Meitzendorf. Im Zuge dessen wurde auch in Meitzendorf ein Bahnhof gebaut. Heute erinnert eine sogenannte Schnittstelle an den einst viel genutzten Umschlagplatz. Nicht wenige Details haben die Mitglieder des Heimatvereins „Geschichtskreis Meitzendorf“ in den vergangenen Jahren über die Geschichte des ehemaligen Bahnhofsgebäudes in ihrem Ort herausgefunden. „Am 11. März 1972 fand um 10 Uhr auf Antrag des Direktoriums der ‚Magdeburger-Halberstädter-Eisenbahngesellschaft’ für die königliche Regierung die Einleitung des gesetzliches Exproprivations-Verfahrens bezüglich durch vereidigte Taxatoren statt“, beginnt Margarete Berner zu berichten. 19 Grundstückseigentümer seien damals enteignet worden. „Damit war der Bau der Eisenbahnstrecke Magdeburg-Oebisfelde begründet.“ Der Bürgermeister dieser Zeit war Ortsvorsteher Knobbe.

Bahnhof und Umschlagplatz

Mit der Inbetriebnahme der Linie noch im gleichen Jahr entstand auch das Bahnhofsgebäude in Meitzendorf. „Für die Einwohner, die über Jahrhunderte mit Pferd und Wagen oder zu Fuß nach Magdeburg oder Haldensleben mussten, war der Bahnanschluss ein großer Fortschritt“, erzählt Margarete Berner weiter. In alten Aufzeichnungen über den Bahnhof haben die Heimatfreunde herausgefunden, dass das Gebäude mit besonderen Einrichtungen versehen war. So war der Haltepunkt mit einer Kopf- sowie einer Seitenrampe ausgestattet und auch mit einer Gleiswaage, einem sogenannten Freilandgleis zum Be- und Entladen von Güterwagen sowie mit Anschlussgleisen an die Zuckerfabrik in Dahlenwarsleben und die Zichorie-Darre. Mit Zucker voll beladene Loren wurden anfangs mit Ochsen- und Maultiergespannen von Dahlenwarsleben aus gezogen. So hatte es Ortschronist Jürgen Dürrmann im März vergangenen Jahres gegenüber der Volksstimme berichtet. „Später wurde eine Lokomotive der Marke Henschel T3 angeschafft.“ Ein Übrigbleibsel der einstigen Bahnstrecke findet sich noch heute in den Resten einer Brücke über den Telzgraben im äußersten Osten Dahlenwarslebens.

Natürlich gab es in Meitzendorf auch einen Bahnhofsvorstand. Dieser war im Bahnhofsgebäude untergebracht.„Der war zum Beispiel für einen reibungslosen Ablauf des gesamten Bahnbetriebs und den Verkauf der Fahrkarten verantwortlich. Er war aber auch Chef der Schranken und Signalwärter“, erklärt Klaus Fassig, stellvertretender Vorsitzender des Geschichtskreises.

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Auch ein Gaststätte gab es

Erster Vorstand mit der Eröffnung der Bahnhofs war Vorsteher Paetow. An Vorstand Eduard Mathies können sich noch einige der Heimatfreunde erinnern. Er leitete von 1940 bis 1945 den Meitzendorfer Haltepunkt und Umschlagplatz. „Vor allem der langjährige Bahnvorstand Rudi Sonnenschein und seine Frau sind sicherlich noch vielen Meitzendorfern in Erinnerung“, erinnert sich Margarete Berner.

Neben einem Vorstand beherbergte der Bahnhof auch eine Gaststätte. Zudem habe es neben den Warteräumen für 1., 2. und 3. Klasse eine Bahnhofswirtschaft gegeben. „Von 1952 bis 1963 übernahmen die Eheleute Mathies den Betrieb“, berichtet Margarete Berner weiter und fügt hinzu: „Erinnern können sich noch viele von uns an Hermann Wöhlicke, Anna Jennrich und, Frau Voquee. Dann wurde die Wirtschaft von 1953 bis 1973 durch die HO mit Hilde Spring betrieben und letztendlich von Lisa Küster.“ Besonders in Erinnerung ist den Geschichtskreis-Mitgliedern das Bötelessen, zu dem Hilde Spring am 1. Mai jedes Jahres einlud.

Besondere Bedeutung fiel den Bahnhöfen der Region im Ersten Weltkrieg zu. Wie Historiker Wilfried Lübeck aus Groß Ammensleben im Frühjahr 2020 der Volksstimme erzählte, wurden zahlreiche Reservisten eingezogen, um die Bahnhöfe der Region in Verpflegungsstützpunkte zu verwandeln. Auch die Bahnstation in Meitzendorf sei umfunktioniert worden. „So mussten die Reservisten beispielsweise für große Fässer sorgen und diese stets mit Wasser bevorraten. Das wiederum war für die abertausenden Pferde der Armee vorgesehen“, hatte der Historiker berichtet.

Mit der Wende kam der NIedergang

Mit der politischen Wende im Jahr 1989 begann der Niedergang des Bahnhofs in Meitzendorf. „Bis in die 1990er Jahre war der Schalter mit Personal besetzt. Dann stellte die Bahn den Schalterbetrieb ein und die Reisenden mussten ihre Tickets am Automaten lösen“, berichtet Margarete Berner dazu. Die Bahnhofsgaststätte schloss ebenfalls. Mit dem Leerstand sei das Gebäude zusehends verfallen.

Im Jahr 2010 rollte der Abrissbagger an

„Durch die Initiative unseres damaligen Bürgermeisters Bernhard Niebuhr gab es eine Vereinbarung zum Umbau“, sagt die Heimatfreundin. Das Gebäude selbst hat die Zeiten nicht überlebt. Weil sich weder eine Nachnutzung ergab noch Interessenten gefunden worden, entschloss sich die Gemeinde, die Fläche zu erwerben und den Bahnhof im Jahr 2010 abzureißen. „Viele Menschen haben den Abriss bedauert“, erinnert sich die Vorsitzende des Geschichtskreises, Bärbel Kriege.

Im Sommer des gleichen Jahres erfolgte der Umbau des Bahnhofsvorplatzes zur Schnittstelle mit Anschluss an den Busverkehr. Der Platz wurde neu und barrierefrei gestaltet. Außerdem wurden Wartehallen sowie Parkplätze errichtet.