Barleben l Die Geschichte ist ungewöhnlich für das 19. Jahrhundert, in dem sie sich zugetragen haben soll. Seinerzeit wurden die jungen Menschen noch standesgemäß verehelicht, mit wahrer Liebe hatten die Hochzeiten oft wenig zu tun. „Es war absolut üblich, dass die Kinder von den jeweiligen Eltern schon bei der Taufe einander versprochen wurden“, erzählt Barlebens Pfarrer Johannes Könitz im Gespräch mit der Volksstimme. „Dabei wurde beispielsweise darauf geachtet, dass bei einer Heirat unter Großbauern auch der gesellschaftliche Hintergrund gewahrt blieb.“

Die arrangierte Hochzeit geschah zu dieser Zeit noch nach völlig anderen Gesichtspunkten. So spielten die finanzielle Absicherung und das spätere Auskommen des Paares eine große Rolle. Großbauern hatten da eher die Größe der künftigen Ackerfläche im Auge als die Liebe. Das sorgte letztendlich dafür, dass das spätere Paar „im Stand“ blieb und auch den gesamten Hofstand entsprechend versorgen konnte.

Große Hochzeit geplant

„Die bewusste Braut war ebenfalls bei der Taufe versprochen worden und als die Zeit heranrückte, wurde eine Großhochzeit geplant“, berichtet der Pfarrer. „Allerdings hatte die junge Frau sich in einen anderen verliebt und hegte nun Gewissensbisse.“

Sie trat pflichtgemäß vor den Altar, denn das wurde schließlich von ihr erwartet. Als dann der damalige Pfarrer die Frage nach ihrem Einverständnis stellte, nahm sie ihre Brautkrone ab und legte sie dem Kirchenmann wortlos vor die Füße.

„Das muss man sich nur einmal vorstellen“, sagt Johannes Könitz. „Die gesamte Hochzeitsgesellschaft – und es sollen viele Gäste anwesend gewesen sein – hat ganz sicher den Atem angehalten und war schlichtweg sprachlos.“ So bekam die verhinderte Braut die Zeit, die sie brauchte.

Gemeinsam aus dem Staub gemacht

Sie verließ die Kirche und lief zu ihrem Liebsten, der der Geschichte nach schon mit bereitstehenden Pferden vor dem Gotteshaus wartete. Gemeinsam machten sich die beiden dann aus dem Staub.

„Es wird erzählt, dass das Paar dann nach Dresden gezogen sei und dort in Glück zusammen lebte und etliche Kinder bekam“, merkt der Pfarrer augenzwinkernd an. „Genau weiß man das aber nicht, es hört sich aber gut an und ein solches Drama muss natürlich gut enden.“

Auch als Autor betätigt

Erfahren hat Johannes Könitz diese Geschichte von seinem Vorvorgänger, Karl-Heinz Reinhardt. Dieser hat sich übrigens auch als Autor betätigt und unter anderem das Buch „Partunlep-Bardenleue-Barleben“ verfasst. „Allerdings hat er diese Geschichte und die von dem Sündenstein leider nicht schriftlich festgehalten“, sagt der Pfarrer. Das hat Könitz aber zum Ortjubiläum in Barleben nachgeholt.

Die Brautkrone wird bis heute in der Kirche in einem Glaskasten ausgestellt und dient als Zeugnis für die in ihrer Zeit fast unglaubliche Geschichte. Brautkränze werden ansonsten üblicherweise in Gotteshäusern aufbewahrt, wenn deren mögliche Trägerinnen „jungfräulich“ verstorben sind. Das heißt, wenn sie nicht mehr in der Lage waren, die Heirat anzutreten.