Wolmirstedt l Wer sich bei einem Spaziergang an den Garagenkomplex an der Ohre, nahe der Zuckerfabrik, verirrt, dem stockt der Atem. „Alle Garagen sind offen, der Müll türmt sich, es liegt zerbrochenes Glas überall“, schreibt ein Volksstimme-Leser an die Redaktion. Als „Dreckecke der Superlative“ betitelt er die einstigen Heiligtümer der DDR. Doch wer ist zuständig?

Der Garagenkomplex an der Ohre umfasst etwa 400 Garagen und ist damit der größte in der Stadt. Viele der Objekte wurden einst mit viel Herzblut gebaut. Trabi und Co. wurden dort sorgsam untergestellt, schließlich betrug damals die Wartezeit auf so ein Gefährt viele Jahre. Aus dem Rathaus ist auf Volksstimme-Anfrage zu erfahren, dass das Gelände zwar der Stadt gehöre, aber die Garagen zu 90 Prozent in Privatbesitz seien. Nicht genutzte und verwitterte Garagen zu entfernen, ist deshalb nicht einfach.

Suche nach Eigentumer ist schwierig

Mitunter ist für die Stadtverwaltung nicht mehr zu ermitteln, wer der Eigentümer der jeweiligen Garage ist – oder nur sehr mühselig. Inzwischen haben viele der ehemaligen Garagenbesitzer Häuser gebaut, zu denen Autounterstände gehören, sind weggezogen oder haben kein Interesse mehr. Ist der Eigentümer bekannt, verweist die Stadt auf die Pflicht des „Hausherrn“, seinen Besitz zu pflegen und für Ordnung und Sauberkeit zu sorgen. Auch verschließen müssen die Besitzer die Anlagen.

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Etwa zehn Garagen im hinteren Stück des Komplexes, das an die Fabrikstraße grenzt, sind komplett verwüstet. Alle Türen sind aufgebrochen worden, der Müll türmt sich. Alte Matratzen, Kleidung, Autozubehör – die einstigen gehegten und gepflegten DDR-Heiligtümer fristen ein trauriges Dasein. Doch die Stadt gibt Entwarnung: Etwa zehn Garagen in diesem Bereich sind leergezogen und für den Abriss vorgesehen. Das Grundstück soll dann bereinigt werden.

Am Ende zahlt der Steuerzahler

Über die zunehmende Vermüllung beklagen sich nicht nur Spaziergänger und Anwohner, sondern auch die Stadt selbst. Es gebe teilweise einen regelrechten Mülltourismus in dem Areal. Unbekannte kippen ihren Unrat einfach an dem Komplex ab und hinterlassen eine Schneise der Verwüstung. Oftmals bereinigt der Bauhof die schlimmsten Ecken und verschließt aufgebrochene Türen, aber das zahlt dann der Steuerzahler. Die Stadt bekomme meist nur Meldungen, wenn schon etwas passiert sei - belangen können sie dafür niemanden. Die einstigen Schätze der Bürger werden nun zum Ärgernis für die Stadt.

Ein weiteres Problem: Die Rechtsverhältnisse stammen teilweise noch aus DDR-Zeiten. Die Garagen stehen in der Regel auf kommunalem Boden. Diese Konstellation war dem seit der Wende geltenden bundesdeutschen Rechtssystem fremd. Deshalb wurde 1994 das Schuldrechtsanpassungsgesetz verabschiedet. Das schrieb einen Kündigungsschutz für die Garagenbesitzer fest, die noch einen Vertrag aus DDR-Zeiten hatten. Dieser Kündigungsschutz ist jedoch 1999 ausgelaufen. Seither können sowohl Grundstücks- als auch Garageneigentümer mit einer Frist von drei Monaten kündigen. Das geht jedoch nur, wenn der Besitzer auch bekannt ist.