Wolmirstedt l Leni Heu lacht gerne. Und viel. Mindestens ebensoviel singt sie und begleitet sich dazu auf der Gitarre. Das Handwerk lernt das blonde Mädchen seit sechs Jahren in der Musikschule. Kürzlich hat Gitarrenlehrer Michael Brod ihr den Wettbewerb „Jugend musiziert“ empfohlen. Leni errang mit einer klassischen Etüde und einer spanischen Melodie auf Anhieb einen ersten Preis.

Das ist jedoch nur eine Etappe auf dem Weg, der Leni zu einem Leben als Sängerin führen könnte. „Nicht wegen des Ruhms oder Reichtums“, versichert sie, „ich möchte Menschen mit meiner Musik berühren.“ Leni schlägt ein paar Akkorde an, spielt den Beatles-Klassiker „Yesterday“, singt dazu mit klarer Mädchenstimme, der das Kindliche noch nicht abhanden gekommen ist. „Ich singe eigentlich immer, egal ob im Bett oder im Unterricht“, lacht sie, „das ist für meine Nachbarn im Klassenraum wohl manchmal nervig.“

Unter dem Dach der Musikschule

Den Großteil ihrer Sangesfreude hat sie allerdings in die Freizeit verlagert, nimmt Unterricht und hat unter dem Dach der Musikschule eine Band gegründet. Die hat als Duo begonnen, zusammen mit ihrer Schwester Emma hat Leni Lieblingslieder gespielt. „Aber zu zweit klang es noch nicht so gut.“ Deshalb haben sich die Schwestern gefreut, als Max Reißmann das Schlagzeug übernahm und Lea Paulinus den Bass. Sie alle sind etwa in Lenis Alter und Gitarrenlehrer Michael Brod gibt ihnen noch ein wenig Rückendeckung, spielt in der Formation ebenfalls die Gitarre. Das aktuelle Lieblingslied ist „Mit vollen Händen“ von Sarah Connor. „Bei uns sucht sich jeder mal ein Lied aus“, sagt Leni.

Lieder aussuchen, das darf sie auch manchmal im Gitarrenunterricht. „Es gibt nichts Besseres, als dass Kinder die Musik spielen, die ihnen am Herzen liegt“, ist das Credo von Michael Brod.

Noten, Griffe, Ausdauer

Das heißt jedoch nicht, dass Leni den Unterrichtsablauf bestimmt, denn Michael Brod ist ebenso wie die anderen Musikschullehrer dafür verantwortlich, den Schülerinnen und Schülern die musikalischen Grundlagen zu vermitteln, das Instrument nahe zu bringen, Noten zu lehren, Griffe immer wieder zu fordern, Ausdauer zu trainieren, damit Musiker und Instrument immer mehr eins werden. Das ist für beide Seiten richtige Arbeit. „Es gibt Lieder, die machen Spaß und manche tun einfach nur weh“, weiß der Gitarrenlehrer. Die Gitarre stellt besonders für die linke Hand eine Herausforderung dar. Leni bestätigt das, doch sie weiß, wie wichtig die klassische Gitarrenausbildung ist, um mit diesem Instrument zu bestehen. Schließlich ist ihr nächstes Ziel schon in Sichtweite: Die Prüfung für die studienvorbereitende Ausbildung.

Wenn Leni besteht, darf sie in der Musikschule am Ensemblespiel teilnehmen, wird in Musiktheorie unterrichtet und bekommt eine Ausbildung an einem Zweitinstrument. Leni setzt auf Klavier. Dieses Paket wird nach bestandener Prüfung staatlich gefördert, die Eltern müssen dafür nicht tiefer in die Tasche greifen, es dient Lenis weiterer Ausbildung.

Leni will sich noch nicht festlegen

Noch trägt das Mädchen ein Sweatshirt, auf dem sich Mickeymouse-Köpfe tummeln, besucht die fünfte Klasse des Kurfürst-Gymnasiums, trainiert außerdem im Kanu-Verein, doch Michael Brod weiß, wie rasend die Zeit vergeht, bis aus Mädchen junge Frauen werden, bis Studien- und Berufswahl anstehen. Er hat schon viele Gitarrenschüler wachsen sehen, hat mehrere Bands ins Leben gerufen, begleitet, spielt selbst mit. Die bekannteste ist wohl „Celtic Chaos“, die vor 17 Jahren den Musikwettbewerb „Local hereos“ gewann und mit keltischer, schottischer und irischer Musik noch immer bezaubert, das nächste Mal am 19. Januar im Oli-Kino in Magdeburg.

Da wird Leni wohl nicht dabei sein. Sie mag eher Helene Fischer, Ed Sheeran und Mark Forster. Wirklich festgelegen will sie sich jedoch nicht, wenn es hart auf hart kommt, nicht mal bei ihrem Berufswunsch. „Wenn ich nicht Sängerin werde, studiere ich Jura.“ Sagt sie und widmet sich dem Gitarrenunterricht, wie immer voller Freude. „Weil man mit Herrn Brod auch gut lachen kann.“