Biografisches

Stefan Müller wurde am 12. August 1983 in Wolmirstedt geboren.

Von 2004 bis 2007 machte er eine Ausbildung zum Rechtsanwaltsfachangestellten und anschließend eine Fortbildung zum Rechtsfachwirt.

Ab 2010 war er bei der Appelhagen Rechtsanwälte Steuerberater PartGmbB in Braunschweig tätig, ab 2017 bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt.

Seit 2009 ist Stefan Müller Ortschafts- und Gemeinderatsmitglied.

Bei der Wahl des Gemeindebürgermeisters 2011 trat er als Kandidat an – mit 8,3 Prozent scheiterte er. Im April 2018 gewann er die Stichwahl gegen die amtierende Bürgermeisterin Erika Tholotowsky.

Der 34-jährige Stefan Müller hat die Geschicke der Niederen Börde übernommen. Im Interview mit der Volksstimme spricht er über den Amtsantritt und den Sprung ins kalte Wasser.

Volksstimme: Herr Müller, Sie sind gelernte Rechtsanwaltsfachangestellter. Welche Erfahrungen aus Ihrem bisherigen Berufsleben kommen Ihnen in ihrem neuen Amt zugute?
Stefan Müller:
Der Umgang mit Menschen. In der Kanzlei in Braunschweig, in der ich sieben Jahre tätig war, waren es insgesamt 100 Angestellte. Da gab es viele Reibungspunkte und man hat gelernt, dass jeder Charakter anders ist.

Wie sind Sie zur Kommunalpolitik gekommen?
Ich bin 2009 in die Politik gegangen, da wurde ich in den Ortschafts- und Gemeinderat gewählt. Das Interesse bestand vorher schon, was diese Gremien tun. Ich habe viele Sitzungen als Zuhörer besucht. Dort wuchs das Bestreben, daran mitzuarbeiten. Dort werden die Richtlinien für die Zukunft gestellt.

Am 1. August ist Ihr erster Tag in Ihrem neuen Büro. Was passiert an diesem Morgen zuerst?
Ich hoffe erst einmal, dass ich hineinkomme, weil ich noch keinen Schlüssel hab. (lacht) Ich stelle mir vor, dass ich zuerst mit der stellvertretenden Gemeindebürgermeisterin Ines Schneider ein Gespräch führe. Anschließend würde ich alle Mitarbeiter zu einer kleinen Personalversammlung bitten. Dann werde ich mich vorstellen und sagen, dass ich nun öfter komme. (lacht)

Haben Sie schon Ideen für Ihre erste Amtshandlung?
Ich werde mir viele Informationen zuarbeiten lassen. Der Betrieb geht ja trotz des Bürgermeisterwechsels weiter. Die ersten Termine stehen an. Ich muss mir erst einmal einen Überblickt verschaffen über alles, was ansteht. Ich werde sicher viele Fragen an die Mitarbeiter haben. Für mich ist das neue Amt wie ein Köpfer ins kalte Wasser. Die Anfangszeit wird sehr stressig, aber denke, dass ich das meistern werde.

Ab sofort lernen alle Bürger Sie als Gemeindebürgermeister kennen. Wie ist Stefan Müller privat?
Stefan Müller privat kennen ja eigentlich alle (lacht). Er ist hier aufgrund seiner Tätigkeiten in der Feuerwehr und in der Schalmeienkapelle in Groß Ammensleben bekannt. Umzüge, Veranstaltungen, Ausbildung, Einsätze – ich war immer mit dabei.

Ist das in Ihren Augen ein Vor- oder ein Nachteil?
Sowohl als auch. Wenn man jemanden kennt und weiß, wie ein Mensch reagiert, kann man seine Wünsche und Argumentationen verstehen.

Sie sagten im Wahlkampf, dass viele Bürger „das Gemeinsame“ vermissen. Wie wollen Sie das Gemeinschaftsgefühl untereinander wieder herstellen?
Das ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen geschieht. Kommunikation und Gespräche sind wichtig. In nächster Zeit sehe ich mich verwaltungsintern im Dialog mit den Mitarbeitern, dann aber auch das Gespräch in Einrichtungen und mit dem Bürger auf der Straße suchen. Ich möchte, dass Informationen, die die Bürger betreffen und in denen sie mitentscheiden können, an die Menschen herangetragen werden.

Sie haben sich auf Ihre Agenda geschrieben, mehr Wohnraum in der Gemeinde zu schaffen. Kann man das schaffen, wenn Landschaftsschutzgebiete vor die Gemeindehaustür gelegt werden?
Ich hoffe, dass wir es noch schaffen und gegenüber dem Landkreis Börde Argumente finden werden, diese Region zu erhalten (Anm. d. Red. Eine Neuordnung des Landschaftsschutzgebietes „Lindhorst – Ramstedter Forst“ sieht vor, das Gebiet bis an die Ortschaftsgrenzen von Samswegen und Meseberg heranzulegen). Wir brauchen diese Baugebiete. Die Nachfrage ist groß, die Geburtenzahlen steigen und die Leute wollen hier wohnen. Wir brauchen die Möglichkeit, uns weiterzuentwickeln. Ob man da noch diskutieren kann und Kompromisse eingehen kann, muss ich mir erst anschauen.

Von welchen Verdiensten Ihrer Vorgängerin Erika Tholotowsky, die 24 Jahre lang Bürgermeisterin war, können Sie profitieren?
Sie hat viele Projekte auf den Weg gebracht: Dorferneuerung, Kitaneubau, Campusbildung in Dahlenwarsleben und Samswegen. Diese Zentralisierung hat immer Vor- und Nachteile. Es sichert Standorte, aber erhöht die Entfernungen. Wir sind klein strukturiert, das zeichnet uns aber eigentlich aus. Wir sollten unsere Einrichtungen sichern, damit es sie auch in Zukunft noch gibt.

Ihre Vorgängerin riet Ihnen, dass Sie sich für das Amt ein dickes Fell und breite Schulter zulegen sollten. Wie lange wird das dauern?
Ich möchte mich eigentlich nicht verändern. Für mich ist das Amt etwas ganz Neues und ich habe auch nicht mit dem Wahlsieg gerechnet. Das dicke Fell wird mit der Zeit wachsen, das bringt das Amt mit sich.