Wolmirstedt l Der zurückliegende Lockdown hat die Gaststätten- und Bistrobetreiber in der Ohrestadt zunächst kalt erwischt. Noch heute sind in etlichen Lokalen die Mitarbeiter auf Kurzarbeit. Die Geschäftsleute mussten den Corona-Schock – und ein solcher war es für viele – erst einmal verkraften. Nachdem oft staatliche Hilfen gezahlt wurden und die Gastronomie langsam wieder hochgefahren ist, herrscht meist Optimismus. So wird die Übergangszeit, in der Außer-Haus-Bestellungen möglich waren, als Beginn einer neuen Zeit gesehen.

„Es ist jetzt wirklich eine neue Zeit“, bestätigt Jens Roepke, Inhaber der Gaststätte „Zur Glucke“. Er ist seit 30 Jahren im Geschäft. „Man macht sich natürlich Gedanken, verbreitet als Chef positive Stimmung“, sagt er. „Von Vorteil ist auch, dass etliche der Mitarbeiter lange dabei sind und zuverlässige Größen sind.“ Der Lieferservice sei gut in Anspruch genommen worden. In der Gaststätte ist – wie bei den anderen Gastronomen auch – die Platzzahl beschränkt worden. Außerdem sind die Öffnungszeiten verkürzt. Das führt dazu, dass einige Mitarbeiter immer noch in Kurzarbeit sind. „Anfangs war es ein gehöriger Zeitaufwand, jedem Besucher die Corona-Vorschriften zu erklären“, sagt der Inhaber. „Die Stammgäste sind uns aber treu geblieben und das freut mich besonders, zumal auch die Speisekarte gleich geblieben ist.“

Inka Krebs vom Glindenberger Hof ist seit 25 Jahren hier tätig. „Für uns war klar, wir werden schon irgendwie durchkommen“, sagt sie. „Außerdem haben uns die Monteure die Treue gehalten, die Zimmer bei uns mieten.“ Der Außer-Haus-Verkauf lief eher mäßig, Hoffnung besteht seit die Besucher wieder kommen dürfen. Auch das Angebot ist gleich geblieben. „Angst vor einer eventuellen zweiten Welle müssen sicher alle haben“, sagt Inka Krebs. „Aber die wäre dann ganz sicher existenzgefährdend für so einige Unternehmer.“ Sie erinnert sich noch an die Auswirkungen der Flut im Jahr 2013 zurück. Damals musste der Glindenberger Hof zehn Tage schließen und es gab keine Hilfen. „Das war fast noch schlimmer als jetzt“, resümiert sie.

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Menschen sind vorsichtiger geworden

Xuan Bao Le vom China-Thai-Imbiss in der August-Bebel-Straße ist optimistisch. „Wir sind seit acht Jahren in Wolmirstedt und bleiben das auch“, versichert er. „Die Menschen sind vorsichtiger geworden.“ Der Umsatz sei noch nicht wieder wie vor dem Lockdown. „Wir hatten schon immer viel Außer-Haus-Verkauf“, erzählt er. „Aber auch da sind wir noch nicht wieder auf dem gewohnten Niveau.“

Susanne Kützing betreibt seit dreieinhalb Jahren den Pavillon „Zum Käffchen“ auf dem zentralen Platz. „Im Augenblick bin ich ganz zufrieden“, sagt sie. „Ich kann die Gäste im Pavillon aber auch davor bewirten.“ Das ist für sie wichtig, denn die Platzzahl innerhalb der Räumlichkeit musste auf vier beschränkt werden, zuvor waren es noch neun. Das bedeutet, dass sie im Sommer genug Polster für den Winter aufbauen muss, denn dann kann ein über 50-prozentiger Umsatzverlust drohen. Derzeit läuft es aber nahezu wie zuvor. Die Stammkunden kommen wieder und die Inhaberin blickt hoffnungsvoll in die Zukunft. Dennoch hat sie einige Projekte ins kommende Jahr verschoben, da sie ihr Geld erst einmal zusammenhalten muss. „Die Anfangsphase nach dem Neustart war stressig“, sagt sie. „Manchmal hatte ich abends Kopfschmerzen.“ Jetzt hat sich aber alles wieder einigermaßen eingelaufen.“

Übernachtungen haben Überleben gesichert

Ursula Pankonien, Inhaberin von Auerbachs Mühle in Wolmirstedt sagt: „Die Übernachtungen unseres Hotels mit Frühstück haben uns das überleben gesichert.“ Das Restaurant war vom 17 . März bis 19. Juli geschlossen und dann noch einmal 14 Tage bis zum 8. August. Grund waren zuletzt Reparaturarbeiten wegen eines Wasserschadens. Mittlerweile sind alle Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurück und der Betrieb mit den vorgeschriebenen Auflagen läuft. Die Wochenenden sind bis an das Jahresende nahezu ausgebucht.

Die Inhaberin appelliert an die Eigenverantwortung. „Das gilt für den vernünftigen Umgang und auch beim Ausfüllen der Besucherlisten“, sagt sie. „Bei einem befreundeten Wirt habe ich doch tatsächlich lesen müssen, dass die Biene Maja und ihr Willi zu Gast gewesen sind.“ Außerdem sollten Besucher dem Servicepersonal Zeit lassen, seine Aufgaben zu erfüllen. „Ein ständiges Hin- und Herspringen zwischen den Tischen ist da kontraproduktiv“, äußert sie sich.