Wolmirstedt l Die Stadt wird die Jahnhalle in ihr Eigentum zurücknehmen. Damit wird nun der Heimfall umgesetzt, den der Stadtrat im September 2015 beschlossen hatte. Das bedeutet, dass die Halle an die Stadt zurückfällt. Auch der Mietvertrag mit dem in der Halle ansässigen Fitness- und Gesundheitszentrum geht an die Stadt über.

Ob und wie dieser Mietvertrag fortgeführt werden kann, scheint derzeit der gordische Knoten zu sein. Er entspricht offenbar derzeit nicht „den notwendigen wirtschaftlichen Gegebenheiten“, heißt es in einer Presseerklärung aus dem Rathaus. Das heißt wohl im Klartext, dass unter anderem die derzeit gezahlte Miete weit unter dem liegt, was als angemessen gilt.

Rechtsform ist noch offen

Dennoch: die Stadt möchte ein Fitnesszentrum in der Halle erhalten, in welcher Rechtsform ist offen. Nur nicht um jeden Preis. Die Konditionen müssen von beiden Seiten akzeptabel erscheinen und darum wird gerade gerungen. „Ziel ist die Erhaltung der sportlichen Nutzung“, macht die gerade gewählte Bürgermeisterin Marlies Cassuhn deutlich, „auch mit der möglichen Fortsetzung der guten Arbeit des Mieters.“ Unter dieser Prämisse ist die Stadtverwaltung in Absprache mit dem Stadtrat in die Verhandlungen mit dem Geschäftsführer des Mieters eingetreten. „Leider konnten diese Verhandlungen bisher nicht erfolgreich abgeschlossen werden“, bedauert Marlies Cassuhn.

Der Geschäftsführer des Fitness- und Gesundheitszentrums lehnt jedes Gespräch zum Sachverhalt mit der Volksstimme ab.

Verkauf auf der Agenda

Unabhängig davon, wie die Mietverhandlungen verlaufen, steht nun auch der Verkauf des Objektes auf der Agenda. Auch bei den Verkaufsverhandlungen bleibt der Mieter im Blickfeld der Stadt. „Ziel ist es“, so Marlies Cassuhn, „einen Leerstand zu vermeiden und den Betrieb des Objektes aufrecht zu erhalten.“ Sollte die Stadt die Jahnhalle verkaufen, soll der Erlös nach Vorstellung der Verwaltung in den Neubau eines Sportplatzes fließen.

Die Jahnhalle wurde im Jahr 2009 saniert, dafür sind vor allem öffentliche Gelder geflossen. Die Investitionssumme wurde mit über einer Million Euro beziffert. Bauherr war der Taekwondo-Verein „Wolves“. Lange war die Jahnhalle in den Schlagzeilen, weil unklare Mehrausgaben entstanden und Abrechnungsprobleme aufgetreten waren. Zudem musste die Stadt als Bürge für einen Kredit eintreten, den der Taekwondo-Verein aufgenommen hatte. Darüber hinaus wurden von der EU Fördermittel zurückgefordert, die vom Land gezahlt wurden.

Missstand mit Sanierung beseitigt

Den Mietvertrag mit dem Betreiber des Fitness- und Gesundheitszentrums hatte seinerzeit der Taekwondo-Verein „Wolves“ abgeschlossen. Damaliger „Wolves“-Vereinsvorsitzender und Fitness- und Gesundheitszentrumsbetreiber sind Vater und Sohn.

Mit der Sanierung der Halle war einst ein städtebaulicher Missstand beseitigt worden. Die Stadt hatte zugunsten des Taekwondo-Vereins ein Erbbaurecht für das Grundstück begründet. 2015 wurde ein Insolvenzverfahren über das Vermögen des Taekwondo-Vereins eröffnet, das Erbbaurecht fiel in die Insolvenzmasse und soll nun ebenfalls an die Stadt zurückgehen.