Wolmirstedt l Die Graffiti setzen klare Botschaften: gegen Gewalt, für gleiche Rechte von Männern und Frauen, gegen Krieg, für Toleranz. Das entspricht den Leitlinien der Arbeitsgruppe „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“. 14 Schülerinnen und Schüler gehören derzeit dazu. Sie alle haben die einzelnen Motive erdacht und auf Leinwand gesprüht.

Wer so ein Bild besitzen möchte, muss dafür mindestens 20 Euro auf den Tisch legen, nach oben sind keine Grenzen gesetzt. Der Erlös kommt dem Frauenhaus zugute. Viele Werke haben bereits Liebhaber gefunden, 220 Euro sind inzwischen zusammengekommen. Deshalb wurde ein großer Scheck an die Frauenhausmitarbeiterinnen Wladilena Engelbrecht, Ramona Petsch und Carmen Rygalla überreicht. „Davon werden wir unseren Frauen und Kindern einen schönen Tag gestalten“, sagt Teamleiterin Wladilena Engelbrecht.

Ausflug organisiert

Bereits im vergangenen Jahr haben die Mitarbeiterinnen einen Ausflug in den Harz organisiert. Damals hatte die Interessengemeinschaft Innenstadt mit ihrer Spende zum Gelingen beigetragen. Die Frauen und Kinder hätten lange von diesem schönen Erlebnis gezehrt, berichtet Wladilena Engelbrecht. Deshalb freuen sie sich sehr, dass die Spende der Gymnasiasten dazu beiträgt, wieder so eine Erinnerung zu schaffen.

Bilder

Aufmerksamkeit für Frauen

„Wir haben uns schon vor dem Graffiti-Workshop dafür entschieden, das Geld dem Frauenhaus zukommen zu lassen“, sagt Lina Sanftenberg von der Arbeitsgruppe „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“. Die Mädchen und Jungen meinen, den Frauen im Frauenhaus werde viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.

Die Bilder wurden in der Schule und im Freundeskreis verkauft, auch auf den sozialen Netzwerken angepriesen. Ein paar Exemplare sind noch zu haben. Wer sich dafür interessiert, kann sich im Kurfürst-Gymnasium melden.

10 Kinder und Mütter im Frauenhaus

Derzeit leben 10 Kinder mit ihren Müttern im Frauenhaus, es ist absehbar, dass sie den Sommer in der Obhut der Mitarbeiterinnen verbringen werden. Insgesamt finden im Frauenhaus des Landkreises Börde acht Frauen und 13 Kinder gleichzeitig Platz. Zunehmend suchen auch Migrantinnen Schutz. Es gibt Kinderzimmer, einen Entspannungsraum sowie Aufenthaltsräume. Träger ist der Verein „Rückenwind“, der seinen Sitz in Bernburg hat.

Die Bewohnerinnen auf Zeit haben Gewalt in den eigenen vier Wänden erlebt, können im Frauenhaus zur Ruhe kommen. Die Mitarbeiterinnen helfen dabei, das Leben nach dem Frauenhausaufenthalt zu justieren, unterstützen auch bei der Jobsuche. „Frauen, die finanziell für sich und ihre Kinder sorgen können, entscheiden freier“, macht Wladilena Engelbrecht deutlich. Die Mitarbeiterinnen sehen es als Erfolg an, wenn die Frauen sich selbst und ihren Kindern zuliebe einen Weg aus der gewalttätigen Beziehung finden. Manche kehren jedoch zum Partner zurück. Wie immer sich die Frauen entscheiden, nach dem Auszug aus dem Frauenhaus werden sie bis zu einem Jahr von den Frauenhausmitarbeiterinnen nachbetreut.

Größtes Schulnetzwerk

„Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ ist das größte Schulnetzwerk in Deutschland, inzwischen gehören bundesweit 2500 Schulen dazu. Dem Kurfürst-Joachim-Friedrich-Gymnasium wurde dieser Titel bereits 2006 verliehen, damals als dritter Schule in Sachsen-Anhalt.

Der Titel ist kein Preis und keine Auszeichnung für bereits geleistete Arbeit, sondern eine Selbstverpflichtung für die Gegenwart und die Zukunft. Schulen, die diesen Titel tragen, übernehmen Verantwortung für das Klima an der Schule und im Umfeld, heißt es in den Grundsätzen. Mindestens 70 Prozent aller, die an dieser Schule lernen und arbeiten, also Lehrer und Schüler, verpflichten sich mit ihrer Unterschrift, sich gegen jede Form von Diskriminierung an ihrer Schule aktiv einzusetzen, bei Konflikten einzugreifen und regelmäßig Projekttage zum Thema durchzuführen.

Benefizlauf und Forschung

Im Kurfürst-Gymnasium organisierte die Projektgruppe seit ihrem Bestehen unter anderem einen Benefizlauf zugunsten der Opfer rechtsextremer Gewalt, rückte Afrika in den Mittelpunkt und erforschte in den vergangenen Jahren unter anderem jüdisches Leben in Wolmirstedt. Zum Abschluss der Forschungen verlegten die Gymnasiasten Stolpersteine in der Wolmirstedter Innenstadt, die an die jüdische Familie Herrmann erinnern. Zehn Jahre lang hat Andrea Schlaugat die Arbeitsgrupe geleitet, inzwischen steht Lehrerin Denis Kionczyk zusammen mit ihrer Kollegin Wiebke Zink vorn.

Auf den Graffiti-Workshop zugunsten des Frauenhauses wird bald ein weiteres Projekt folgen. Welches das sein wird, möchte Denise Kionczyk jedoch noch nicht verraten.