Jersleben l Nach einem arbeitsreichen Leben entschied Rosemarie Möbius, dass es nun Zeit sei, mehr für sich selbst etwas zu tun, denn „Die beste Zeit ist jetzt!“ Dieser Ausspruch ziert einen alten Fensterrahmen im Garten der Hobbykünstlerin, eines von vielen von ihr gestalteten Elementen. Irgendwann wurde der heute 63-jährigen lebenslustigen Frau langweilig und sie kanalisierte ihre freie Zeit gemeinsam mit ihrer unbändigen Kreativität, die seit Kindertagen in ihr wohnt, in einen nicht ganz gewöhnlichen Werkstoff.

Rhabarberblätter eignen sich gut

Irgendwann sah sie im Internet einen Wichtel aus Beton, der sie so faszinierte, dass sie ihn nacharbeitete. So entdeckte sie für sich die Arbeit mit Beton. Aus Sand, Zement und Wasser rührt sie eine Mischung an und verleiht dieser dann mit großen Blättern Leben. „Am besten eignen sich Rhabarberblätter, die Rippen der Blätter sind sehr deutlich und übertragen so am besten ihre Struktur auf den Betonabdruck“, sprudelt die Jersleberin hervor. Und fügt hinzu: „Aber auch Klette, Zuckerrübe und Ahorn eignen sich gut, Hauptsache, sie sind groß.“

Überhaupt hat man nicht den Eindruck, es mit einer Rentnerin zu tun zu haben - im Punktekleid und überschäumend vor Ideen beweist sie, dass Jahreszahlen nur Formen sind. Und Formen verleiht sie lieber ihrem gewählten Werkstoff Beton. So ein großes Blatt gießt sie dann mit der Mischung aus und lässt es 24 Stunden aushärten. Die Struktur des Blattes übertrage sich auf den Beton, erklärt sie. Aber eben auch alles andere, so auch die Löcher, welche die Schnecken in ein Blatt gefressen hätten und es sei eine Herausforderung, von ihren Spaziergängen möglichst Blätter mitzubringen, die dem Appetit der Schnecken standgehalten haben.

Bilder

Nach dem Trocknen wird das Blatt vorsichtig abgezogen, und zurück bleibt eine einzigartige Schale aus Beton mit der Struktur des Blattes. Dieser Rohling wird mit einer Drahtbürste von den Resten des Blattes gesäubert, erhält noch einen Anstrich mit weißer Acrylfarbe. Fertig ist ein Kunstwerk für den Garten, das wetter- und sogar frostbeständig ist. Die Blätterschalen aus Beton eignen sich zum Bestücken mit kleinen Pflanzen in Verbindung mit hübschen Steinen. Aber auch als Vogeltränke sind sie ein Blickfang in jedem Garten oder auf dem Balkon.

Annemarie Möbius lebt für ihr Hobby. Ihren Lebensunterhalt muss sie davon nicht bestreiten, dafür hat sie in ihrem Arbeitsleben vorgesorgt. „Was ich jetzt tue, mache auch ausschließlich, weil es mir Freude macht. Das Werkeln selbst und auch, wenn ich sehe, dass andere Menschen von meiner Arbeit begeistert sind.“ Ihre Kunstgegenstände verkauft sie an Interessierte, und die Schar ihrer Anhänger wächst mit jedem Stück, das ihr Grundstück verlässt.

Betonblätter nicht die einzige Leidenschaft

Seien es doch eben jene Sachen, die man nicht zwingend braucht, aber die mit Herzblut gemacht sind und das Leben einfach ein bisschen schöner machen. Gerade in diesen Zeiten, wo durch die Corona-Pandemie und alle damit verbundenen Regeln den Menschen Abstand verordnet wird, könne die Kunst eine Verbindung zwischen Menschen sein, so Möbius. Die Hobby-Künstlerin mache sich Sorgen, dass die Gemeinschaft der Menschen unter all den Einschränkungen mehr als nötig leide, wie viele Enthusiasten wohl durchhalten und geschlossene Türen irgendwann wieder öffnen werden. Sie selbst tue einiges dafür, um die Gemeinschaft zusammenzuhalten. So ist sie aktiv im Heimatverein tätig, von dem ihr Mann, Hartmut Möbius, der Vorsitzende ist.

Leider würden in diesem Jahr auch das Drachenfest und der Weihnachtsmarkt dem Virus zum Opfer fallen, aber dennoch versucht Rosemarie Möbius in kleinerem Rahmen machbar zu machen, was geht. So plant sie im Dorfgemeinschaftshaus wieder ein Kürbisbasteln, wo auch kleine Künstler willkommen sind. Und in einer schon vertrauten Runde wird sie wieder Kränze aus Naturmaterialien binden.

Die Betonblätter sind jedoch nicht die einzige Leidenschaft von Rosemarie Möbius. Auch kleinere Gegenstände aus Beton entstehen unter ihren geschickten Händen. Von Herzen und Schmetterlingen über Schalen bis hin zu liebevoll gestalteten Türschildern ist alles dabei, was das Herz zum Dekorieren höher schlagen lässt. In ihrem „Mädchenladen“ auf ihrem Grundstück sind die Kunststücke aufgereiht und es fällt nicht leicht, sich für dies oder das zu entscheiden. Neben dem Gestalten mit Beton gibt sie auch noch ehemaligen Tetra-Packs ein neues Leben und verarbeitet diese zu kunstvoll gestalteten Tüten, die eine kleine Überraschung beherbergen können.

Als wäre das noch nicht genug, verleiht sie auch alten Möbeln neuen Charme und bastelt aus Modelliermasse Anhänger, welche Fenster verzieren können. Ihr Tag könnte 48 Stunden haben, etliche davon verbringt sie auch gern mit ihren vier Enkelkindern mit Spiel und Spaß und viel Bastelei.