Hohe Börde l Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) hat Verträge über die Auftstellung von Kleidercontainern in der Hohen Börde gekündigt. Wie Mandy Oelke, Leiterin Soziale Arbeit beim DRK-Kreisverband Börde mitteilt, laufen die Verträge zum 31. Dezember aus. 15 Container werden von Stellplätzen in der Gemeinde Hohe Börde nach und nach abgeholt.

Acht Standorte betroffen

Das betrifft nach Angaben des Roten Kreuzes die Orte Hohenwarsleben, Hermsdorf, Groß Santersleben, Niederndodeleben, Wellen, Mammendorf, Eichenbarleben und Ochtmersleben. Teilweise würden die Container an anderer Stelle – dort, wo das Deutsche Rote Kreuz beispielsweise mit Sozialstationen und anderen Einrichtungen vertreten ist – im Bördekreis wieder aufgestellt. Eine Wiederaufstellung an gleicher Stelle ist nicht geplant. Es werde nach und nach geprüft, ob eine Aufstellung der Container noch sinnvoll ist: Zunächst seien die Regionen Niedere Börde und Wolmirstedt geprüft worden und jetzt die Hohe Börde. Der Pressesprecher des Rathauses der Gemeinde Hohe Börde, Maik Schulz, teilt auf „Volksstimme“-Anfrage mit: „Das DRK hat alle Standorte seiner Kleidercontainer zum 31. Dezember gekündigt und die Container bereits Anfang November entfernt. Die Bürger stellen leider ihre Sachen trotzdem auf die leeren Stellplätze beziehungsweise an die wenigen Kleidercontainer anderer Anbieter in der Gemeinde Hohe Börde, diese sind völlig überlastet. Sie wurden bereits zusätzlich geleert.“

Mandy Oelke zufolge haben verschiedene Gründe zu der Entscheidung des Kreisverbands, die Verträge zu kündigen und die Container abholen zu lassen, geführt. Ein Grund seien die Sondernutzungsgebühren, die an die Gemeinde bezahlt werden müssten. „Wir als Sozialträger bekommen den Preis zwar vergünstigt, aber es ist noch immer zu viel“, sagt Oelke.

Keine Nachverhandlungen

Wie reagiert die Gemeinde auf diesen Vorwurf? Verhandelt man mit dem Roten Kreuz nach? Maik Schulz entgegnet: „Wenn das DRK plötzlich zu der Einschätzung kommt, dass die Sondernutzungsgebühren zu hoch sind, dann ist das so. Die Gebühren sind jedenfalls per Satzungsbeschluss vom Gemeinderat festgelegt“, für Verhandlungen habe man deshalb keinen Spielraum. „Des Weiteren hat das DRK bis 2019 die Stellplätze zu 50 Prozent der üblichen Sondernutzungsgebühren nutzen dürfen. Dafür muss jährlich ein Antrag auf Ermäßigung seitens der Containeranbieter gestellt werden. Dies hat das DRK im Jahr 2020 trotz Erinnerung seitens der Gemeindeverwaltung nicht getan. Folglich hat das DRK einen (Sondernutzungs-)Gebührenbescheid in voller Höhe erhalten und diesen auch beglichen“, teilt Schulz mit.

Alternativen zur Sammlung mit Containern

„Es ist ein enormer Aufwand, die Container permanent abzusammeln und in Stand zu halten“, sagt Mandy Oelke. Auch käme es immer wieder vor, dass Menschen die Container zweckentfremden, indem sie Müll auf die Kosten des Roten Kreuzes entsorgen. „Wir haben in den Containern schon alles gefunden – von Bauschutt bis hin zu Kinderwindeln“, sagt Mandy Oelke. „Wir müssen den Müll dann sammeln und auf unsere Kosten entsorgen – meine ehrenamtlichen Kollegen sortieren das, was eingeworfen wird und das ist zeitweise sehr eklig“, beschreibt Oelke.

„Wir sammeln weiterhin, nur auf andere Weise.“ So würden Spendenwillige beim Roten Kreuz anrufen, und darum bitten, dass Kleidersäcke abgeholt werden – zum Beispiel auch, weil es so viele sind, dass sie gar nicht in einen Container passen würden. Oder weil die Sachen in Kartons gepackt würden, welche nicht in den Container geworfen werden könnten. Die Menschen finden zunehmend Gefallen an dieser Art der Sammlung, wie Oelke sagt, und das Rote Kreuz hat sich darauf eingestellt und die Touren eingeplant. Dort, wo Container wegfallen, seien andere Formen der Kleidersammlung angedacht. So würde es zwei bis dreimal im Jahr – zu Zeiträumen, in denen üblicherweise ausgemistet wird wie etwa im Frühjahr – eine Straßensammlung geben, wo das Rote Kreuz drei bis vier Stunden an zentralen Punkten steht, um Kleider entgegen zu nehmen. So beispielsweise in Weferlingen.

Verbleibende Kapazitäten zu klein

„Wenn ich jemanden Auge in Auge gegenüberstehe, dann gebe ich ihm keinen Bauschutt in die Hand“, resümiert Oelke. Oder Kleidung wird eine Woche lang bei einem Partner des Roten Kreuzes, wie beispielsweise einer Kindertagesstätte, gesammelt und dann anschließend von einem großen Lkw abgeholt. Das Geld aus den Kleiderkammern komme ausschließlich dem sozialen Bereich zugute: So würden die Jugendarbeit, die Arbeit in den Tafeln und die Arbeit in den Kleiderkammern selbst aus diesem Geld unterstützt. Weil die abtransportierten Kleidercontainer fehlen, sammeln sich Säcke vor den verbleibenden Kleiderboxen an. „Das Ordnungsamt versucht derzeit für die freigewordenen Stellplätze kurzfristig neue Anbieter zu gewinnen“, teilt Maik Schulz mit.

Zentrale Nummer für die Kleidersammlung und für Fragen im sozialen Bereich des Deutschen Roten Kreuzes ist die 03904/72507250