Treffen der ehrenamtlichen Bibliothekarinnen aus der Hohen Börde in Wellen

Fünf "Leihstationen" bieten Leseratten viel Futter

Von Maik Schulz

Die fünf Dorfbibliotheken der Hohen Börde sollen unbedingt erhalten werden. Das bekräftigte Gemeindebürgermeisterin Steffi Trittel bei einem Treffen mit den Bibliothekarinnen in Wellen.

HoheBörde l Im vierten Jahr der Einheitsgemeinde Hohe Börde ist die Anfang 2010 diskutierte Schließung der Dorfbibliotheken nur noch eine schlechte Erinnerung. Der öffentliche Protest auch seitens der ehrenamtlichen Bibliothekarinnen hatte 2010 zum Einlenken des Gemeinderates geführt.

"Damals stand aufgrund der angespannten Haushaltslage alles auf dem Prüfstand. Wir haben uns darauf verständigt, alle Bibliotheksstandorte zu erhalten. Sie haben uns damals davon überzeugt, dass der Fortbestand wichtig ist" erklärte Steffi Trittel bei einem Treffen mit den Bibliothekarinnen in der Wellener Heimatstube.

Leserschaft in den fünf Dörfern ist sehr unterschiedlich

Bei Kaffee und Schnittchen erkundigte sich die Gemeindebürgermeisterin nach der Lesefreude in den fünf Dörfern und nach den Wünschen der Bibliothekarinnen.

Heike Pfuhl aus Bebertal erklärte: "Würden nicht die Schüler kommen, könnten wir die Bibliothek eigentlich dicht machen. Aber für die Schüler ist die Bibo sehr wichtig. Sie kommen gern."

In Irxleben ist es umgekehrt: "Zu mir kommen vor allem Erwachsene, obwohl der Jugendklub gleich nebenan ist. Die Erwachsenen kommen gern und regelmäßig", berichtete Monika Steinecke. Vielleicht ändere sich etwas, wenn die Irxleber Bibliothek demnächst aus der alten Schule an der Helmstedter Straße 33 in die Dorfmitte in die frühere Gemeinde, Helmstedter Straße 21, umzieht.

Einen mächtigen Aufschwung erlebt gegenwärtig die Nordgermersleber Dorfbibliothek in der alten Schule, Am Thie. Davon erzählte Christel Junge. Seit einem Besuch der örtlichen Kita in der Bibliothek kommen die Kinder mit ihren Eltern in Scharen in die Lesestube. Auch Spiele werden ausgeliehen.

Bücherschränke sind älter als die DDR

Renner bei den Nordgermersleber Rentnern sind "Drei-Groschen-Romane", die Christel Junge sorgfältig sammelt und bereit legt. Großes Manko hingegen ist die Ausstattung. Die Bücherschränke sind älter als die DDR. Neue Buchregale stehen ganz oben auf Christel Junges Wunschliste für die nahe Zukunft.

Von einem leichten Rückgang der Leserschaft berichtete die Ochtmersleber Bibliothekarin Margrit Kuhn. Allerdings sind 68 feste Leser im vergangenen Jahr bei 534 Einwohnern immer noch eine stolze Zahl. Besonders gut gehen in Ochtmersleben Sachbücher.

Über die Kreisbibliothek Zugriff auf größere Auswahl

Gut gemischt ist die Leserschar in Wellen. Gisela Bierhals und Helga Schadenberg betreuen die dortige Bibo seit mehreren Jahren. 2012 sind sie mit dem zuvor durchforsteten und verkleinerten Buchbestand in den sanierten Seitenflügel der "Dorfscheune" umgezogen - in ein ursprünglich als Archivraum geplantes Kämmerlein am Ende der Heimatstube. "Es könnte größer sein", erklärte Gisela Schadenberg und ergänzte im gleichen Atemzug: "aber wir haben uns eingerichtete. So gut es eben geht. Schön wäre, wenn wir einen kleinen Vitrinenschrank hätten. Wir haben die Idee, darin Bücher regionaler Autoren auszustellen, von denen wir etliche im Bestand haben."

Alle fünf Bibliotheken halten engen Kontakt zur Kreisbibliothek. Mittels des Kreisleihverkehrs können die Nutzer auch Lektüre aus dem Bestand der viel größeren Haldensleber Bibliothek bestellen und in ihrer Dorfbibliothek verleihen.

Über das Internet können seit diesem Jahr die angemeldeten Nutzer der Stadt- und Kreisbibliothek auf den Bestand von 15 größeren Bibliotheken Sachsen-Anhalts zugreifen. EBooks, Hörbücher und Zeitschriften können am heimischen Computer oder Tablet-PC und selbst auf einigen Smartphones gelesen oder gehört werden. Über die Zugangsmöglichkeiten dieser so genannten "Onleihe" informiere die Haldensleber Bibliothek alle Interessierten gern, versicherte die Leiterin der Einrichtung in der Kreisstadt, Angelika Ermel.