Deiche von Elbe und Ohre sollen schneller saniert werden

Glindenberger fordern stärkeres Drängen beim Land für den Hochwasserschutz

Von Gudrun Billowie

Glindenberger Bürger fordern von der Stadtverwaltung, dass Wolmirstedt gegenüber dem Land Sachsen-Anhalt beim Hochwasserschutz mehr aufs Tempo drängt.

Wolmirstedt l Den Glindenbergern steckt das Juni-Hochwasser noch in den Knochen. Es werden Forderungen laut, den Hochwasserschutz Wolmirstedts auf der Agenda des Landes nach oben zu hieven. Bürgermeister Stichnoth (CDU)sieht den Hochwasserschutz in erster Linie als Landessache, was er auch ist. "Ich bin mir sicher, dass es ein fataler Fehler ist, sich auf eine solche Betrachtung zu beschränken", schreibt hingegen der Glindenberger Gert-Volker Grämer der Volksstimme.

Grämer fordert Maßnahmen und Schritte zum Hochwasserschutz, die materiell und finanziell gesichert sind und für die ein verbindlicher Realisierungstermin besteht.

Mit dieser Haltung unterstützt er die Glindenberger Stadträtin Gisela Gerling-Koehler (FDP), die ebenfalls vom Bürgermeister und der Verwaltung fordert, die Interessen Wolmirstedts dem Land gegenüber mit mehr Nachdruck zu vertreten. "Das Thema Deichbau wird derzeit in vielen Gemeinden gefordert", sagt sie, "und Wolmirstedt sollte nicht schweigen."

Die FDP-Stadträtin erhob im Hauptausschuss und im Stadtrat ihre Stimme und so beschloss der Stadtrat, demnächst eine Bürgerversammlung zum Thema "Hochwasserschutz an Elbe und Ohre" durchzuführen. Sachsen-Anhalts Umweltminister Hermann Onko Aeikens (CDU)und der Leiter des Landesbetriebes für Hochwasserschutz (LHW) sollen als Referenten geladen werden. Der Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben. Weiterhin soll die Verwaltung eine Hochwasserproblem- beschreibung vorlegen, der eine Prioritätensetzung bei den Maßnahmen zum Hochwasserschutz folgt.

Ein längst überfälliger Schritt, findet Gert-Volker Grämer. "Ich werde einfach den Eindruck nicht los, dass der hochwassersichere Standort des Rathauses Gedanken, Haltung und Taten der Stadtverwaltung beeinflusst", macht er seinem Herzen Luft.

Er selbst hat die Zeit der Evakuierung noch allzu lebhaft in Erinnerung. Der Glindenberger und seine Frau hatten während des Hochwassers im Hotel gelebt und soweit es möglich war nach ihrem Haus geschaut. "Der Weg nach Wolmirstedt weckt noch immer merkwürdige Erinnerungen", schreibt Gert-Volker Grämer, "vor wenigen Monaten sah es hier aus wie an einem Haff. Nur die Sandsackbarrieren links und rechts der Straße störten diese Idylle."

Auch der Glindenberger Reinhard Golz wünscht sich aus dem Wolmirstedter Rathaus ein stärkeres Drängen beim Land für den Hochwasserschutz. "Wolmirstedt hat die tatsächliche Relevanz des Hochwasserschutzes offenbar noch nicht begriffen", sagt er, "wenn der Deich bricht, sind nicht nur Glindenberg und Heinrichsberg betroffen, sondern auch Teile Wolmirstedts, allen voran der Handwerkerring."

Reinhard Golz war kurz davor eine Bürgerinitiative für den Hochwasserschutz zu gründen. Momentan sieht er dafür jedoch keinen Bedarf. "Frau Gerling-Koehler ist aktiv", sagt er, "wir wollen sie unterstützen."

Der linke Elbdeich von Glindenberg bis Heinrichsberg ist bereits auf einer Länge von 2,65 Kilometern saniert worden. Dieses Stück hielt dem Hochwasser stand. Die weitere Sanierung in Richtung Heinrichsberg fiel jedoch dem Rotstift zum Opfer. In diesem zweiten Abschnitt liegt auch das abgerutschte Deichstück am Kilometer sechs. Immerhin sei dieses Deichstück inzwischen provisorisch hergerichtet worden und halte einem Winterhochwasser stand, heißt es auf Volksstimme-Nachfrage aus dem Umweltministerium.

Das nächste "Jahrhundert"-Hochwasser aber darf in der Tat nicht allzuschnell kommen. Das Umweltministerium rechnet mit dem Ende der Sanierung des zweiten 4,25 Kilometer langen Deichabschnittes spätestens im Jahr 2020. Mittel aus dem europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) sollen finanzieren. "In der laufenden Förderperiode ist die Umsetzung dieses zweiten Abschnittes nicht mehr möglich", heißt es aus dem Umweltministerium, "ein möglicher Baubeginn kann daher noch nicht datiert werden. Die Bauzeit würde circa 1,5 Jahre betragen. Die Planungen sollen 2014 beginnen"

Die Erfahrungen des Juni-Hochwassers haben eine Überplanung des zweiten Bauabschnitts zwischen Kilometer 3,55 bis 7,8 erforderlich gemacht, teilt Ministeriumssprecher Detlef Thiel mit. "Nunmehr muss ein Deich mit einer Innendichtung aus Ton sowie mit landseitiger Berme in einem drei Kilometer langen Waldabschnitt errichtet werden."