waren es auch, wie sie schreibt. Als sie vor einigen Tagen auf den Friedhof kamen, glaubten sie ihren Augen nicht zu trauen. In der Mauer des Friedhofs rechtsseitig klaffte auf einer Länge von etwa 90 Metern ein Loch. Reinhild Besecke beschreibt, dass sich „eine Aussicht auf große Baumaschinen, riesige Erd- und Steinhügel, die auf dem Nachbargrundstück lagerten“, bot. Lediglich ein kleiner Wall sei aufgeschüttet und über einen Schlauch über längere Zeit aus der Wasserentnahmestelle auf dem Friedhofs Wasser entnommen worden, so dass sich Wasserrinnen bildeten. „Warum?“ lautet die Frage, die sich unweigerlich anschließt.

Reinhild Besecke erinnert sich, dass vor etwa 15 Jahren die anderen Seiten des Friedhofs erneuert wurden. Die Töpfe, aus denen damals die Fördermittel kamen, sind zurzeit leer. Reinhild Besecke vermutet, dass die abgerissene Mauer später eventuell durch einen Wall mit einer Billigvariante eines Metallzaunes ersetzt wird.

„In unserem Kulturkreis ist es seit weit über 1000 Jahren Tradition, den Verstorbenen größte Liebe und Respekt auf einem fest eingefriedeten Friedhof mit der Pflege der Gräber entgegenzubringen. Dazu gehört allerdings nicht die ‚Irxleber Variante‘“, schreibt Reinhild Besecke weiter und verweist auf alte Akten des ersten Friedhofs in Irxleben, aus denen hervorgeht, dass das Friedhofstor bei Einbruch der Dämmerung geschlossen werden musste, um die Totenruhe zu gewährleisten.

Rüdiger Schmidt, Bauamtsleiter der Gemeinde Hohe Börde, erklärt auf Nachfrage der Volksstimme, dass die Mauer einsturzgefährdet war und „Gefahr für Leib und Leben“ bestand. Der Abriss der Mauer sei aus Sicherheitsgründen im Auftrag der Gemeinde Hohe Börde erfolgt und sei auch nicht mit den begonnenen Bauarbeiten auf dem Nachbargrundstück in Verbindung zu bringen. Vor dem Abriss habe eine eingehende Begutachtung des etwa 100 Meter langen Mauerstücks stattgefunden. „Die abgerissene Mauer wird auf jeden Fall durch etwas Neues ersetzt“, erklärt der Bauamtsleiter weiter. In welcher Art die Erneuerung erfolgen wird, darüber wird letztlich der Irxleber Ortschaftsrat entscheiden.

Nach Reinhild Beseckes Aussage galt der Irxleber Friedhof als schönster Friedhof weit und breit. „Umrandet von einer etwa 1,80 Meter hohen Ziegelmauer, einem schmiedeeisernen Tor und einer hohen Allee, die zur Kapelle führt und sich hinter der Kapelle fortsetzt, zu einem Findlingsberg, der an die hintere Stirnseite stößt. In der Innenseite im hinteren Bereich befinden sich noch alte Grüfte, die bedeckt und verschlossen wurden. Eine wundervolle Ruhe strahlte der Platz aus und übertrug diese auch auf die Besucher“, schreibt sie weiter auch vor dem Hintergrund, dass sich die Interessengemeinschaft Geschichte und Tradition Irxleben, der sie vorsteht, intensiv mit den Irxleber Friedhöfen und deren Geschichte beschäftigt.

Der heutige Friedhof wurde als dritter Friedhof etwa 1890/1900 am Rande des Dorfes angelegt. Die Friedhöfe zuvor befanden sich um die Kirche herum und später dort, wo sich heute der Lebensmittelmarkt befindet.

Die Interessengemeinschaft hat vor zwei Jahren etwa die Kriegsgräber auf dem Friedhof hergerichtet und dabei auch ein vergessenes Grab wieder freigelegt. Die Mitglieder haben Bänke und den Schaukasten gestrichen und auch verschiedene Niskästen auf dem Friedhof anbringen lassen. Zudem ist es, wie Reinhild Besecke sagt, der Aktivität der Interessengemeinschaft mit Unterstützung der Gemeindebürgermeisterin Steffi Trittel zu verdanken, dass auch Irxleben jetzt eine teil-anonyme Bestattungstelle hat.