Groß Ammensleben l Passanten standen mit offenen Mündern am Straßenrand, Anwohner schauten erstaunt und kopfschüttelnd aus den Fenstern. Von Montag bis Mittwoch drängelten sich zahllose Autos durch Groß Ammensleben. Teilweise ging nichts mehr: Weil die Straßen zu eng sind, verhakten sich immer wieder große Schwerlasttransporter. Oft dauerte es Minuten, bis der Verkehr wieder rollte. Dabei touchierten die großen Lastkraftwagen immer wieder Bordsteinkanten, selbst Fußwege wurden stark in Mitleidenschaft gezogen.

Klamme Gemeinde fordert Unterstützung

Vor allem in der Haldensleber Straße ist der Schaden nicht zu übersehen. Gegenüber dem Bäcker wurden Pflastersteine aus ihrem Bett gefahren, der Beton zu Grundstückseinfahrten ist komplett zerbröckelt. Auch an der Kreuzung Fabrikstraße/Ecke Bahnhofstraße ist der Schaden groß. Gegenüber der Apotheke ist der Bordstein stark in Mitleidenschaft gezogen worden und der Fußweg völlig kaputt. An beiden Stellen weisen Verkehrsbaken auf die schweren Schäden hin.

Auslöser des vermehrten Verkehrsaufkommens war die Baustelle an der Bundesstraße 71 in Höhe Groß Ammensleben (Volksstimme berichtete). Eigentlich sollte der Verkehr weiträumig umgeleitet werden. Schilder wiesen darauf hin. So führte die Strecke über Meitzendorf, Wolmirstedt und Colbitz. Doch findige Autofahrer nutzten einfach die Abkürzung über Dahlenwarsleben und Groß Ammensleben, obwohl die Straßen hier nicht für dieses hohe Verkehrsaufkommen geeignet sind.

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Was bleibt, sind kaputte Fahrbahnen und Fußwege. „Diese drei Tage Baustelle waren für unsere Gemeinde besonders heftig. Hinzu kommt der Verkehr aus der Landwirtschaft, der aktuell in vollem Gang ist“, sagt Bürgermeister Stefan Müller gegenüber Volksstimme. Er hat große Sorge, dass die eh schon klamme Gemeinde auf den Sanierungskosten sitzen bleibt. Für die Straßenschäden ist seiner Ansicht nach der Kreis zuständig, schließlich handelt es sich bei der betroffenen Fahrbahn um eine Kreisstraße. „Doch für die Gehwege sind wir verantwortlich“, erklärt der Bürgermeister. Dennoch will er nicht auf den Kosten für die Reparaturen sitzen bleiben, „schließlich liegt die Verantwortung für die Umleitungsführung beim Landkreis. Ich erwarte, dass wir Unterstützung bekommen.“

Hier sehen das die Verantwortlichen ganz anders. Laut Pressesprecher Uwe Baumgart sei die Umleitungsführung in einer Sperrkommission festgelegt worden. In diesem Gremium kommen Vertreter des Landkreises, der betreffenden Gemeinden, die Polizei sowie des zuständigen Baulastträgers zusammen. Dies sei ein ganz normaler Verwaltungsvorgang, „an der auch die Niedere Börde beteiligt gewesen ist. An der Festlegung der weiträumigen Umleitung waren also alle involviert“, erklärt der Sprecher. Die Streckenführung sei fast ausschließlich über Bundesstraßen geführt worden, eine Umleitung über Gemeindestraßen sei nicht erlaubt.

„Obwohl die Umleitung angeordnet war, haben viele Verkehrsteilnehmer diese nicht genutzt, sondern befuhren eine Abkürzung über eine öffentliche Straße. Auf diesen Individualverkehr haben wir keinen Einfluss“, ergänzt der Leiter der Straßenverkehrsabteilung des Landkreises Börde, Jürgen Till. Er sieht denn die Verantwortung beim Baulastträger, also der Landesstraßenbauverwaltung.

„Schäden auf Umleitungsstrecken gibt es immer wieder, die werden dann auch repariert“, erfuhr die Volksstimme aus dem zuständigen Verkehrsministerium. Allerdings gehe es in diesem speziellen Fall um Schäden an Schleichwegen, deren Nutzung nicht verboten sei. Dieser spezielle Fall müsse gegebenenfalls auf Anfrage der betroffenen Gemeinde geprüft werden.

Landkreis will wohl prüfen

Für Stefan Müller sind die bisherigen Aussagen unbefriedigend. Denn die Zerstörungen vor allem an den Gehwegen müssten zeitnah repariert werden, „um die Schäden nicht noch größer werden zu lassen und um Menschen nicht weiter zu gefährden“, sagt der Bürgermeister. Das bedeutet wohl, dass die Gemeinde zumindest in Vorleistung gehen wird. Dennoch hegt der Rathauschef die Hoffnung auf Unterstützung. „Wir haben vom Landkreis eine Eingangsbestätigung erhalten mit dem Hinweis, sich die kaputten Stellen vor Ort anschauen zu wollen.“