Wolmirstedt l Veronika Babul ist erst 13 Jahre alt, doch die Siebtklässlerin sieht schon deutlich, welchen beruflichen Weg sie nach der Schule nehmen will. „Ich möchte zur Kriminalpolizei.“ Dieses Ziel kommt nicht von ungefähr. „Eigentlich wollte ich Ärztin werden“, sagt Veronika, „aber als ich so viel über die Arbeit bei der Polizei gehört habe, wusste ich: Das ist es.“ Demnächst wird sie bei der Magdeburger Polizei ein Praktikum absolvieren.

Den Kontakt zur Polizei hat sie in ihrer Schule geknüpft, im Rahmen des Brafo-Projektes. Brafo steht für „Berufswahl richtig angehen frühzeitig orientieren“ und ist ein Programm, an dem jährlich etwa 10 000 Mädchen und Jungen der siebten und achten Klassen in Sachsen-Anhalt teilnehmen.

Vertreter aus Unternehmen kommen in die Schule und informieren die Mädchen und Jungen über die unterschiedlichen Berufsfelder. Dabei hat auch Thia Rabitzsch (13) ihren persönlichen Plan entwickelt.

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Anders als Veronika wollte Thia zunächst zur Polizei gehen, orientiert sich nun aber in die medizinische Richtung. „Ich möchte Rettungssanitäterin werden.“ Darin wird sie auch von der Familie bestärkt, will zudem in diesem Bereich bald ein Praktikum absolvieren.

Zertifikat für sechs Jahre verliehen

Für die Aktivitäten zur Berufsorientierung der Mädchen und Jungen hat die Leibniz-Gemeinschaftsschule erneut ein Zertifikat bekommen. Das „Berufswahl-Siegel Sachsen-Anhalt – Schule mit vorbildlicher Berufswahlorientierung“ wurde für weitere sechs Jahre verliehen. „Darauf sind wir besonders stolz“, sagt Schulleiter Ingolf Berg, „wir haben bei der Bewertung 15 von 16 möglichen Punkten erreicht.“

Zuvor war der Schule dieses Siegel bereits für drei Jahre verliehen worden, nun freut sich der Schulleiter für sein Team: „Wir haben uns immer weiter verbessert.“

Die Berufsorientierung spielt in der Leibniz-Gemeinschaftsschule bereits ab der siebten Klasse eine große Rolle. Dem Brafo-Projekt folgen unter anderem schulinterne Lehrstellenbörsen, Elterninformationen, Ausbildungstage. Es gibt eine enge Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur, die zu Kontakten in der Region verhilft. Die Leibniz-Schüler schwören außerdem auf den Bewerbertag der neunten Klassen.

„Ich freue mich schon darauf, wenn wir soweit sind, dass wir Vorstellungsgespräche üben können“, sagt Thia. Von den älteren Schülern hat sie gehört, wie hilfreich das ist, echten Personalern der Unternehmen gegenüberzusitzen, ein Bewerbungsgespräch zu führen und anschließend zu erfahren, was gut war und was noch besser geht.

Ungestörte "Bewerbungsgespräche"

„An diesen Bewerbertagen räumen wir die Schule leer“, sagt Ingolf Berg. Alle Klassen, die nicht daran teilnehmen, unternehmen Wandertags-Ausflüge. So ist gewährleistet, dass genug Klassenräume für ungestörte „Bewerbungsgespräche“ vorhanden sind.

Das Berufswahl-Siegel-Zertifikat wurde von zwei Ministern unterschrieben, vom Bildungsminister Marco Tullner und von Petra Grimm-Benne, der Arbeitsministerin. Eine effektive Berufsvorbereitung nützt auch der Wirtschaft.

Die Arbeitslosenquote liegt in Wolmirstedt unter fünf Prozent. Fachkräfte werden dringend gesucht. Das spürt auch die Leibniz-Schule. „Die Bereitschaft der Betriebe zur Zusammenarbeit mit uns ist sehr hoch“, konstatiert Ingolf Berg. Immer mehr Unternehmen beteiligen sich beispielsweise am Bewerbertag, zuletzt waren 13 vertreten. Weiterhin arbeitet die Schule mit einem Bildungswerk sowie dem Ausbildungszentrum der Handwerkskammer zusammen.

Der Kontakt in die Wirtschaft trägt Früchte. In den vergangenen drei Jahren haben die meisten Schulabgänger eine duale Ausbildung begonnen, das heißt, die praktische Ausbildung erfolgt im Betrieb, die theoretische in der Berufsschule. So eine duale Ausbildung plant auch Yannic Oliver Schuster. „Ich möchte Einzelhandelskaufmann werden“, sagt der 14-Jährige, „aber vorher möchte ich den erweiterten Realschulabschluss erwerben.“

In seinem Entschluss, die dreieinhalbjährige Ausbildung anzustreben, habe ihn ein Praktikum bei Repo im Rahmen des Brafo-Projektes bestärkt. „Mir hat dort alles gefallen, vom Möbelaufbau bis zum Einräumen der Regale.“

Die Leibniz-Gemeinschaftsschule bereitet aber auch den Übergang zum Abitur vor. Diesen Weg möchten Thia und Veronika gehen, bevor sie ihre Ausbildungen beginnen.

Das Berufswahl-Siegel wurde der Schule aufgrund der Aktivitäten verliehen, dazu hatte die Jury getrennt voneinander sieben Lehrkräfte und 15 Schüler befragt. Auch Veronika, Thia und Yannic gehörten zu denen, die für alle 250 Schüler sprechen durften.

Schulleiter Ingolf Berg und sein Team wollen sich auf den gerade verliehenen Lorbeeren keineswegs ausruhen. „Die Berufswelt wird sich in den nächsten Jahren stark durch die Digitalisierung verändern. Wir werden Schülern verstärkt die Chancen, aber auch die Risiken aufzeigen.“