Barleben l Barlebens Bürgermeister Frank Nase (CDU) zieht eine Bilanz über das schwierige Corona-Jahr. Er blickt aber auch voraus auf die Vorhaben, die für 2021 in der Gemeinde wichtig sein werden. Mit ihm sprach Volksstimme-Redakteur Christian Besecke.

Was hat Sie im abgelaufenen Jahr besonders beschäftigt?
In erster Linie bin ich angesichts der Tragweite der Corona-Pandemie glücklich, dass ich in meinem engsten Umfeld noch keinen wirklich schweren Verlauf zu erleben hatte. Jedoch hat es meinen Onkel und meine Tante in Berlin betroffen. Aus diesem Grund kann ich auch nur nochmal sagen: „Es ist nicht nur eine simplere Grippe!“.

Corona war natürlich das Thema Nummer eins. Wie schätzen Sie die Auswirkungen für die Menschen und sich selber ein?
Ja, diese Pandemie, auf die wir alle gern verzichtet hätten! Sie hat Pläne durchkreuzt, Ziele verschoben, das Wertegerüst zum Teil stark verändert, sie hat entzweit, sie hat vereint, sie hat grundlegendes und wirklich Wichtiges offen gelegt.

Wie sind Sie mit der Herausforderung umgegangen?
Es gab so unzählige kleine und große „Feuer“, die in den Griff zu bekommen und zu löschen waren. Das war bisher die größte Herausforderung meines Lebens. Und ehrlich gesagt, reicht sicherlich eine Krise von dieser Tragweite. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich ausgebrannt bin. Da gibt es noch ganz andere Berufsgruppen, wie das pflegerische und medizinische Personal welches derzeit Höchstleistungen verrichtet.

Was wurde in Barleben alles 2020 bewegt?
Zusammen mit der CDU-Fraktion, der FDP, der SPD/Linke und den Freiwählern/Grüne sowie meiner Verwaltung haben wir im harten Ringen das dritte Mal in Folge einen ausgeglichenen Haushalt aufgestellt. Im Haushalt sind Positionen enthalten wie beispielsweise die Förderung des neuen Sanitärtraktes des FSV Barleben 1911, die Planung für den Umbau des Sportareals am Anger, die Planung für den Bau einer neuen Feuerwehr in Barleben, den Breitbandausbau, die Ansteuerung von notwendigen Digitalisierungsprojekten. Als Orientierungshilfe gilt dabei insbesondere unser aufgestelltes und beschlossenes IGEK (Integriertes Gemeindeentwicklungskonzept) – Barlebens Agenda 2030.

Schwerpunkt ist die ökonomische Entwicklung, die eine ökologische Entwicklung nicht außen vorlässt. Gepaart mit technischem Fortschritt werden so die Zukunftswelten geschaffen werden.

Was sind die Schwerpunkte dieser Barleber Agenda?
Schwerpunkt ist die ökonomische Entwicklung, die eine ökologische Entwicklung nicht außen vorlässt. Gepaart mit technischem Fortschritt werden so die Zukunftswelten geschaffen werden. Die Initiativen wie 5x5G Industrial Co-Working, die Schul-IT, ein Digitalisierungszentrum im Verbund mit dem Land Sachsen-Anhalt und auch die Maßnahme „Smart City Barleben“ zeugen davon, dass wir viele kreative und innovative Menschen in Barleben haben. Mit einigem Stolz kann ich sagen, dass wir uns gegen viele hunderte Mitbewerber durchsetzen konnten. Beim Smart City-Wettbewerb sind wir eine von 34 geförderten Kommunen und die einzige im Land Sachsen-Anhalt. Beim 5G-Projekt sind wir eines von einer knappen Handvoll in Sachsen-Anhalt.

Wie drückt sich das im Besonderen aus?
Es gab den ersten Baustart für das Forschungs-, Entwicklungs- sowie Fertigungsgebäude der Horiba Fuelcon – die sogenannten Factory21. Hier entstehen hunderte hochwertige neue Arbeitsplätze und das europäische Headquarter der Unternehmensgruppe. Aus diesem und vielen weiteren Gründen wurde die Gemeinde Barleben Mitte des Jahres vom Wirtschaftsministerium auch zu einem von nur sehr wenigen „Zukunftsorten Sachsen-Anhalts“ gekürt.

Was wurde sonst noch umgesetzt?
Neben diese großen Maßnahmen haben wir als Verwaltung der Gemeinde Barleben aber auch noch kleine Maßnahmen umgesetzt. So die Vorbereitung Zentralisierung der Verwaltung. Für die leer werdenden Räume wurde ein Mieter gefunden. Außerdem ist da die Herbeiführung von notwendigen Beschlüssen bis hin zum Start der Baumaßnahme in der Burgenser Str. 4/5 (Altes E-Werk).

Ist das auch in den Ortsteilen zu sehen und wie sieht es in den Kindertagesstätten (Kita) aus?
In Ebendorf konnten wir beim Projekt Jugendclub einige Schritte gehen und Beschlüsse herbeiführen, die wir nun weiterverfolgen. Auch in Ebendorf ist ein Schutzgitter bei der neuen Kindertagesstätte (Kita) entstanden. In den Kindereinrichtungen und Schulen konnte wir Beschattungsanlagen verbauen. Wir haben Umzüge von Kindereinrichtungen realisiert und wir hatten einen großen Baustart in Barleben in der Kita Barleber Schlümpfe. Es gab ein tolles Richtfest in Meitzendorf bei der Kita Birkenwichtel.

Der Breitbandausbau, also der Glasfaserausbau ist nach einer gefühlten Ewigkeit nun endlich gestartet. Die Kommune baut mit ihren beauftragten Firmen nun zuerst die sogenannten Weißen Flecken in Meitzendorf aus.

Es gab und gibt aber auch kulturelle Bestrebungen?
Wir haben das erste Streetfoodfestival von Meitzendorf geplant, welches hoffentlich nun ein Jahr später am letzten Maiwochenende stattfinden kann Wir waren dabei das zweite Event „Die Gemeinde Barleben putzt sich“ aufzulegen. Gleiches galt für das Blaulichtfest und das Bürgermeistergrillen. Als Neuerung sollte es in 2020 ein Ehrenamtsfest gegen, welches wir hoffentlich im Jahr 2021 erstmals durchführen können. Zudem konnten ein neues Feuerwehrfahrzeug in Empfang nehmen. Das Gebäude „Alte Apotheke“ wurde wiedereröffnet und wir haben den haben den Jugendtreff am Anger mit Hilfe der Avacon mit einer Beleuchtung ausstatten können. Der Fördermittelbescheid für den neuen Spielplatz in Ebendorf steht noch aus.

Wie steht es um den Breitbandausbau und wie geht es weiter?
Der Breitbandausbau, also der Glasfaserausbau ist nach einer gefühlten Ewigkeit nun endlich gestartet. Die Kommune baut mit ihren beauftragten Firmen nun zuerst die sogenannten Weißen Flecken in Meitzendorf aus. Neben dem kommunalen Unterfangen gibt es auch immer noch private Anbieter, die ihre Produkte an die Frau oder den Mann bringen wollen. Zum Teil ist die Gemengelage extrem diffus für den Bürger und Konsumenten. Aus diesem Grund plane ich immer noch eine große Informationsveranstaltung zu diesem Thema.

Wie werden sich die Wohngebiete entwickeln?
Wohngebiete sind ein gutes Thema. Man müsste es eher fehlende Wohngebiete nennen! Die Entwicklung in diesem Jahr hat gezeigt, dass zwei große Wohngebiet mit insgesamt über 100 Parzellen den Bedarf nicht decken konnten. Aus diesem Grund haben wir beschlossen ein weiteres Wohngebiet auf den Weg zu bringen, die sogenannte „Alte Ziegelei“. Derzeit befinden wir uns in Verhandlungen mit dem Erschließer. Aufgrund der sehr positiven Arbeitsplatzentwicklung im Technologiepark Ostfalen, gehe ich derzeit davon aus, dass Barleben – entgegen des sonstigen Landestrend - eher wachsen wird. Ich halte es für notwendig, dass wir dringend Wohnraum für jede Art von Geldbörsengröße schaffen.

Wie ist die Personalentwicklung in der Gemeinde?
Auf einen Zwölf-Monats-Horizont gesehen, sind mehr als eine Dutzend Angestellte aus dem Dienst der Gemeinde Barleben ausgetreten. Das Sichern von Exzellenz-Wissen ist zu einer riesigen Aufgaben geworden, die jede Menge an Ressourcen verschlingt. Aus diesem Grund haben wir beinah jeder Zeit Studenten, Praktikanten und Azubis im Dienst, die wir behutsam an die Aufgaben der Zukunft heranführen.

Wie läuft die Arbeit im und mit dem Gemeinderat?
Im Großen und Ganzen möchte ich die Zusammenarbeit mit meinem hochengagierten Gemeinderat als beispielgebend und hervorragend bezeichnen. Insbesondere die Fraktionsvorsitzenden sowie der Gemeinderatsvorsitzende sind wichtige Manager. Ich bin sicher, dass wir insbesondere beim Thema Jersleber See enger zusammenrücken und einen gangbaren Weg finden. Die Geschehnisse rings um den See haben Mitte des Jahres 2020 einige Wellen geschlagen. Aus Streitgesprächen ergeben sich manchmal die beste Lösungen.