Wolmirstedt l Querflöte, die hat es Hannelore Scheel schon immer angetan. Vorsichtig packt sie das Instrument aus, sucht die Noten, das Herz klopft und trotzdem siegt die Lust am Musizieren. Zusammen mit Pauline Stein, ihrer Musikschullehrerin, spielt sie ein Menuett. Der Applaus am Schluss ist herzlich, ermutigt, anschließend das zweite Stück zu spielen. Musikschulleiter Armin Hartwig staunt. „Das ist enorm“, sagt er. Hannelore Scheel lächelt bescheiden, sagt: „Ja, ich übe jeden Tag.“ Sie übt seit einem halben Jahr, solange ist sie Schülerin der Kreismusikschule, ist 67 Jahre alt.

So wie Hannelore Scheel widmen sich auch die anderen Ü35-Schüler ihren Instrumenten, getrieben nur vom Spaß am Musizieren, weil jetzt Zeit für Hobbys ist, meist die Kinder aus dem Haus sind, die Familie nicht mehr alle Zeit erfordert.

„Ich dachte, ich wäre ein Exot“, gesteht Janet Eichel, die längst ein „alter Hase“ ist. Seit 26 Jahren schon spielt die Süplingerin Klavier. Wieviele „Exoten“ es neben ihr gibt, hat sie beim ersten Ü35-Treffen erfahren. 61 Erwachsene erlernen derzeit an der Musikschule ein Instrument, Tendenz steigend. Niemand träumt von Musikerkarrieren, frei vom Ehrgeiz sind die reifen Schülerinnen und Schüler dennoch nicht. „Ich traue mich nicht in den Unterricht, ohne geübt zu haben“, sagt Janet Eichel, denn es geht längst nicht nur um sie allein. Bei einem der ersten Ü35-Treffen hat sie Jutta Knop kennengelernt, die auf dem Cello seit acht Jahren Melodien streicht. Seither spielen sie zusammen, Kerstin Bethge ist die Dritte im Bunde.

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Hilfe von Musikschullehrerin

Das Rüstzeug fürs gemeinsame Musizieren bekommen sie von Vera Kagan. Die Musikschullehrerin hat das Trio unter ihre Fittiche genommen. Ohne diese Unterstützung können sich die Frauen ihre Fortschritte nicht vorstellen. Jutta Knop sagt, es brauche jemanden, der auf das Gesamte hört. Einmal in der Woche proben sie gemeinsam in Wolmirstedt, dann musizieren die Süplingerin, die Lindhorsterin, die Wolmirstedterin in der Schwimmbadstraße.

Margarita Gedtke unterrichtet das Klavierspiel. Sie zeigt sich stolz auf ihre Schülerin Maren Bennua, mit der sie vierhändig gespielt hat. „Wir sehen, was regelmäßiges Üben bewirkt“, sagt sie mit Blick auf alle, die an diesem Abend beim Ü 35-Treffen in der B 189 aufgetreten sind.

Musikschulleiter Armin Hartwig freut sich auf das nächste Mal. Er hofft, dass der Raum wieder voll wird und alle etwas vorspielen, egal, wie gut die Fähigkeiten schon entwickelt sind. „Hier geht es nicht um Leistung, hier geht es um den Spaß an der Musik.“