Wolmirstedt l Vergnügtes Quietschen dringt aus dem Therapiebad im Bodelschwingh-Haus. Männer und Frauen liegen in den Armen ihrer Betreuer, andere halten sich mit Schwimmnudeln über Wasser. Die Bewegung im warmen Bad tut allen gut, das zeigen die strahlenden Gesichter. Doch damit könnte bald Schluss sein. Für notwendige Reparaturen und Instandhaltungen fehlt schlichtweg das Geld.

„Wir sind gerade dabei, Gespräche zu führen und nach Wegen zu suchen“, sagt Bodelschwingh-Haus-Vorstand Peter Hugo. Die Erfolgschancen seien gering. Demnächst muss der Aktivkohlefilter ausgetauscht werden, außerdem ist die Lüftungssteuerung in die Jahre gekommen. Allein diese Reparaturen schlagen mit fast 18.000 Euro zu Buche. Geld, dass das Bodelschwingh-Haus nicht hat.

Reparaturen verschärfen das Problem

Die anstehenden Reparaturen verschärfen jedoch nur ein Problem, das schon länger besteht. Das Therapiebad wird vom sogenannten Kostenträger nicht anerkannt. Das bedeutet schon länger: Viele Kosten werden über Spenden oder Verträge mit Dritten refinanziert. Das sei schon in der Vergangenheit ein schwieriges Unterfangen gewesen.

Kostenträger ist in diesem Falle die Sozialagentur des Landes. Und die richtet sich nach dem neuen Bundesteilhabegesetz. Demnach wird das Leben von Behinderten Menschen von zwei verschiedenen Stellen finanziert, vom Land und vom Landkreis.

Der Landkreis Börde übernimmt ab Januar 2020 die Kosten für die sogenannten existenzsichernden Leistungen, bezahlt also Wohnung und Heizung. Das Land Sachsen-Anhalt bezahlt darüber hinaus quasi das Leben. Dazu zählen Leistungen, die behinderten Menschen ermöglichen, am „normalen“ Alltag teilzuhaben, übernimmt also unter anderem die Kosten für Bildung, die Arbeit in einer Werkstatt, die Begleitung zum Einkaufen oder zu Freizeitaktivitäten. Die nötige Rahmenvereinbarung wurde am 14. August abgeschlossen. Ein Therapiebad ist darin nicht festgeschrieben.

Dabei ist das Bad gut ausgelastet. Nicht nur von Menschen mit einer Behinderung, sondern auch durch den Reha-Sport. Der Gesundheits-, Behinderten- und Kegelsportverein unterd er Leitung von Petra Grigoleit bietet in diesem Bad regelmäßig Kurse an. Die nutzt auch die Hohenwarsleberin Cordula Berger. „Das Reha-Schwimmen tut mir sehr gut.“. Menschen mit Rücken- oder anderen Problemen finden im warmen Wasser Entlastung und bauen bei den Übungen Muskeln auf. Inzwischen hat Cordula Berger von der drohenden Schließung des Bades gehört: „Ich bin schockiert.“

Warmes Wasser trägt zu Therapieerfolg bei

Ausgerechnet das warme Wasser trägt wesentlich zum Therapieerfolg bei, ist aber auch ein stolzer Kostenfaktor. Es wird auf 35 Grad geheizt. „Jedes Grad verursacht erhebliche Kosten“, sagt Peter Hugo. Das betrifft die Heizung, aber auch zusätzliche Hygienemaßnahmen, die wegen der Wärme erforderlich werden.

Dem Bodelschwingh-Haus ist das Therapiebad dennoch wichtig, denn auch für Menschen mit einer komplexen Beeinträchtigung gilt: „Im Wasser fallen Bewegungen viel leichter. Auch kühlen die Schwimmer durch die Wärme des Wassers nicht so schnell aus.“ Die Muskulatur werde entspannt, therapeutische Übungen wie Beugen oder Strecken können leichter und effektiver durchgeführt werden.

Um das Bad zu erhalten, haben sich die Bodelschwingh-Haus-Vorstände Peter Hugo und Swen Pazina bereits Gedanken gemacht und in Betracht gezogen, das Therapiebad wie einen kostendeckenden Betrieb zu führen. Das würde Eintrittspreise von mindestens 20 Euro pro Person nach sich ziehen. Das halten beide für nicht zumutbar.

Dennoch wird weiter nach Wegen gesucht. Im Sinne der behinderten Menschen und der Reha-Sportler. Peter Hugo weiß: „Die Erfahrung, im warmen Wasser motorisch aktiv zu sein, schenkt Erfolgserlebnisse und stärkt das Selbstbewusstsein enorm.“ Die leuchtenden Augen der Männer und Frauen im Wasser bestätigen das.