Glindenberg l Bei jedem Friedhofsbesuch grollt der Zorn in Christa Spyra. „Es soll doch eigentlich ein Ort der Ruhe sein, aber ich ärgere mich jedes Mal.“ Über das Gras, das längst über die gesamte Fläche hinweg hoch gewachsen ist, über die Triebe gefällter Robinien, die überall sprießen, die sich mächtig vor, hinter und zwischen immergrüne Sträucher schieben, auch am Tor zur Trauerhalle. Christa Spyra weiß: „Darüber sprechen viele Menschen auf dem Friedhof.“

Das bestätigen eine weitere Friedhofsbesucherin und auch Ortsbürgermeisterin Gerhild Schmidt. Sie war eigentlich froh, dass der Friedhof erst kürzlich einen befestigten Weg bekam, ein weiterer angelegt wurde, eine Art gepflegter Trampelpfad. Der ist als solcher längst nicht mehr erkennbar. Gerhild Schmidt versteht das nicht: „Am traurigsten ist, dass dieser neue Hauptweg schon wieder so ungepflegt aussieht.“ Auch darauf macht sich das Unkraut breit.

Kniehohes Unkraut in der Elbstraße

Ebenso wüst zeigt sich die Elbstraße. Das öffentliche Grün zeigt sich eher als öffentlicher Wucherstreifen. Dabei hat es nicht einmal geregnet. Nicht auszudenken, wie hoch das Unkraut wäre, wenn nicht die lange Trockenheit den Wuchs etwas verlangsamt hätte.

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Die Anwohner sind insbesondere auch deshalb verärgert, weil Grünflächen vor ihren Zäunen städtisches Gelände sind und darauf Diesteln, Ackerwinde und Gras in die Höhe schießen oder über weite Strecken kriechen. „Ich werde manchmal angesprochen, ob ich mein Grundstück nicht besser pflegen will“, sagt eine Frau, „aber dieses Stück gehört uns gar nicht.“

Sechs öffentliche Pflegegänge im Jahr sind für Glindenberg vorgesehen, im Abstand von fünf Wochen. Bisher gab es nur einen und der ist länger her, acht Wochen. Am 23. und 24. April wurde gemäht. Gerhild Schmidt hat jüngst im Rathaus weitere Pflegegänge gefordert, ist jedoch mehrfach vertröstet worden.

Kranke Mitarbeiter, kaputte Maschinen

Sabine Bednorz, die zuständige Fachdienstleiterin, versichert, jetzt werde in Glindenberg gemäht. Der Spielplatz wurde bereits gestern auf Vordermann gebracht. Grund für die lange Pflegepause seien ein hoher Krankenstand im Wirtschaftshof gewesen sowie kaputte Technik. Immer wieder hätten Maschinen den Geist aufgegeben. „Sie sind zum Teil gut 20 Jahre alt“, erklärt Sabine Bednorz. Gerade läuft eine Ausschreibung für ein neues Fahrzeug, dass sowohl zum Schneeschieben als auch zum Rasenmähen dienen kann. Doch noch ist es nicht da.

Das Stadtfest war ein weiterer Grund, warum Glindenbergs Grünflächen so lange stiefmütterlich behandelt wurden. Die Wirtschaftshofmitarbeiter wurden zuerst in Wolmirstedt eingesetzt, damit sich die Stadt von ihrer besten Seite präsentiert. Zudem hatte sich der Winter weit ins Frühjahr hineingezogen, sodass sich der gesamte Pflegeplan ohnehin verschoben hatte.

Die Mitarbeiter des Wirtschaftshofes indes arbeiten emsig daran, die großen Flächen in der Kernstadt und den Ortsteilen in Ordnung zu halten. Nach dem Stadtfest gab es großes Lob im Hauptausschuss, weil die Schlossdomäne bereits an jedem Morgen wieder pikobello hergerichtet war.

Pflegeverträge nicht angenommen

Dennoch: Der Ärger über mangelnde Grünpflege flammt immer wieder auf und gilt vor allem der Organisation, die in den Rathaushänden liegt. Ein Rezept dagegen scheint noch nicht gefunden. Mehr Mitarbeiter gibt der Haushaltsplan nicht her, Geld für neue Technik scheint ebenfalls dünn gesät. Auch die Bürger haben wenig Lust, sich zu beteiligen.

Einst war im Gespräch, dass die Stadt mit Bürgern Verträge abschließen möchte, die das öffentliche Grün vor ihren Grundstücken selber pflegen möchten. Dieser Vorschlag wurde jedoch im gesamten Stadtgebiet kaum angenommen, weiß Sabine Bednorz. Auch die meisten Anwohner der Glindenberger Elbstraße lehnen solcherlei Verpflichtung offenbar ab. Eine Dame sagt sinngemäß: Schließlich bezahlen wir.

Ortsbürgermeisterin Gerhild Schmidt stellt sich vor ihre Bürger. „Viele Glindenberger bringen sich schon ein, beispielsweise beim Frühjahrsputz. Nun möchten sie auch sehen, dass etwas von der Stadt kommt.“ Still ruhen die Arbeiten auch an der Trauerhalle Glindenbergs. Dort sollte der Sockel saniert werden. Im Zuge der Arbeiten wurde jedoch festgestellt, dass der Putz über eine größere Fläche erneuert werden muss. Nun muss neu ausgeschrieben werden.

Mit den austreibenden Robinien müssen Friedhofsbesucher noch lange leben. „Als die Bäume entfernt wurden, sind die Wurzeln zwar ausgefräst worden“, sagt Sabine Bednorz, „aber mit den Trieben werden wir naturgemäß noch eine Weile zu kämpfen haben.“ Christa Spyra möchte nur, dass der Friedhof das wird, was er sein soll: Ein Ort, der als letzte Ruhestätte und zum Trauern würdig ist.