Wolmirstedt l Es wurde das Stadtfest besonders gefeiert, weil mit der Ersterwähnung Wolmirstedts vor 1010 Jahren ein kleines Jubiläum anstand. Und deshalb hatte Gudrun Billowie auch ein besonderes Stück für die historische Ratssitzung geschrieben. Die gehört seit vielen Jahren zu den Höhepunkten im Programm des Stadtfestes und hat eine feste Fangemeinde. Auch 2019 spielten Stadträte in prächtigen Theaterkostümen auf der Freilichtbühne vor großem Publikum. Das kam wieder voll auf seine Kosten, denn die Autorin hatte wie gewohnt viele Aufreger aus 2018 in ein historisches Gewand gepackt und alles mit viel hintergründigem Humor und passenden Liedern gewürzt.

Im Mittelpunkt stand diesmal die Feuerwehr, die zum Ende der Sitzung auf offener Bühne sogar einen Löscheinsatz hatte. Aber der Reihe nach.

Burmeisterin Marlies Cassuhn hatte zu Beginn betont, dass die Stadt dringend eine Feuerwehr braucht und unbedingt ein Oberbrandmeister gewählt werden muss. Das war für den Ratsherrn Heinz Maspfuhl Anlass, auf die Brände von Müll in Farsleben und Elbeu sowie in der „Keksschule“ zu erinnern, so wird die Leibniz-Schule im Volksmund genannt.

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Daran entzündete sich dann ein vergnüglicher Disput mit durchaus ernstem Hintergrund. Da wurde sich gewünscht, dass ein Feuer im Rathaus alle Strafzettel für falschgeparkte Kutschen dahinraffe, die Gartenfeuer weiter lodern dürfen oder ein Reitweg von Glindenberg nach Magdeburg gebaut wird. Auch Fragen standen im Raum: Warum stellt Wolmirstedt keinen Maibaum auf? Warum gibt es immer noch keine Lösung für die vollgestopfte Gutenberg-Schule? Und wie kann sich die Stadt vor „von Bösartigkeit zerfressenen Menschen“ (O-Ton Jörg Bonewitz), denen der bronzene Gerber zum Opfer gefallen ist, schützen?“

Blauröcke im Mittelpunkt

Letztlich aber drehte sich alles um die Blauröcke, die mit historischer Feuerwehrspritze gekommen waren. Die Feuerwehrleute zeigten, was dieses alte Gerät noch kann, die spielfreudige Ratsfrau Rebecca Lange, die ein imaginäres Feuer darstellte, wurde in voller Montur „gelöscht“. Sie hatte zuvor immerhin gerufen: „Ich brenne leidenschaftlich gern!“ Sie jedenfalls nahm die „Dusche“ mit viel Humor.

Überhaupt zeigten die zwölf Ratsdamen und -herren eine Stunde lang ihre komödiantische Seite, spielten mit viel Freude und lachten kleine Patzer weg. Wobei besonders Thomas Schlenker schauspielerisches Talent zeigte. Und wie ging die Geschichte aus? Bevor die Zuschauer ihren Brand wie üblich mit Freibier löschen konnten, musste noch ein Beschluss zur Feuerwehr her. Schnell war man sich einig: Ohne die Löschtruppen in Wolmirstedt und den Ortsteilen geht es nicht!!! Die Wahl des Oberbrandmeisters dauerte etwas länger, denn der einzige Kandidat dafür, Michael Langrock (vom Publikum gefeiert wie ein Rockstar), hatte eine lange Liste mit Forderungen für die Wehren. Als die Burmeisterin dem Oberbrandmeister schließlich doch den Orden an die Brust heftete, tanzten alle vergnügt nach dem Lied „Atemschutz in der Nacht, das Feuer wird nun ausgemacht“.

Das Publikum auf der vollbesetzten Freilichtbühne zeigte sich begeistert, gab mehrmals Zwischenbeifall, buhte manchmal, lachte viel und sang gerne mit.