Wolmirstedt l „Die Kirche ist die Seele einer Stadt. Wenn sie in Flammen steht, ist das eine Tragödie“, sagt Ina Lambert, Wolmirstedts Pfarrerin. Als sie von dem Brand in Notre Dame erfuhr, sei sie bestürzt gewesen. Das Feuer vom Montagabend hatte die Kathedrale – wichtiges Wahrzeichen der französischen Hauptstadt und ein jährlich von Millionen Menschen besuchter Touristenmagnet – stark zerstört. Einige Wolmirstedter erinnerte die Brandkatastrophe an Wolmirstedt, denn auch ihre Kirche stand einst lichterloh in Flammen.

Es war im Jahre 1973, als die bis dato mit knapp 100 Jahren noch relativ junge Kirche brannte. Auslöser war laut Museumsmitarbeiter Jörg Bonewitz der große Ofen, der den Innenraum für den Gottesdienst am Heiligabend wärmen sollte. Über Nacht, als die Kirche leer war, entstand ein Schwelbrand im Schornstein, der immense Schäden an dem Gotteshaus anrichtete. Viele Jahre stand die Katharinenkirche leer, Gottesdienst mussten ausweichen.

Aufmerksamkeit eines Feuerwehrmannes

In der Volksstimme vom 2. Dezember 1997, als der Brand im Zuge des 120-jährigen Jubiläums des Gotteshauses Thema war, steht geschrieben: „Dass die Kirche nicht abgebrannt ist und der Brand gelöscht werden konnte, war der Aufmerksamkeit eines Mitgliedes der Freiwilligen Feuerwehr, Erwin Steck, zu verdanken.“

Bilder

Das Kirchengebäude konnte damals gerettet werden, der Innenraum jedoch völlig umgestaltet. Eine Zwischendecke verkleinerte den Gottesdienstraum und machte Platz für Diensträume der kirchlichen Verwaltung des Kirchenkreises. Die Einweihung wurde am 1. Advent 1981 gefeiert. Das große Kreuz, das einst in der Mitte des Kirchenschiffes hing, fiel den Flammen nicht zum Opfer. Auch heute ziert es den Innenraum, wenn auch an anderer Stelle.

Heute Feuerlöscher in der Kirche

Heute gibt es zwei Feuerlöscher im Gotteshaus – in der unteren und oberen Etage. Diese werden regelmäßig auf ihre Funktionstüchtigkeit untersucht. Zuletzt wurden sie im Jahr 2018 geprüft.

Für die Feuerwehr ist ein Kirchenbrand kein Routineeinsatz, da das Gebäude aufgrund seiner Höhe als Hochhaus eingestuft wird. Die Feuerwehr Zielitz übte im vergangenen Jahr einen Einsatz an dem Gotteshaus.

Die Kirche als ein Stück Heimat

„Man kann sich nicht vorstellen, was das damals für die Menschen bedeutet hat“, sagt Ina Lambert. „In solchen Gebäuden steckt so viel Mühe und Schweiß.“ Menschheit- und Christentumsgeschichte gehen bei einem solchen Brand kaputt.

„Natürlich ist die Katharinenkirche eine andere Kategorie als Notre Dame. Aber eine Kirche ist immer ein Stück Heimat“, so die Pfarrerin. Oftmals sehe man den Kirchturm bereits von weitem, der Anblick löse ein Gefühl von Zuhause aus. Sie hofft, dass das Herzstück Wolmirstedts nie wieder so bedroht wird wie damals.