Barleben l Zwei kurzfristig einberufene Elternversammlungen am Dienstag- und Mittwochabend in der Barleber Kinderkrippe „Jenny Marx“ haben Verunsicherung und Besorgnis bei den Eltern ausgelöst. Grund: Es stehen schwere Vorwürfe gegen zwei Erzieherinnen wegen Kindeswohlgefährdung im Raum. Sie sollen Kinder eingesperrt und geschlagen haben, sei auf der Elternversammlung gesagt worden, berichtete ein Vater.

Thomas Zaschke, Sprecher der Gemeinde Barleben, die Träger der Einrichtung ist, bestätigte auf Volksstimme-Anfrage: „Korrekt ist, dass gegen zwei Mitarbeiterinnen der Einrichtung der Vorwurf der Kindeswohlgefährdung erhoben und Anzeige erstattet wurde. Aufgrund der laufenden Ermittlungen können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr dazu sagen“.

Seit dieser Woche sind die beschuldigten Erzieherinnen nicht mehr im Einsatz. Von einer Suspendierung spricht Zaschke aber nicht. Die beiden Frauen seien derzeit im Krankenstand, das Arbeitsverhältnis bestünde nach wie vor, erklärte Birgit Lehmann, Bereichsleiterin in der Verwaltung Barleben, am Mittwoch auf Nachfrage. Die Kinder würden derzeit durch andere Erzieher betreut.

Eltern kritisieren späte Information

In der Elternschaft wird unterdessen die Informationspolitik der Einrichtung scharf kritisiert. Betroffene Eltern, die ihre Namen nicht veröffentlichen möchten, sagen: „Diese Vorgänge waren innerhalb der Einrichtung schon seit mehr als einer Woche bekannt.“ „Mich ärgert sehr, dass wir erst jetzt davon erfahren haben“, schimpfte eine Mutter.

Das deckt sich mit Aussagen der Polizei. Joachim Albrecht, Sprecher des Polizeireviers Börde, bestätigte eine Anzeige wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen in der Kinderkrippe „Jenny Marx“. Diese sei bereits am 10. März in Magdeburg erstattet worden.

„Wir haben die Eltern erst jetzt informiert, weil wir zunächst alle Seiten anhören mussten. Natürlich haben die Eltern das Recht auf schnelle Information. Aber dazu müssen wir uns erst ein Bild der Lage gemacht haben, um sie auch besser und genauer informieren zu können“, verteidigte Birgit Lehmann das Vorgehen der Gemeinde.

Warnung vor Vorverurteilung

Das Elternkuratorium der Einrichtung wollte auf Nachfrage bisher keine Stellung zu den Vorwürfen beziehen. Der Vorsitzende der Gemeindeelternvertretung, Martin Oppermann, sieht den Vorfall als ein schwieriges Thema, über das die Gemeindeelternvertretung aber momentan noch keine Informationen habe. Prinzipiell sei es im ersten Schritt eine Sache der Elternvertretung der jeweiligen Einrichtung, aber diese habe immer die Möglichkeit, sich an die Gemeindeelternvertretung zu wenden – zum Austausch und zur Lösungsfindung.

Die beschuldigten Erzieherinnen waren am Mittwoch für die Redaktion nicht erreichbar.

„Zum jetzigen Zeitpunkt kann man niemanden beschuldigen“, mahnte Birgit Lehmann. Die Ermittlungen seien noch nicht abgeschlossen. Würden sich die Vorwürfe bestätigen, würden entsprechende Maßnahmen seitens der Gemeinde eingeleitet, versichert sie.