Wolmirstedt l Das saarländische Bexbach ist ein Ort, in den es Mario Elsner zieht. Zum zweiten Mal übrigens, wie er betont. Das Projekt Epic Empires oder auch Utopion lockt den Wolmirstedter – ein Spielplatz für Erwachsene, der vom 8. bis 12. August seine Tore öffnen wird. Für diese Zeit lebt Elsner völlig autark, empfindet Bräuche und Gewohnheiten der Antike nach. Das Vergnügen teilt er mit etwa 1500 weiteren Spielern aus ganz Deutschland, die sich auf recht unterschiedliche Lager verteilen. Er selbst gehört dem Lager der Myrmidonen an und führt sogleich bekannte Namen des in Thessalien einstmals ansässigen antiken Volkes an. „Wohl jedem ist Achilles geläufig. Er führt die Truppen gegen Troja.“ Mit etwa 50 Kämpfern wird der Wolmirstedter das Lager teilen. Gleichsam neben anderen schlagen Griechen, Römer oder Perser ebenfalls eines der knapp ein Dutzend Themenlager in Bexbach auf.

„Wir spielen dort eine uns gefällige Geschichte, stellen Kämpfe nach, machen Gefangene oder fallen im Gefecht“, erzählt Mario Elsner. Allerdings sei der Tod nur von kurzer Dauer, denn ein Heiler könne helfen, ins Leben zurückzukehren. Der Heiler vernähe dann die vermeintlichen „Wunden“. Man müsse nicht nur einen guten Kämpfer mimen, sondern auch ein guter Schauspieler sein. Und wer Lust auf eine wirklichkeitsnahe „Narbe“ habe, lasse sich diese einfach aufmodellieren. Die große Bühne sei das Schlachtfeld, schmunzelt Elsner. Manche Teilnehmer spielen mehrere Rollen. So schlüpfe ein Priester sehr gern in die Rolle eines Sklaven.

Wettkampfsportler im Schießen

Auch Waffen kommen zum Einsatz. Speere und Schwerter für die Attacke, Schilde zur Abwehr. Mario Elsner ist ein exzellenter Bogenschütze. Das Schießen betreibt er als Wettkampfsport. Im vergangenen Jahr sei seine Trefferquote nahe bei einhundert Prozent gewesen. „Wer von mir aufs Korn genommen wird, den erwische ich.“ Allerdings ohne Folgen für das Ziel, denn es werden lediglich Schaumpfeile abgefeuert. „Es klatscht ein bisschen, aber verursacht keine Schmerzen“, verspricht Mario Elsner. Er selbst wird sich gut behütet ins Getümmel stürzen. Eine Überraschung für dieses Jahr hat er bereits in Petto. Je nach Gemengelage werde er zusätzlich zu seinem Bogen zwei Äxte unter seinem Gewand verstecken. „Im letzten Jahr hatte ich keine richtige Nahkampfwaffe, nur einen kleinen Dolch. Schwierig, sich im Kampf Mann gegen Mann zu behaupten.“ Ein antiker Helm wird seinen Kopf schützen. Beim Zielen sei der Helm etwas hinderlich. Wenn im Lager der Myrmidonen Nachtwache ansteht, werde er Ausschau nach potenziellen Feinden halten, warnt Elsner vor. Er zehrt dabei von Erfahrungen des vergangenen Jahres. Da hatten sich tatsächlich einige Krieger aus dem Schattenreich an den Palisaden des Lagers empor gehangelt. Denen sei auf die Finger geklopft worden, erinnert sich Elsner und grinst. Am Ende der Woche steht das große Finale an. Dann stehen sich die Kämpfer gegenüber und wird es richtig zur Sache gehen. Grund zur Sorge bestehe aber nicht. Niemand werde verletzt, das sei auch gar nicht gewollt.

Der Aufenthalt im antiken Lager bedeutet eine Woche Ruhe – ganz ohne Handy.

Spaß ist Hauptsache

„Es geht nicht ruppig zur Sache. Es ist alles einfach nur Spaß und es soll auch beim Spaß bleiben. Übertriebene Härte gibt es nicht. Kampfrichter passen auf, dass nichts aus dem Ruder läuft.“

Das Lagerleben bedeute eine Woche Ruhe vor dem Handy zu haben, eine Woche entspanntes Leben. Ohne dabei auf den Komfort sanitärer Einrichtungen verzichten zu müssen. Zeit zum Kennenlernen gibt es zum Beispiel im „Teezelt“. Kaffeetrinker haben Pech, denn in der Antike gab es das koffeinhaltige Getränk noch nicht. Für die Teilnehmer willkommene Gelegenheit, „im Herzen unserer kleinen antiken Siedlung eine kurze Rast einzulegen, einen Wein zu trinken und uns auszutauschen.“