Magdeburg l „Ich bin total aufgeregt“, beschrieb Regisseur Robert Hirschmann vor den hundert Gästen im Kinosaal seine Gefühlslage. Im Volksstimme-Gespräch ging der 20-jährige Filmemacher wenig später näher darauf ein: „Es ist in dieser Form meine erste Filmpremiere – und das ist einerseits eine riesige Ehre, aber man spürt andererseits auch diesen gewissen Druck, ob das, was da gleich zu sehen ist, dem Publikum gefällt.“ Es sei vorweg genommen: Das tat es, weshalb sich Hirschmanns Anspannung auch rasch löste in: „Ich bin überwältigt.“

Mit „Gestrandet“ greift Robert Hirschmann einen schicksalhaften Häftlingstransport ausgangs des Zweiten Weltkriegs filmisch auf, den KZ-Zug von Farsleben (siehe Infokasten). Als Regisseur, Kameramann und Cutter in Personalunion verdichtet der Langenweddinger die fast einwöchige Odyssee rund 2500 jüdischer Häftlinge auf gut zehn Minuten. „In der Ur-Version waren es noch zwölf Minuten Laufzeit“, sagt Hirschmann, „aber es hat sich gefühlt etwas gezogen, die Magie des Silhouetteneffekts ging da etwas verloren, deshalb habe ich den Film überarbeitet und gestrafft.“

Gedreht beim Offenen Kanal

Gedreht worden war vor knapp einem Jahr im Studio des Offenen Kanals Magdeburg. Den Löwenanteil am Werk machte dann die Postproduktion aus, der sich Hirschmann über mehrere Monate hinweg intensiv widmete.

Bilder

Die Begleitmusik als ein wesentlicher Aspekt des Silhouettenfilms ohne gesprochenes Wort ist in Ummendorf entstanden. Kreativer Kopf hierfür: Hirschmanns Kumpel und mittlerweile auch Geschäftspartner Calvin Luc Freier. Er berichtete am Rande der Premiere: „Zur Überarbeitung zuletzt gehörte auch, dass wir den Soundtrack vor drei Wochen noch mal völlig neu entwickelt und eingespielt haben. Das allein waren drei Tage ohne Schlaf. Aber es hat sich gelohnt.“ Das empfand auch Sachsen-Anhalts Innenminister so. „Großartig!“, schmetterte Holger Stahlknecht nach dem Abspann aus der letzten Reihe durch den Saal. In seinem Grußwort zuvor hatte er mit Bezug auf den inhaltlichen Hintergrund des Films betont: „Dummheit bringt Bösartigkeit hervor. Wir sollten uns gegen die stellen, die mit dumpfen Parolen versuchen, andere dumm zu machen.“

Börde-Landrat Martin Stichnoth befand angesichts der Tatsache, dass „Gestrandet“ bereits vor der offiziellen Premiere – sie war coronabedingt von März auf August geschoben worden– einen Filmpreis eingeheimst hat: „Der zweite Platz beim Kinder- und Jugendkulturpreis Sachsen-Anhalt kann sich sehen lassen. Der Landkreis ist stolz auf euch, das ist auch eine Art Aushängeschild für uns. Die Geschichte des Zugs ist mir wohlbekannt, ich bin ja in der Nähe aufgewachsen, und meine alte Schule, das Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasium Wolmirstedt war und ist in die Gedenkarbeit involviert.“

Das wusste Anette Pilz vom Kreismuseum Wolmirstedt, dem der Förderverein „Gestrandeter Zug“ angeschlossen ist, zu bestätigen: „Das Gymnasium ist in der Erinnerungsarbeit ein wichtiger Partner.“ An Robert Hirschmann gewandt, meinte sie zudem: „Ich durfte den Film ja vorher schon sehen – du hast das, ihr habt das toll gemacht.“

Körperhaltung war extrem wichtig

Als die Filmcrew nach der Premiere vor der Leinwand stand und mehrfach den verdienten Applaus erntete, berichtete für die Darsteller Jack Aubrecht: „Es war eine interessante Erfahrung. Robert hat uns mit seiner Energie da durchgelotst, war allerdings auch ein akribischer Chef, der auf jede Kleinigkeit geachtet hat. Die Körperhaltung war extrem wichtig, da es keine Dialoge gibt.“

Hirschmann ergänzte dazu: „Die Silhouette ist für mich sicheres Fahrwasser, weil wir in der Form früher schon einen Film („Der Letzte Brief“; Anm. d. Red.) umgesetzt haben. Die Technik hat zudem den Vorteil, dass man die Geschichte ohne großes Budget für Kostüme und Ausstattung abbilden kann.“ Seinem Team sprach der Regisseur schließlich ein Sonderlob aus: „Sie machen einfach mit – ohne Selbstzweck und immer für eine größere Sache. Das ist wunderbar.“

Reichweite und Realverfilmung

Von Moderatorin Jenny Langner auf seine weiteren Filmpläne angesprochen, hielt sich Robert Hirschman zurück: „Gestrandet soll jetzt erst mal Reichweite gewinnen, und mit Calvin zusammen will ich mich auf die Eigenständigkeit mit Auftragsproduktionen konzentrieren.“

Gegenüber der Volksstimme machte Robert Hirschmann dennoch klar, dass eher früher als später mit einem neuen Streifen zu rechnen sei: „Im nächsten halben Jahr werde ich mich nach erzählenswerten Themen umschauen. Es soll dann auf jeden Fall eine Realverfilmung werden.“