Wolmirstedt l Peter Reglinski möchte den Namen seines Vaters Siegfried ins kollektive Gedächtnis zurückholen. Deshalb schlägt er vor, die neue Ohrebrücke Siegfried-Reglinski-Brücke zu nennen. Dieser Vorschlag reiht sich an zehn weitere Vorschläge an.

Peter Reglinski beschreibt seinen Vater als einen Bürgermeister, der sehr nah am Volk war und zudem genau in der Zeit amtierte, als Wolmirstedt zu seinem größten Entwicklungssprung ansetzte, in den Jahren 1961 bis 1973.

10 Vorschläge aus der Bevölkerung

Das war die Zeit, als in Zielitz geteuft, der bis heute andauernde Kaliabbau vorbereitet wurde. Das lockte tausende Menschen in die Region, in der Ackerbürgerstadt Wolmirstedt wurde der Wohnraum knapp. Die Zehngeschosser wurden aus dem Boden gestampft, das Kulturhaus entstand, die Poliklinik, das damalige Kreiskrankenhaus wurde erweitert. In einem offenen Brief schreibt Peter Reglinski: „Diese gesamte Lebensleistung meines Vaters konnte kein nachfolgender Bürgermeister erreichen.“

Noch gut erinnert er sich außerdem daran, dass sein Vater oft um Hilfe gebeten wurde, manchmal auch nachts. Waren Menschen in eine Notlage geraten, klingelten sie an der Tür des Bürgermeisters. „Er hat sich immer bemüht zu helfen“, erinnert sich der Sohn, der inzwischen selbst 72 Jahre alt ist.

Siegfried Reglinski ist nicht der einzige Bürgermeistername, der für die neue Brücke vorgeschlagen wurde. Der Wolmirstedter Heimatautor Otto Zeitke brachte mit Bürgermeister Eisenhart und Tile Schulte gleich zwei Ortsoberhäupter ins Gespräch. Bürgermeister Eisenhart war Mitte des 19. Jahrhunderts im Amt und wehrte sich erfolgreich gegen die Abholzung des Küchenhorns.

Peter Reglinski erinnert an Vater

Tile Schulte war um 1315 der erste nachgewiesene Bürgermeister der Stadt. Stadtrat Detlef Horstmann hingegen hatte den Namen Dr.-Hans-Jürgen-Zander-Brücke vorgeschlagen. Der ist den meisten Wolmirstedtern noch gut in Erinnerung, seine Amtszeit reichte von 1994 bis 2012.

Die Verwaltung plädiert indes für den Namen „Elbeuer Brücke“, da sie eine Verbindung zwischen Wolmirstedt und Elbeu darstellt. Der Name „Elbeuer Brücke“ wurde öffentlich von Karl-Heinz Wallbaum ins Spiel gebracht. Auch die Elbeuer Senioren, die sich sehr für den Erhalt einer kleinen Brücke stark gemacht hatten, stimmen dem zu.

Weitere Bürgermeister im Gespräch

Der Bau der Brücke ist ein Ersatzneubau, sie wird komplett aus dem Topf finanziert, den der Bund zur Beseitigung von Hochwasserschäden gefüllt hat. Die Kosten liegen bei knapp über einer Million Euro, und damit um gut ein Drittel höher als geplant. Der Grund: Findlinge im Untergrund erforderten eine neue Technologie. Die Steine konnten nicht mit Gewalt durchbrochen werden, da die Erschütterungen die anliegenden Häuser hätten beschädigen können.

Die Brücke wird anderthalb Meter schmaler als die alte, sie soll vornehmlich dem Fahrrad- und Fußgängerverkehr dienen. Unumstritten ist das Bauwerk nicht. Manche Bürger betrachten diese Brücke neben der großen Autobrücke als überflüssig. So auch Günter Bednarz. Der Wolmirstedter ärgert sich vor allem, dass diese Brücke auch für den Autoverkehr gebaut wurde, obwohl nur zwei Häuser darüber zu erreichen sind, die allerdings auch vom anderen Ohreufer aus angefahren werden können.

Er meint: „Eine Brücke für Radfahrer hätte keine Pfeiler benötigt und nicht ein Zehntel des jetzigen Aufwandes gekostet.“ Deshalb schlägt er ebenfalls zwei Namen vor, nämlich „Zwei-Häuser-Brücke“ oder „Steuergeldverschwendungsbrücke“. Wohlwissend, dass diese Vorschläge nicht ernsthaft in die Auswahl kommen, möchte er dennoch ein mahnendes Zeichen setzen.

Brücke kostet rund eine Million Euro

Neben den genannten Namen hatten Bürger vorgeschlagen: Kurfürst-Joachim-Friedrich-Brücke, Promenadenbrücke, Katharinenbrücke, Jungfernbrücke, Magdeburger Brücke, Otto-Zeitke-Brücke.

Am Dienstag, 21. November, wird der Bauausschuss darüber beraten, am 7. Dezember entscheidet der Stadtrat. das Bauwerk soll zum Jahresende fertig sein.