Wolmirstedt l Dass es nicht leicht wird, war allen Beteiligten von Anfang an klar. Als sich die Arbeitsgruppe „Gestrandeter Zug“ im September 2018 zum ersten Mal traf, stand eine große Idee im Raum. Es sollte um die Geschehnisse im April 1945 gehen, als ein KZ-Zug aus Bergen-Belsen in Farsleben strandete und 2500 Juden befreit wurden. Viele kleine Schritte sind die Mitglieder gegangen. Sie haben vieles bewirkt, mussten aber auch Rückschläge einstecken. Ein Mahnmal an den Bahngleisen in Farsleben, Informationsstelen in Wolmirstedt, Hillersleben und Farsleben, Lesungen und Zeitzeugeninterviews, eine Ausstellung – die Liste der Vorhaben ist lang und wird immer länger.

„Wir verausgaben uns. Jeder von uns hat ja auch noch ein Arbeits- und ein Privatleben“, sagt Anette Pilz, die im Vorstand des Vereines und gleichzeitig Leiterin des Wolmirstedter Museums ist. Einige Mitglieder kommen an ihre Grenzen, geben einen Großteil ihres Privatlebens für die engagierten Projekte her. Im ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen waren sie zu Besuch, im brandenburgischen Ort Tröbitz, in dem ebenfalls einer der Transporte landete, sie sind für Zeitzeugeninterviews teils weit gereist – und haben all das privat bezahlt.

Förderanträge abgelehnt

Die Mitglieder haben unzählige Anträge auf Förderung gestellt und wurden oft enttäuscht. Stiftungen wie die Gedenkstättenstiftung Sachsen-Anhalt oder die Friedrich-Springer-Stiftung wurden vom Verein angeschrieben, doch die Antwortschreiben enthielten Absagen. „Viele Stiftungen planen ihre Ausgaben über Jahre vor. Der Zeitfaktor ist unser größtes Problem“, so Anette Pilz. Die größte Errungenschaft waren knapp 3000 Euro Fördermittel durch die Partnerschaft die Demokratie des Landkreises Börde, die sie in der vergangenen Woche erhielten. Zu den bis dato 25 Mitgliedern konnte Landrat Martin Stichnoth (CDU) gewonnen werden.

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Inzwischen mussten einige Projekte wie die Informationsstelen auf Eis gelegt und vertagt werden. „Am Wichtigsten ist für uns, dass an den Bahngleisen in Farsleben bis zum 13. April 2020 ein Gedenkstein errichtet ist“, so Anette Pilz. Dieser soll für die Hinterbliebenen eine Anlaufstelle sein, an der sie trauern können und sehen, dass das Ereignis in Wolmirstedt nicht vergessen wurde.

Bisher konnte der Verein aus eigener Kraft Lesungen mit Zeitzeugeninterviews veranstalten, die eine Schüler-Arbeitsgemeinschaft des Gymnasiums auf die Beine gestellt hat. Eine Broschüre gibt es ebenfalls, gepaart mit einem Banner für den Verein. Die Verhandlungen zu dem Gedenkstein stehen nun im Fokus. „Wir haben schon viel geschafft, aber manchmal sind eben nur kleine Schritte möglich“, so Anette Pilz. „Inzwischen ist die Geschichte um den gestrandeten Zug wieder in den Köpfen verankert. Das ist uns wichtig.“ Der Verein hofft auf neue Mitglieder, die sich engagieren möchten.