Wolmirstedt l „Oh ja, wir freuen uns schon.“ Sergej Kozlovs Augen leuchten, wenn er an den kommenden Sonntag denkt. Da wird er zusammen mit der Singegruppe „Kolorit“ im Wolmirstedter Museum auftreten. Das dient eigentlich dazu, Vergangenes zu bewahren, doch oft und gern widmet sich das Team um Leiterin Anette Pilz auch dem Jetzt. Am Sonntag eröffnen sich im Museum Welten. Ab 13 Uhr präsentieren sich der Wolmirstedter Katharina-Verein und die Magdeburger jüdische Gemeinde.

Die Singegruppe „Kolorit“ gehört zum Katharina-Verein und ist seit ihrer Gründung vor anderthalb Jahren schon oft aufgetreten. Zuletzt beim Integrationsfest auf der Schlossdomäne, zusammen mit dem Wolmirstedter Gemischten Chor. Meist fallen sie auf, weil die Männer und Frauen Trachten aus ihrer Heimat tragen, aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Noch wird jedoch geprobt und da kommen sie in „zivil“. Im Vorfeld ist vor allem Disziplin gefragt, um später beim Auftritt zu glänzen.

Sergej Kozlov leitet den kleinen Chor. Der 60-Jährige stellt auf dem CD-Spieler die Begleitmusik an, schlägt den Rhythmus mit einem roten Schellenkranz und gibt den Einsatz für die Sängerinnen und Sänger vor. Sie singen russische Lieder, temporeich, kraftvoll, offenkundig aus ganzem Herzen.

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Spätaussiedler als Chormitglieder

Der Weißrusse führt den Chor leidenschaftlich, Musik liegt ihm im Blut. Er hofft, dass am Sonntag ganz viele Menschen im Museum die Gelegenheit nutzen, andere Kulturen direkt vor der Haustür kennenzulernen. „Wenn man die Kultur kennt, versteht man auch, wie die Leute denken und was ihnen wichtig ist.“

Ihm selbst sind die Kultur, Sprache und Menschen der Börde schon lange vertraut. Sergej Kozlov hat einst als Offizier in der sowjetischen Armee gedient, war lange in Colbitz stationiert. Ein Sohn ist gar in Magdeburg auf die Welt gekommen. Nach dem Armeedienst hat er als Lehrer und Ingenieur in seiner Heimat gearbeitet. Sein neues Leben als sogenannter Spätaussiedler in Wolmirstedt bestreitet er mit einem Hausmeisterservice.

Dabei mag er besonders die Begegnungen. „Bei der Arbeit komme ich mit vielen Menschen zusammen. Ich habe immer das Gefühl, dass wir uns gegenseitig verstehen wollen.“

Kulinarische Spezialitäten

Dieses gegenseitige Interesse möchte er auch am Sonntag im Museum erleben. Bis dahin haben jedoch vor allem die Frauen des Katharina-Vereins jede Menge zu tun. Sie werden Gerichte aus Weißrussland, der Ukraine oder Russland in Topf, Pfanne und auf dem Blech vorbereiten und die kulinarischen Köstlichkeiten den Besuchern anbieten. Den selben Aufwand werden die Mitglieder der jüdischen Gemeinde in der Küche betreiben.

Ein Teil des Museums wird zum Trickfilmstudio umfunktioniert. Yevgen Bartsytskyy zeigt einen eigenen Film und möchte dann die Besucher ermuntern, selbst als Regisseure zu agieren. Die „Schauspieler“ für den eigenen Film können im wahrsten Sinne des Wortes nach Gutdünken geformt werden. Für Großeltern, Eltern und Kinder steht Knete bereit. Der Filmtitel steht bereits fest: „Plastelinivoje Disco- Disco aus Knete“.

Alevtina Bartsytskyy-Kopp bereitet die Zeichnungen für den Trickfilm und auch dabei können Besucher selbst Pinsel und Stift anlegen.

Trickfilm geplant

Auch die Wolmirstedter Geschichte soll in den Mittelpunkt des Nachmittags gerückt werden. Gleich zu Beginn der gemeinsamen Aktion gegen 13 Uhr wird Anette Pilz durch die historische Ausstellung führen und ein paar Anekdoten aus der Stadtgeschichte preisgeben.

„Museum öffnet Welten“ wird durch das Bundesprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ unterstützt. Gäste sind herzlich willkommen.