Wolmirstedt l Als Publikumsmagnet lässt sich die Wolmirstedter Innenstadt kaum bezeichnen, dennoch geben sich Stadtväter und -mütter alle Mühe, der Fußgängerzone ein freundliches Gesicht zu geben. Die Kübel und Beete sind bepflanzt und werden gepflegt, und auch die meisten Hauseigentümer haben den Fassaden ihrer Häuser längst eine Frischzellenkur gegönnt. Um so mehr fallen Schandflecken ins Auge, so wie das ehemalige Café „Süße Ecke“.

Das Schaufenster ist leer und teilweise kaputt, das Unkraut wuchert kniehoch, die Pergola, die eigentlich Mülltonnen verdecken soll, steht schief. Das Werbeschild an der Fassade verspricht noch immer eine Lounge, in der die Wasserpfeife offenbar zum guten Ton gehört. Doch die ist längst aufgeraucht, Speisen und Getränke wurden in diesem Haus schon lange nicht mehr serviert. Das Haus steht leer. Muss die Stadt diesen Anblick dulden, gibt es keine Handhabe, im Herzen Wolmirstedts ein wenig Ordnung zu verlangen?

Eigentümer für Gehwege verantworlich

Ordnungsamtschef Dirk Illgas weiß um diesen Zustand und kann dem Unkraut wenig abgewinnen. Doch er stellt klar, dass für die Reinigung der Gehwege die Grundstückseigentümer zuständig sind. Ist - wie in der Fußgängerzone und anderen sogenannten Spielstraßen - kein Gehweg vorhanden, sind im 1,50-Meter-Bereich vor dem Grundstück die Anlieger zuständig Die Stadt reinigt lediglich die Fahrbahn, Fußgängerüberwege, Straßenrinnen und Abflüsse. Dafür zahlen Hauseigentümer Straßenreinigungsgebühren.

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In der Fußgängerzone heißt das, Wolmirstedts Kehrmaschine ist besonders nach den Markttagen im öffentlichen Bereich unterwegs und kümmert sich um Kübel und Rabatten. Anliegern obliegt die Reinigung ihrer 1,50  Meter.

Dennoch: Ganz machtlos ist die Stadt nicht, wenn es um die öffentliche Ordnung geht. Nehmen Anlieger ihre Reinigungspflichten nicht wahr, darf die Stadt durchaus verwarnen und sogar Bußgelder verhängen. Sie kann auch im Sinne des öffentlichen Interesses ein Unternehmen beauftragen, das für Ordnung sorgt. Die Kosten werden dann dem Hauseigentümer in Rechnung gestellt. Dabei will die Stadt keineswegs mit Kanonen auf Spatzen schießen, die Verhältnismäßigkeit solcher Maßnahmen soll gewahrt bleiben. Aber: der Anblick der ehemaligen „Süßen Ecke“ tut Bürgern weh. „Was ist bloß daraus geworden“, ärgert sich unter anderem Kurt Prilloff.

Doch warum steht die „Süße Ecke“ leer? Lange wurde dieses Lokal als „Café Sweet“ weitergeführt, doch seit dessen Schließung wechseln die Eigentümer so schnell, dass der Überblick verloren geht. Warum interessiert sich niemand, dort ein Café zu betreiben? Schließlich zeigen Susanne Kützing im Pavillon auf dem Zentralen Platz, Roland Bohlein im Katharinensaal auf der Schlossdomäne, Dorit Junghans bei Cassuhn hinter der Amtsbrücke und Evamaria Schmeier in der Elbeuer Wassermühle, dass ein Café in Wolmirstedt gut laufen kann.

Stadt sind die Hände gebunden

Diese Frage kann wohl keiner seriös beantworten. Auch der Stadt sind die Hände gebunden. Die Vermietung ist allein Sache des Eigentümers. Die Stadt darf nur auf Bitten der Eigentümer vermitteln. Erika Tholotowsky, die im Rathaus unter anderem den Bereich der Wirtschaftsförderung verantwortet, stellt klar: „Wir können nur empfehlen und unterstützen.“ Im Moment gibt es wohl keinen Bedarf.