Wolmirstedt l „Ich freue mich, Sie heute außerhalb des Unterrichts mal wieder in zwangloser Runde zu treffen, auch wenn es diesmal weniger Teilnehmer sind. Der Stimmung sollte das keinen Abbruch tun“, sagte Musikschulleiter Armin Hartwig zur Begrüßung der Kreismusikschüler in der Raststätte B189. Neben den Schülern im Erwachsenenalter waren auch einige Lehrer zu dem mittlerweile 9. Treff der Ü35-Musikschüler gekommen. Rita Goos (Cello) hatte sogar die weite Anreise aus Helmstedt in Kauf genommen. „Das ist immer ein Vergnügen, zu erleben, wie unsere Schützlinge sich entwickeln und die Liebe zur Musik zelebrieren.“ Perfektion wird nicht erwartet, weder von den Musikschullehrern noch von den Mitschülern. Allein die Freude an der Musik zählt. Trotzdem spürte man, dass alle mit Ehrgeiz bei der Sache waren, auch wenn mal ein schiefer Ton zu hören war. Herzlichen Applaus gab es für jeden der spontanen Auftritte. Für die „Dienstälteste“ Janett Eichel, die seit 1991 Unterricht nimmt und am Klavier begeisterte, genauso wie für die Anfängerin aus Wolmirstedt, Tonga Bui Thi, die nur eine kleine Kostprobe ihres Könnens an den Tasten gab. „Ich muss noch viel üben“, rief sie laut lachend in die Runde.

Wer Lust hat, spielt etwas vor

Wie der Schulleiter betonte, gibt es für den Treff generell kein Programm und keinerlei Zwänge. Wer Lust hat, spielt etwas vor, wer nicht, hört zu. „Sie sind Gleichgesinnte, haben alle Freude am Musizieren, sind auf Augenhöhe und lernen fleißig. Keiner von unseren mittlerweile 65 erwachsenen Musikschülern aber wird jetzt noch Konzertmusiker werden oder bei Wettbewerben auftreten wollen“, so Armin Hartwig. Diese Schüler setzen andere Prioritäten.

„Mir geht es darum, im Ruhestand weiter aktiv und kreativ zu sein. Und musizieren mit Freunden macht sehr viel Spaß“, sagte Joachim Hoeft. Der ehemalige Kreisdezernent aus Haldensleben eröffnete mit Wolfram Steinacker, Markus Trebesius und Dietmar Bortfeldt den musikalischen Reigen. Das Bläserquartett unter Leitung von Musikschullehrer Wilfried Döring spielte zunächst ein altes Stück und wagte sich dann an das bekannte „You raise me up“.

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Musik rührt zu Tränen

Die Frauen zeigten in verschiedenen Formationen ihr Können. Als Trio waren Jutta Knop aus Colbitz (Violoncello), Kerstin Bethke aus Wolmirstedt (Querflöte) und Janett Eichel aus Süplingen (Klavier) mit dem getragenen „Only you“ und einem flotten Tango zu hören. Betreut werden sie von Vera Kagan. Die 72-Jährige stammt aus St. Petersburg, unterrichtet seit vielen Jahren an der Musikschule und steht immer noch als Violistin auf der Bühne. Jutta Knop war dann noch zweimal zu erleben. Zunächst spielte sie mit Monique Ziem (ebenfalls Cello) aus Rogätz eine klassische Sonate, danach mit Janett Eichel (Klavier) das anspruchsvolle „Songs from a secret Garden“. Ihr tadelloses Spiel rührte Lehrerin Rita Goos zu Tränen. „Das war Genuss pur – Bravo!“ Mit dem Walzer „An der schönen blauen Donau“, vierhändig am Klavier von Maren Bennua aus Lindhorst und ihrer Lehrerin Margarita Gedtke gespielt, endete das Programm.

Danach blieb noch Zeit zum Plaudern und Pläneschmieden. Auf jeden Fall will man sich im nächsten Jahr wieder zweimal treffen und gemeinsam musizieren, wie Armin Hartwig betonte. Für das zunehmende Interesse, als Erwachsener ein Instrument zu spielen, sieht er mehrere Gründe. Einige haben schon als Kind ein Instrument gespielt, dann aber aufgegeben. Andere stellten nach einem Schicksalsschlag fest, wie hilfreich Musik sein kann. Einige fanden erst im Alter Zeit und Gelegenheit oder haben sich an ihren Kindern ein Beispiel genommen. So unterschiedlich wie die Motive sind auch die Berufe der Schüler: Lehrerin, Hausfrau, kaufmännische Angestellte, Pfarrer, Krankenschwester, Steuerfachangestellte, Physiotherapeut, Computerfachmann und mehrere Ruheständler. Die meisten bevorzugen Klavier, Violine oder Querflöte, andere lernen Gitarre, Schlagzeug, Trompete, Keybord oder Saxophon.