Wolmirstedt/Elbeu l Ob Landbesitzer, Jäger oder Mitarbeiter der Stadt Wolmirstedt, immer wieder entdecken sie illegal in die Landschaft gekippten Müll. „Man kann sagen, dass davon alle landwirtschaftlichen Wege rings um Wolmirstedt betroffen sind“, sagt Dirk Illgas, Fachdienstleiter Ordnung und Sicherheit der Stadt Wolmirstedt. „Die Verkippung geschieht, obwohl schon das Befahren dieser Wege für den öffentlichen Verkehr verboten ist.“ Erst am Dienstag haben Mitarbeiter der Stadt einen Fall bei Elbeu dokumentiert. „Da sind Fliesenreste entsorgt worden“, erklärt Illgas.

Ähnliche Berichte gibt es von Landbesitzern und Jägern aus den Bereichen Barleben und Niedere Börde. Das bestätigt auch Alexander Lessing, der seine Jagd-Reviere bei Jersleben sowie Samswegen hat. Letzteres reicht bis an die Ohrestadt heran. „Das Thema Schlachteabfälle wurde ja bereits ausführlich besprochen. Ich hatte allein fünf solche Funde im letzten Jahr“, sagt er. „Illegaler Müll stellt aber noch einmal einen gesonderten Punkt in Sachen Größenordnung dar.“

Jäger als Naturschützer

Lessing hat schon vor 14 Jahren entsprechende Aufräumaktionen im Bereich Jersleben initiiert. „Bei unserem ersten Einsatz haben wir zwei Container mit je elf Kubikmetern Fassungsvermögen gefüllt“, erinnert er sich. Gemeinsam mit Mitgliedern des Heimatvereins und der freiwilligen Feuerwehr räumen die Jäger hier regelmäßig die Fluren und Wege. „Ein Container wird immer voll“, versichert Lessing. Ähnlich geht es Oliver Grundt, der das benachbarte Revier bewirtschaftet, welches ebenfalls an Wolmirstedt angrenzt.

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„Im Bereich der Kiesgruben liegt eigentlich immer etwas“, bestätigt er. „Dabei handelt es sich oft um Bauschutt, Lattenholz und Grünschnitt.“ Es wurden aber auch schon gebrauchte Matratzen und Möbelstücke gefunden. Als besonders frech empfindet er gut sichtbare Müllverkippungen direkt vor einem abgegrenzten Gelände des Nabu.

„Die meisten Jäger und Landbesitzer rings um Wolmirstedt laden solche Hinterlassenschaften auf und fahren sie auf die Kippe“, erzählt Grundt. „Die Entsorgung bezahlen wir aus der eigenen Tasche. Das gehört schon zum Tagesgeschäft.“

Er weiß außerdem von einem ganz besonderen Fund zu berichten. „Auf meinem Grundstück in Barleben wurden sogar einmal aufgesägte Tresore gefunden“, verrät er. „Es waren aber auch schon Fliesen und weitere Bauabfälle.“ Schlachteabfälle sind ihm eine besondere Erwähnung wert. „Im letzten Jahr habe ich gut zehn Fälle allein bei mir im Revier dokumentiert.“

Im direkten Stadtgebiet von Wolmirstedt werden zudem Sperrmüllansammlungen genutzt, um ungefragt Unrat dazu zu stellen. Das bestätigt Dirk Illgas. „Wenn die Sachen zu früh herausgebracht werden, dann ist das oft zu beobachten“, sagt er.

Entsorgung bezahlen alle

Die Entsorgung geht innerorts zu Lasten der jeweiligen Kommune – außerorts kommt der Landkreis dafür auf. Der Abtransport läuft für gewöhnlich über den Kommunalservice des Landkreises Börde. Das bestätigt Reinhard Schulz vom Vorstand desselben. „Das Umweltamt meldet uns den sogenannten Wildmüll, der außerhalb der Orte entdeckt wird“, sagt er. „Dann erfolgt die Entsorgung und wir stellen dies dem Landkreis in Rechnung.“ Eine ungefähre Summe lasse sich allerdings kaum beziffern. „Fakt ist aber, dass die Kosten immer mehr angestiegen sind“, betont Schulz. „Jeder Bürger bezahlt sie über die Abfallgebühren mit.“ Für ihn sei die wilde Entsorgung von Sperrmüll und Elektrogeräten unverständlich. „Diese Sachenwerden kostenfrei von zu Hause abgeholt“, sagt er.

Gedanken zum Kostenaufwand hat sich Ex-Kreistagsmitglied Reinhard Falke aus Ummendorf gemacht. Er ist langjähriger Bürgermeister dieser Gemeinde und als aktiver Umweltschützer im Kreis weithin bekannt. „Die geschilderten Probleme sind mir gut bekannt und sie sind kreisweit zu beobachten“, äußert er sich. „Rings um die Orte wird Müll in die Landschaft entsorgt, so auch bei uns.“ Im Bereich seiner Gemeinde sind ebenfalls Schlachteabfälle, Bauschutt, ja sogar ausgebrannte Autokarossen entdeckt worden. „Wir haben allerdings solche Müllsünder auf frischer Tat erwischt“, hebt er hervor. „Es geht keineswegs um Kavaliersdelikte. Die Natur wird schwer belastet, aber auch unsere Geldbörse.“

Der Schaden geht nach seinen Berechnungen allein für die Kommunen in die hunderttausend Euro. „Die Kosten für den Landkreis liegen ganz sicher noch einmal im dreistelligen Bereich“, verdeutlicht Falke die Dimensionen.