Wolmirstedt l Remo Röhr ist ein fröhlicher Zeitgenosse. Er liebt Hunde. Am meisten seine Doggen Hubert und Luke. Solche Doggen hat er sich schon als Kind gewünscht, Luke ist inzwischen sieben Jahre alt, Hubert neun Monate und noch verspielt. Wüsste Remo Röhr nicht, wo sie sind, geriete die Welt aus den Fugen. Der Hundefreund weiß, dass das auch anderen Hundebesitzern so geht. Deshalb hat er sich vor gut einem Jahr der Organisation Totfundhund angeschlossen. Die Mitglieder bringen im schlimmsten Fall zumindest Gewissheit.

Manche Hunde kehren zurück oder werden gefunden und ins Tierheim gebracht. Manche sterben und niemand weiß, wer die Nachricht bekommen muss. Bei diesen Hundebesitzern wechselt in so einem Fall Hoffen und Bangen, ein Schwebezustand, den Menschen wie Remo Röhr beenden möchten, auch, wenn es wehtut. Zuständig ist er für Sachsen-Anhalt.

Meldung übers Internet

In der Praxis läuft das so ab: Wer einen toten Hund findet, kann das bei www.totfundhund.de oder bei Facebook unter Totfundhund anzeigen. Ist der Fundort in Sachsen-Anhalt, schnappt Remo Röhr seine Einsatztasche und fährt los. In der Tasche stecken Warnweste, Schutzhandschuhe, Zollstock, Diktiergerät und ein Mundschutz.

Das wichtigste Utensil ist jedoch der Chipreader. Damit sind gechipte Hunde gut zu identifizieren, meist ist der Chip im Schulterbereich implantiert. Seit 2009 ist das Pflicht. Sind Hundebesitzer dieser Pflicht nicht nachgekommen, wird nach einer Tätowierung gesucht, der Hund wird vermessen, bei Rüden geschaut, ob sie kastriert sind. Jedes Merkmal ist wichtig, um herauszufinden, wohin der Hund gehört.

Registrierung hilft

Dann beginnt die Recherche. Dafür ist der Kontakt zu Ordnungsämtern und Tierärzten wichtig, denn sie können dabei helfen, den Hund zuzuordnen und den Besitzer zu finden. Zudem ist eine Registrierung bei Tasso.de hilfreich.

Erhalten Hundebesitzer eine traurige Nachricht, kann die Zeit des Abschiednehmens beginnen. Nebenher hat so eine Information auch einen praktischen Nutzen. „Erst dann können sie ihren Hund abmelden und müssen keine Steuern mehr zahlen“, sagt Remo Röhr.

Der Hundefreund weiß natürlich auch, dass nicht alle Hundebesitzer ein restlos großes Herz für die Vierbeiner haben, manchmal reicht die Liebe nicht für den letzten Weg. „Manche entsorgen ihre Hunde achtlos im Wald oder am Straßenrand, aber das birgt Seuchengefahr.“ Deshalb ist es wichtig, auch diesen Hundebesitzern auf die Schliche zu kommen.

Mitstreiter gesucht

Tote Hunde werden manchmal an Autobahnen oder Bundesstraßen gefunden. „Diese Fundorte dürfen wir nur in Begleitung der Polizei betreten“, sagt Remo Röhr. Die Sicherheitsvorschriften müssen eingehalten werden, damit niemand zu Schaden kommt. Die Hundefinder suchen deshalb dauerhaften Kontakt zu Beamten und Straßenmeistereien. Bahngleise dürfen überhaupt nicht betreten werden. „Wegen dieser Gefahren empfehlen wir Bürgern, die einen toten Hund sehen, sich an uns zu wenden“, sagt Remo Röhr, „wir sind geschult.“

Totfundhund ist ein eingetragener Verein, der deutschlandweit tausende Mitmacher hat. Beim Blick auf Sachsen-Anhalt reichen allerdings die Finger einer Hand, um sie abzuzählen. Deshalb hofft Remo Röhr auf mehr Mitstreiter, weil die Fläche einfach sehr groß ist. Für Anmeldungen stehen ebenfalls die Internet- und Facebookadresse zur Verfügung.

Auch wenn Leute wie Remo Röhr in ihrer Funktion meistens traurige Nachrichten überbringen, hat er auch schon ein Happy End erlebt. Als vor seiner Haustür ein kleiner Hund umherirrte, las er dessen Chip mit dem Chipreader aus und erfuhr über Tasso.de, dass der Hund einer Nachbarin gehört. Als sie ihren Hund abholen konnte, war die Freude natürlich groß.