Hermsdorf l Einmal im Jahr büßt Hermsdorf etwas von seiner Fläche ein, denn dann gründen Kinder in der Mitte des Dorfes ihre eigene Stadt – Börderado. Gleich zum Ferienbeginn ging es auch 2019 hier unter der Regie des Kinder- und Jugendbüros der Gemeinde Hohe Börde und des Hermsdorfer Hortes wieder hoch her. Über 120 Kinder meldeten sich im Einwohnermeldeamt an und suchten sich aus, in welchem Beruf sie ihr Geld – die sogenannten Bördis– verdienen wollten. Nach Aussage von Anja Höke, die als Mitarbeiterin des Kinder- und Jugendbüros die Organisationsfäden mit in der Hand hielt, sollte so auch der Blick der Kinder in die Zukunft geschärft werden.

Der Möglichkeiten gab es viele. Die Kinder aus den Horten in Hermsdorf, Niederndodeleben, Irxleben und Bebertal konnten sich beispielsweise als Köche, Verkäufer, Rettungsassistenten, Textilgestalter, Schmuckdesigner, Graffitikünstler, Kosmetikproduzenten, Tischler oder Journalisten versuchen. Anja Höke freute sich, dass im Gegensatz zu den fünf Vorjahren noch mehr Berufe angeboten werden konnten und sich auch einige Unterstützer aus der heimischen Wirtschaft gefunden hatten.

Am ersten Projekttag, dem „Tag der Arbeit“, gingen die Sieben- bis Zwölfjährigen fleißig ans Werk. Sie kochten Marmelade oder kneteten Seife, die mit Lebensmittelfarbe eingefärbt und mit getrocknetem Lavendel und ätherischem Öl verfeinert wurde. Mit viel Kreativität sprühten sie Graffiti, gestalteten sie Beutel und Käppis mit Textilfarbe oder bastelten sie Ketten und Armbänder. In der Tischlerei entstanden aus Holzscheiben, Nägeln und Bindfäden hübsche Dekorationen und in der Gärtnerei wurde mit Pflanzen dekoriert. Am zweiten Tag wurde alles für „Bördis“ unter die Leute gebracht. Dazu konnten sich alle Kinder ihren Arbeitslohn von der Bank der Kinderstadt abholen.

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Bürgermeister gesucht

Damit alles seinen geregelten Gang ging, brauchte auch Börderado einen Bürgermeister. Mit der neunjährigen Ewa aus Niederndodeleben, der achtjährigen Payton aus Hohenwarsleben und der neunjährigen Alicia, ebenfalls aus Hohenwarsleben, stellten sich drei Mädchen zur Wahl. Alle Börderado-Bewohner hatten die Möglichkeit, per Applaus abzustimmen. Das Rennen machte Ewa. Ob es wohl ihre Aussage, noch mehr Feste planen zu wollen, war, die die Mitbewohner überzeugte?

Ewa hatte einiges zu tun als Börderado-Oberhaupt, denn sie musste nicht nur aufpassen, dass in den „Unternehmen“ alles für den Verkauf vorbereitet wird und keine Streitereien entstehen, sondern auch ein Bürgermeistertreffen war anberaumt. Die Bürgermeisterin der Gemeinde Hohe Börde, Steffi Trittel, kam zu Besuch.

Am Ende konnte nicht nur die kleine Bürgermeisterin ein positives Fazit ziehen. Auch die Organisatoren waren sich einig: Auflage sechs von Börderado ist gut gelaufen.