Niederndodeleben l 2016 war nach Aussage von Urban Jülich, Vorsitzender des Bauernverbandes Börde, kein gutes Jahr. Mit 10,2 Grad Celsius im Mittel war es ein sehr warmes Jahr und der Niederschlag fehlte. Doch die schwierigen Wetterbedingungen waren nur das eine, wie er auf dem Kreisbauerntag in Niederndodeleben verkündete. Viel mehr werden die Bauern zunehmend von den schwierigen Rahmenbedingungen, die von der Politik und von den Verbrauchern beeinflusst werden, erdrückt.

„Nachdem wir Bauern schwarz gewählt haben, bekamen wir eine grüne Landwirtschaftsministerin. Das hat hier in der Börde sicher kein Landwirt gewollt“, erklärte der Vorsitzende und betonte zugleich, dass die Landwirte der Börde zu Gesprächen bereit sind. Die Hoffnung liege jetzt darin, dass Ministerpräsident Reiner Haseloff die Landwirtschaft zur Chefsache gemacht hat.

Stimmung auf dem Lande ist nicht gut

Doch die Stimmung auf dem Lande ist allgemein nicht gut. Wie viel Diskussionsbedarf es auch regional gibt, zeigt auch die Reihe der Aktivitäten zu diversen Themen, die der Bauernverband Börde im vorigen Jahr unternommen hat. Geschäftsführer Wolfgang Köhler nannte zum Beispiel die Demo gegen niedrige Lebensmittelpreise in Magdeburg sowie Gespräche unter anderem zur Verlegung von Stromerdkabeln zwischen Wolmirstedt und Bayern, zu geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen an der Elbe, zur Haldenerweiterung am Kaliwerk Zielitz, zum Gewässermanagement an der Unteren Ohre, der Unteren Bode und im Großen Bruch, zu Biberschäden und zunehmenden Wolfsangriffen auf Weidetiere. Speziell zum letzten Thema formulierten die Landwirte auf ihrer Jahrestagung auch eine Forderung an die Landesregierung. Darin heißt es: Herdenschutz für alle Weidetierhalter, marktgerechter Ausgleich für Material und Arbeitsleistung, Unterstützung von Präventionsmaßnahmen sowie Übernahme der Haftung bei Schäden, die durch den Wolf entstehen.

Festgemacht an teilweise erheblichen Gewinneinbußen und Einkommensrückgängen in den Betrieben, die unter anderem verschärfte gesetzliche Auflagen als Ursache haben, machte Urban Jülich einige Forderungen auf. Zum Beispiel beim Raps: Geschätzte 30 Prozent der angebauten Kultur werden hier in der Börde nach seiner Aussage den Winter nicht überstehen. Einschränkungen bei Pflanzenschutzmitteln, wie unter anderem fehlende Beizmittel, für deren Einsatz es keine Erlaubnis mehr gibt, sind der Grund hierfür.

Die Milchviehhalter in der Börde hatten im vergangenen Jahr mit katastrophalen Erzeugerpreisen zu kämpfen. „Das Bündel an erforderlichen Maßnahmen gegen die Milchkrise ist aus unserer Sicht vielfältig: Wir benötigen eine vertragsgebundene Milchproduktion mit neuen Preisbildungsmodellen, wie zum Beispiel die Warenterminbörse“, erläuterte Jülich weiter. Der Lebensmitteleinzelhandel erhöhe den Druck auf den Milchbauern weiter. Hier nehme die Spanne zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreis weiter zu.

Bauern beklagen Flächenverbrauch

Die Schweinehalter verlangen zudem dringend langfristige Planungssicherheit für die Vorgaben des Tierschutzes. Gefordert werden hier faire Rahmenbedingungen, die auf wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen basieren, und gleiche Binnenmarktregeln innerhalb der Europäischen Union.

Auch der zunehmende Flächenverbrauch hochwertiger Böden durch Baumaßnahmen und Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen ist nach wie vor Thema für die Bauern in der Börde. Sie wünschen sich produktionsintegrierte Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, die beispielsweise durch die Stiftung Kulturlandschaft Börde koordiniert werden könnten.

Bauern ist an Dialog gelegen

Um einen grünen Mehrwert zu erreichen, signalisieren die Börde-Landwirte um Urban Jülich auch weiterhin Interesse an einem Dialog mit der sachsen-anhaltischen Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert. Aber auch den Verbraucher wollen sie weiterhin mit ins Boot holen. So gab es im vergangenen Jahr, wie Geschäftsführer Wolfgang Köhler unterstrich, auch zahlreiche öffentlichkeitswirksame Maßnahmen, um die Landwirtschaft bekannter zu machen und Einblicke zu geben. Hierbei wurden unter anderem Tage des offenen Hofes, der Tag der Milch und der Tag des Brotes in Wanzleben sowie die Präsentation beim Landeserntedankfest Magdeburg genannt.

Der Bauernverband Börde hat als größter Kreisbauernverband in Sachsen-Anhalt derzeit 255 Mitglieder, von denen 190 landwirtschaftliche Betriebe sind. Insgesamt bewirtschaften die Mitglieder 81 191 Hektar Fläche. Etliche Mitglieder arbeiten in Fachausschüssen und Arbeitsgemeinschaften des Deutschen Bauernverbandes und des Landesbauernverbandes sowie in anderen Gremien, unter anderem auf Kreisebene, mit. „Sehr wichtig ist uns die Mitarbeit in den Lokalen Leader-Aktionsgruppen, so halten wir Kontakt zu den Gemeinden“, erklärte Wolfgang Köhler. Die Zusammenarbeit mit den Landseniorenverbänden und anderen nahestehenden Verbänden werde stetig gut gepflegt.