Wolmirstedt l Ein Arbeitstag im Wolmirstedter Museum besteht nicht nur daraus, Besucher zu empfangen und diese durch die Räumlichkeiten zu geleiten. Das weiß Leiterin Anette Pilz nur zu gut. „Es gibt vielfältige Aufgaben, die wir zu erfüllen haben“, sagt sie. „Wir sind auch Ansprechpartner für Wissenschaftler und Heimatforscher, da kommen schon allein etliche Telefonanrufe in der Woche zusammen.“

Bei Nachfragen müssen die Mitarbeiter des Museums auch selber oft auf Recherche gehen, um zu den verschiedensten Themen zuarbeiten zu können. Ein weites Feld macht zudem die Digitalisierung aus. Diese wird praktisch immer einmal wieder angegangen. „Angesichts der Masse an Materialien, Dokumentationen und Objekten hält dieser Bereich eine wahre Sisyphusarbeit für uns bereit“, sagt die Leiterin. „Den Abschluss dieser Tätigkeit werde ich wohl nicht mehr erleben.“ Das klingt recht drastisch, aber im Museum gibt es 8000 Objekte allein im Archiv, 6000 finden sich in der Bibliothek und es gibt 7000 Kulturgeschichtsobjekte. „Dann wäre da noch der Ur- und Frühgeschichtsbestand“, erläutert Anette Pilz. „Da haben wir es oft mit Scherbenkonplexen, Urnen und weiteren Gefäßen zu tun.“

Bei der Digitalisierung geht es nicht nur um das bloße Fotografieren. Die einzelnen Stücke müssen zugeordnet und dokumentiert werden. Das nimmt Zeit in Anspruch. Wenn es um Lagermöglichkeiten geht, dann könnte das Museum sogar durchaus noch mehr davon gebrauchen.

Alles muss seine Ordnung haben

„Alle Objekte und Dokumentationen müssen wiederum entsprechend geordnet sein und nach einer wie auch immer gearteten Nutzung an ihren Platz zurückkehren,“ betont die Leiterin. Ansonsten könnten sie für Jahre im Fundus verschwinden. „Und eine Mingvase ist sicherlich leichter wiederzufinden als ein Foto“, merkt Anette Pilz augenzwinkernd an. „Obwohl, so eine Vase haben wir natürlich nicht im Bestand.“ Dafür gibt es ein umfangreiches Zeitungsarchiv, in dem sich auch die Ausgaben des Allgemeinen Anzeigers von 1855 bis 1943 befinden.

Die zurückliegende Schließung infolge des ersten Corona-Lockdowns hat im Museum also nicht dazu geführt, dass die Mitarbeiter Däumchen gedreht haben. „Es gab dennoch reichlich zu tun“, versichert die Leiterin. So wurde die derzeit präsentierte Sonderausstellung zum gestrandeten Zug vorbereitet. „Da diese nun auf jeden Fall zwei Jahre vor Ort verbleibt, blieb etwas mehr Zeit für die Aufarbeitung des Sammlungsbestands“, erläutert die wissenschaftliche Mitarbeiterin Susanne Oehme.

Dazu kamen noch Planungen und Vorbereitungen zu den vom Museum angebotenen besonderen Stadtführungen. Weiterhin werden – neben dem Tagesgeschäft – Ideen für Ausstellungen und Vorträge entwickelt. So arbeitet die Museumsleiterin gerade an einem Vortrag über die Ohre. „Allein die Recherchearbeit und das Sichten von Unterlagen kann bei so einem Projekt durchaus einmal ein Jahr in Anspruch nehmen“, verrät sie. Denn auch diese aufwändige Arbeit absolviert die Leiterin neben ihren alltäglichen Aufgaben. Schließlich sollen am Ende fundierte Erkenntnisse vermittelt werden.