Wolmirstedt l Schon lange ärgern sich Elbeuer über den „Rumpeltunnel“. Seit 2006, also seit 14 Jahren, bitten sie um Abhilfe, haben sich an die zuständigen Behörden in Stadt, Landkreis und Wasserstraßenamt gewandt. Doch bisher ist nichts passiert. Sie sind vom Lärm genervt, werden Tag und Nacht beschallt, wissen aber auch: Autos haben gar keine Chance, diesen Tunnel leise zu durchfahren. Das alte Kopfsteinpflaster lässt die Fahrzeuge rumpeln.

Lärmbelästigung und Gefahr

Nun machen Anwohner noch einmal mobil. Reinhard Paschold, Gerhard Voigt und andere Elbeuer haben sich an den Elbeuer Ortschaftsrat, die Stadtverwaltung und den Landkreis gewandt. Sie wollen sich nicht weiter vertrösten lassen, sehen neben der Lärmbelästigung auch Radfahrer und Fußgänger gefährdet.

Der marode Zustand des Tunnels und der Straße ist in den Behörden bekannt. Dabei gibt es zwei Zuständigkeiten. Für den Tunnelkörper ist das Wasserstraßen-und Schifffahrtsamt Mittellandkanal/Elbseitenkanal verantwortlich, für die Straße der Landkreis. Beide wollen den Tunnel zukunftsfähig gestalten, doch dabei müssen sie nacheinander vorgehen. Erst muss der Tunnel ausgebessert werden, womöglich auch in der Tiefe. Anschließend kann der Straßenausbau erfolgen.

Der Tunnel stammt bereits aus den 1930er Jahren. Der Zahn der Zeit und andere Substanzen haben an den Wänden genagt. Besondere Schäden stammen aus früheren Wintern. „Viele Winter lang wurde dort bei Eis und Schnee Streusalz aufgebracht“, erklärt Jens Bendler, Außenbezirksleiter des zuständigen Wasserstraßenamtes, „das Salz ist auch in den unteren Bereich des Betons eingedrungen.“

Welche Konsequenzen sich daraus ergeben, wird Teil der Planungen sein. Muss auch „unterirdisch“ saniert werden, ergibt ein Straßenausbau zuvor wenig Sinn.

Betonproben genommen

Doch die Sache bewegt sich. Von den Tunnelwänden wurden bereits Betonproben genommen, der Tunnel eingehend inspiziert, erklärt Wasserstraßenamtler Jens Bendler. Noch etwa bis zur Mitte des Jahres wird untersucht und ausgewertet. Erst dann kann ein Plan für die umfangreiche Sanierung entworfen werden. Läuft es gut, können die Sanierungsarbeiten 2021 beginnen und die Anwohner 2022 mit einer neuen Straße unter dem Tunnel rechnen, und mehr.

Der Landkreis wird neben der Fahrbahn auch den Fuß- und Radweg erneuern, versichert Landkreissprecher Uwe Baumgart. Landkreis und Wasserstraßenamt werden bei der Tunnel- und Straßensanierung Hand in Hand arbeiten. Inwieweit die Zusammenarbeit gedeiht, muss noch abgesprochen werden.

Einst führte die B189 durch diesen Tunnel, die Hauptverkehrsader zwischen Stendal und Magdeburg. Seit dem Bau der Umgehung ist der Durchgangsverkehr durch Elbeu zwar eingedämmt, aber noch immer wird der Tunnel stark frequentiert. Zu den Nutzern dieses Verkehrsweges zählen unter anderem die Kleinanlieferer für die Elbeuer Abfallentsorgung, aber auch Kinder und Jugendliche, die mit dem Fahrrad zur Schule fahren.

Heidewasserleitung durchquert den Tunnel

Im Tunnelbereich unterqueren nicht nur Fußgänger, Radfahrer und Fahrzeuge den Mittellandkanal, auch die Trinkwasserleitung aus Colbitz führt dort entlang. Die sogenannte Heidewasserleitung versorgt von Colbitz aus die Stadt Magdeburg. Die Kanäle verlaufen links und recht in der Tunnelröhre, jeweils unter den Fußwegen, bestätigt Peter Bogel, Sprecher der Trinkwasserversorgung Magdeburg (TWM). Ob und - wenn ja - inwieweit diese Leitungen berührt werden, wird sich erst im Laufe der Planungen zeigen. Es kommt darauf an, in welcher Tiefe die Erneuerung des Tunnelkörpers notwendig ist.

Reinhard Paschold und die anderen Elbeuer hoffen, dass endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden. „Es ist im 21. Jahrhundert keinem Bürger mehr zu vermitteln, dass nach dem Ausbau des Mittellandkanals eine vielfrequentierte Kreisstraße in diesem grausamen Zustand geblieben ist.“