Zucker aus Wolmirstedt

Im Jahr 1838 wird erstmals eine Stärkefabrik erwähnt. Die Produktion von Rohzucker kommt 1850 hinzu.

1871 kauft die Firma Loss die Fabrik.

Eine Werksbahn zum Bahnhof wird um 1900 gebaut.

1948 wird die Zuckerfabrik enteignet und anschließend zum Volkseigenen Betrieb.

Im Jahr 1965 wird die Anlage demontiert.

Wolmirstedt l Rohzucker, Couleur und Kartoffelstärke aus Wolmirstedt – bis zum Jahr 1965 wurde in der ehemaligen Zuckerfabrik an der Ohre produziert. Viele der Wolmirstedter, die am Geschichtscafé im Museum teilnahmen, bei dem Wissenslücken durch Zeitzeugen geschlossen werden sollten, erinnerten sich noch an das Werk.

Wer an die Zuckerfabrik denkt, der kommt an dem Namen Loss nicht vorbei. Der Wolmirstedter Friedrich Loss kaufte die Fabrik im Jahr 1871 und brachte sie auf Erfolgskurs. Mit seiner Familie zog er in den Junkerhof – auch heute eine bekannte Adresse in der Stadt.

Doch was passierte in späteren Jahren mit dem Junkerhof? Ab 1974 wird das Herrenhaus zur Sonderschule Clara Zetkin. Doch auch schon davor waren verschiedene Schulformen dort ansässig, wie zwei Teilnehmerinnen berichten. Zuerst wurde in dem Herrenhaus eine Erweiterte Oberschule, Klassen 9 bis 12, untergebracht. Später lernten nur noch fünfte bis neunte Klassen in dem Haus. Damit konnten die ehemaligen Schülerinnen eine weitere Wissenslücke schließen – genau dafür ist das Geschichtscafé gedacht.

Doch nicht nur in die Historie, auch in die Zukunft wurde geblickt. Unter den Teilnehmern war auch Eckardt Mohaupt, der Teile des alten Fabrikgeländes im Jahr 1994 erwarb. Seit Jahren schwebt ihm vor, aus dem alten Speicher Leben einzuhauchen. „Mein Ziel war es, dort modernen Wohnraum zu schaffen“, sagt Mohaupt. Doch bisher blieben die Pläne ohne Erfolg, da das Gebäude laut Bebauungsplan nur zu gewerblichen Zwecken genutzt werden soll.

Trotzdem gibt der heute 77-Jährige nicht auf. Derzeit wird die Außenfassade in altem Antlitz hergerichtet, mehrere Fenster wurden ausgetauscht. Strom und Abwasserleitungen fehlen der alten Halle noch, doch auch das steht auf der To-Do-Liste des Eigentümers. Und wer weiß, vielleicht wird dort in Zukunft eine Gaststätte oder ein Gästehaus die Wolmirstedter in die ehemals süßeste Ecke ihrer Stadt ziehen.