Wolmirstedt l Blutdruckmessgeräte, Spritzen, Bettpfannen und mehr werden derzeit im Wolmirstedter Museum gezeigt. Derlei Gerätschaften erzählen von der Geschichte des Wolmirstedter Krankenhauses, das knapp über einhundert Jahre Bestand hatte. Es wurde 1894 gegründet und die Museumsmitarbeiter haben die gesamte Epoche genau unter die Lupe genommen und daraus eine Sonderausstellung zusammengestellt. Viele Exponate stammen von ehemaligen Mitarbeitern.

Angelika Kloß hat von 1967 bis 1978 unter anderem auf der Männerstation und in der medizinischen Aufnahme gearbeitet. Trotz des Drei-Schicht-Systems sagt sie heute: „Ich fand es toll. Man hat viel gelernt. Wenn auch die Technik im Gegensatz zu heute eher primitiv war, der Zusammenhalt zwischen Ärzten und Schwestern war super.“

Angelika Kloß hat ein Blutdruckmeßgerät zur Ausstellung beigesteuert, einschließlich ihrer Neurervorschläge. Neurervorschläge waren Innovationen, die von den Mitarbeitern selbst kamen, die gewollt, umgesetzt und honoriert wurden. Angelika Kloß hatte mit ihrer Idee dafür gesorgt, dass sich das Blutdruckmessgerät leichter handhaben ließ.

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Die Laudatio zur Ausstellung hielt der Medizinalrat Dr. Ernst Riemann. Der Allgemeinmediziner war unter anderem ärztlicher Direktor der Wolmirstedter Kreispoliklinik, hat die Geschichte des Wolmirstedter Krankenhauses also ein Stück weit mitgeschrieben. Er bedankte sich ausdrücklich beim Museum, weil mit dieser Ausstellung die Erinnerung an das Krankenhaus wach gehalten wird. „Das Krankenhaus war für die Bevölkerung eine wichtige Einrichtung, an gesunden und kranken Tagen, als Arbeitgeber und als Patient“, blickte er zurück, „viele Menschen waren hier tätig, in medizinischen und anderen Bereichen.“ Leistungen, die heute oft ausgegliedert sind, gehörten damals ins Krankenhaus: Fuhrpark, Gärtnerei, Archiv und weitere Handwerker.

Kaliwerk sorgt für Arbeit

Als das Kaliwerk zu Beginn der Siebziger Jahre entstand und an Bedeutung gewann, wuchs die Stadt Wolmirstedt und mit ihr das Kreiskrankenhaus. Viele neue Fachrichtungen siedelten sich an, wie die Kinder-, die Hals-Nasen-Ohren- oder die Orthopädiestation. Es wurde angebaut, vieles in einer Poliklinik zusammengefasst. „Ähnliche Strukturen werden heute wieder angestrebt“, konstatierte Dr. Ernst Riemann. Die Ärzte haben sich allerdings zumeist längst in eigenen Praxen überall im Stadtgebiet niedergelassen.

Die Ausstellungsbesucher schauten sich die Tafeln genau an, viele erkannten sich selbst oder ehemalige Ärzte und andere Mitarbeiter wieder.

Pfarrerin Hannah Becker war aus Halberstadt gekommen. Sie hatte vom dortigen Cecilienstift eine historische Schwesterntracht zur Ausstellung beigesteuert. „Mir gefällt es, wenn auf kultureller Schiene das Berufsleben wieder aufploppt“, sagt sie und reihte sich damit in die vielen Besucher ein, deren Erinnerungen an die Zeit des Krankenhauses angesichts der Schau geweckt wurden. „Außerdem wertet dieses Ausstellung die Pflege auf.“

Das Aus des Krankenhauses wurde 2007 besiegelt, die alten Gebäude sind von der Bildfläche verschwunden. In diesem Jahr wäre das Krankenhaus 125 Jahre alt geworden. Die Ausstellung kann zu den Museumsöffnungszeiten besucht werden.