Das Deutsche Rote Kreuz hilft Bedürftigen

Kleiderkammer ist bitter nötig

Von Gudrun Billowie

Die Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes in der Wolmirstedter Schwimmbadstraße ist Anlaufpunkt für viele Menschen, denen es finanziell nicht so gut geht. Wie schön, dass es auf der anderen Seite Leute gibt, die gerne abgeben.

Wolmirstedt. Oft steht vor der Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes in der Schwimmbadstraße eine lange Schlange. Doch am Donnerstag scheint die Sonne, viele sind wohl lieber im Freien, nur eine alte Dame schaut den Stapel mit T-Shirts durch. Alles, was mit Strass-Steinen besetzt oder mit wilden Mustern bedruckt ist, legt sie beiseite. Am Ende entscheidet sich die Dame für zwei schlichte Shirts und legt dafür zwei Euro auf den Tisch.

Die Dame gehört noch zu denen, die in Ruhe aussuchen können, was ihnen fehlt. Es gibt auch die anderen, die gar nichts besitzen, schon über einen längeren Zeitraum hinweg, oder diejenigen, die alles verlieren, quasi von einem Moment auf den anderen. Wenn eine Mutter mit drei Kindern ins Frauenhaus flüchtet zum Beispiel. Dann stehen vier Personen plötzlich mittellos da, besitzen nur das, was sie am Leib tragen. Die Rückkehr zum eigenen Kleiderschrank ist vorerst viel zu gefährlich und Wechselwäsche trotzdem notwendig. Die Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes ist in solchen Fällen die erste Anlaufstelle. Die Mitarbeiter lindern ein ganz kleines bisschen traurige Schicksale, die im Alltag oft unsichtbar bleiben. "Wenn wir einen Anruf bekommen, dass jemand wirklich gar nichts mehr hat, dann sind wir mittlerweile in der Lage, innerhalb von zehn Minuten ein Paket zusammenzustellen", sagt Mandy Oelke, Leiterin für soziale Arbeit beim DRK. So eine schnelle Hilfe leisten zu können, macht die Mutter einer kleinen Tochter unendlich glücklich. "Wir haben in Wolmirstedt, der Hohen Börde und der Niederen Börde 40 Container aufgestellt, die werden einmal in der Woche geleert." In den Containern finden die DRK-Mitarbeiter Bekleidung und Schuhe, aber auch Federkissen, Decken, Bettwäsche und Gardinen. Solche Dinge werden inzwischen immer öfter benötigt. "Vor ein paar Jahren gingen Schuhe oder Decken gar nicht über unsere Theke", sagt Mandy Oelke, "inzwischen sind sie stark nachgefragt".

Die meisten Sachen, die im Kleidercontainer des DRK landen, sind in gutem Zustand, müssen von den Mitarbeitern nicht weiter gereinigt oder repariert werden. "Wir können fast alles so herausgeben, wie wir es bekommen", so Mandy Oelke. In der Regel nutzen Menschen die Kleiderkammer, die auch die Tafel besuchen. "Aber wir beliefern auch die Kliniken des Landkreises, Ameos und Sana. Dort landen manchmal Menschen, denen nicht nur die Gesundheit, sondern auch jeglicher materieller Besitz abhanden gekommen ist. Feste Abnehmer für die Kleiderkammer sind außerdem das Sozialamt und eben das Frauenhaus.

Drei ehrenamtliche Mitarbeiter und eine Ein-Euro-Jobberin kümmern sich um die Kleiderkammer. Montag und Dientag ist sie von 12 bis 14 Uhr geöffnet, Mittwoch bis Freitag von 10 bis 14 Uhr.