Wolmirstedt l Der Name „Piratentraumnest“ deutet darauf hin, ein Hort für verwegene Seefahrer zu sein. Und mit ein wenig Glück findet sich in den Gästezimmern der Pension sogar ein sagenumwobener Goldschatz. Zumindest, wenn ihn einer der Gäste dort vergessen hat.

Zugegeben, einen Goldschatz hat Judith Winkler noch nicht gefunden. Dennoch vergisst hier „durchschnittlich jeder achte Gast irgendetwas“, wie die Eigentümerin der Wolmirstedter Pension sagt. „Mit der Menge an Duschgel, Zahnpasta und anderen Hygieneartikeln, die wir hier schon gefunden haben, kann man eine Drogerie eröffnen“, führt Judith Winkler lachend aus.

Jeder achte Gast vergisst etwas

Auf Platz zwei der Dinge, die dort am meisten vergessen werden, liegen Ladekabel. Das Wertvollste, was im „Piratentraumnest“ liegen gelassen wurde, sei ein Laptop gewesen. Und auch ein Smartphone wurde in einem Bett gefunden.

Bei teuren Dingen sei es üblich, dass es den Leuten schnell auffällt und sie sich dann melden. Bei weniger wertvollen Sachen ist es „aber selten, dass jemand nachfragt“, sagt Judith Winkler. „Wir erinnern unsere Gäste zwar jedes Mal daran, dass sie genau nachschauen sollen, bevor sie abreisen, damit sie nichts vergessen. Aber es kommt trotzdem vor.“ Die Fundsachen werden anschließend in einem Schrank verwahrt, bis sie abgeholt werden.

Genau so handhaben es auch die Mitarbeiter des Regiohotels „Wolmirstedter Hof“. „Manchmal wundert man sich schon, dass die Gäste nicht mitbekommen, wenn sie etwas vergessen. Wenn wir ihre Adressen haben, schicken wir ihnen die Fundsachen, ansonsten lagern wir sie mindestens für drei Monate“, erklärt Hoteldirektor Philipp Voß.

Ladekabel auf Platz zwei

Auch im „Wolmirstedter Hof“ seien es zumeist Hygieneartikel, die vergessen werden. Es folgen elektronische Geräte wie Handys und Ladekabel. Auch Plüschtiere und anderes Kinderspielzeug seien darunter, ebenso wie Schmuck, beispielsweise in Form einer Goldkette. Auf die Frage, was denn das Kurioseste sei, dass im Regiohotel vergessen wurde, zögert Philipp Voß kurz. Dann rückt er doch raus mit der Sprache: „Wir haben schon einmal Sexspielzeug gefunden. Und auch eine Bong (Wasserpfeife, Anm. d. Red.) mitsamt Cannabisresten war unter den Fundsachen.“ In solchen Fällen sei es den Gästen verständlicherweise zu peinlich, sich im Hotel zu melden und die Sachen abzuholen.

Nicht weniger vergesslich sind die Gäste des Hotels „Glindenberger Hof“. „Es wird fast alles vergessen, was man sich nur vorstellen kann. Schirme, Schals, alle erdenklichen Arten von Kabeln“, zählt Hoteldirektor Mike Krebs auf. Solche Dinge würden jedoch selten wieder abgeholt werden. Auch hier werden die Fundsachen in einem Schubfach lange genug aufbewahrt. „Wenn wir die Kontaktdaten der Gäste nicht haben und sie sich nicht von alleine melden, geben wir die Sachen nach einer angemessen Wartezeit an die Kleiderkammer des DRK oder entsorgen sie“, sagt Krebs.

Von Sexspielzeug bis Cannabis

Er erinnert sich an eine besonders amüsante Geschichte: „Ein Junge hat hier einmal seine Zahnspange vergessen. Den Eltern ist das erst aufgefallen, als sie mit ihrem Sohn zum Zahnarzt mussten. Wir haben der Familie die Zahnspange dann schnellstmöglich zurückgeschickt.“