Farsleben l Die Farsleber Jugendlichen haben leidenschaftlich für ihren Jugendclub am Sportplatz gekämpft. Sie waren sogar vor den Stadtrat gezogen und hatten ihr Konzept vorgestellt. Schlussendlich wurde das ehemalige Lagerhäuschen umgebaut und im Mai 2015 als Jugendclub „Traktor“ eröffnet.

Nun, drei Jahre später, scheint die anfängliche Euphorie ziemlich gedämpft zu sein. Die Tür des hölzernen Gerätehauses ist komplett aus den Angeln gerissen und unwiederbringlich verloren. Die Tür des Jugendclubs wurde eingetreten und ist derzeit mit Brettern vernagelt. Die verabredete Jugend-Rotkreuz-Gruppe gibt es de facto nicht.

Fußabdrücke an den Wänden

Das Deutsche Rote Kreuz war von Anfang an Träger des Clubs. Sylvia Franke ist stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Deutschen Roten Kreuzes und Ansprechpartnerin für diesen Club, hat die Jugendlichen von Anfang an mit begleitet. Die fehlende Jugendrotkreuzgruppe scheint ihr kleinstes Problem zu sein. Der Vandalismus macht ihr zu schaffen. Als sie von der nach Weihnachten eingetretenen Tür erfuhr und in den Club schaute, war dort außerdem eine Mülltonne in den Clubraum gebracht und darin ausgekippt worden. „Und an den Wänden waren große Fußabdrücke mit Matsch.“

Tim Steffens gehört zum Clubvorstand und ist ebenfalls von Beginn an dabei. Er versichert, die Schäden seien nicht durch die Farsleber Jugendlichen zustande gekommen. „Wir waren`s nicht.“

Die Spuren im Innern haben die Farsleber Jugendlichen inzwischen beseitigt, der Müll ist abgefahren, die Wände gemalert. Was bleibt, ist das flaue Gefühl, dass nicht alles rund läuft. Wie kann das sein, dass ein Club, der mit so viel Herzblut hergerichtet wurde, getreten wird?

Kontrolle ist schwierig

Die Jugendlichen zucken die Schultern. Sylvia Franke versucht eine Erklärung: „Viele, die am Anfang dabei waren, haben sich inzwischen verabschiedet.“ Sie weiß auch, dass Jugendliche, die nicht in Farsleben wohnen, dort gerne zum „Vorglühen“ kommen. Vorglühen wird der Alkoholkonsum vor einer Party genannt. Die DRK-Mitarbeiterin sagt auch, dass sie längst nicht mehr alle der Jugendlichen kennt, wenn sie vorbeischaut und sich mitunter seltsame Sprüche anhören muss. Auch die Dorfbewohner machen ihrem Unmut über herumliegenden Müll bei ihr Luft. „Wir haben den Club sogar schon einmal vier Wochen geschlossen“, sagt Sylvia Franke, „daraufhin haben sich die Jugendlichen wieder an der Bushaltestelle getroffen.“ Das habe wiederum zu Anwohnerbeschwerden über den Lärm geführt.

Warum sich so viele Nicht-Farsleber im Jugendclub treffen, will Clubvorstand Tim Steffens nicht wirklich kommentieren. „Von uns sind unter der Woche nicht viele da.“ Clubmitglieder seien mit ihrer Ausbildung beschäftigt. An den Wochenenden kommen noch gut 15 Mädchen und Jungen. Bis vor Kurzem haben Sitzmöbel draußen gestanden, wer sich dort niederlässt, ist kaum kontrollierbar. Steffens sagt: „Es ist ein offenes Gelände.“

Viele Sponsoren halfen

Für den Umbau vom Gerätehaus zum Jugendclub hatte die Stadt gut 20.000 Euro locker gemacht, vor allem aber beteiligten sich viele Farsleber Firmen, haben für Dachbau, Malerarbeiten oder den Einbau der Heizung keine Arbeitsleistungen berechnet. Außerdem halfen viele Eltern und Großeltern mit. Kurz nach der Eröffnung haben dieselben Farsleber Unternehmen ein Holzhaus samt Außenanlagen aufgestellt, in dem die Geräte untergestellt werden können. Die Aktion lief im Fernsehen in der Sendung „Mitmachen statt meckern“.

Trotz der Probleme glaubt Sylvia Franke an den Fortbestand des Farsleber Jugendclubs. „Wir haben da so viel Herzblut hineingesteckt. Ich wünsche mir so sehr, dass wir das schaffen.“ Tim Steffens versichert: „Wir würden das DRK auch gern unterstützen.“