Fakten zu Streuobstwiesen und alten Sorten

Der Nabu pflegt 23 Streuobstwiesen, Obstanlagen und Baumalleen im Altkreisgebiet Wolmirstedt. Davon sind sechs privat, elf öffentlich und sechs Eigentum des Nabu. Das ist eine Fläche von 16 Hektar und betrifft 507 alte Bäume und 969 junge Bäume – die Zahl steigt.

Stark verbreitete Sorten in der Region:

Äpfel: Kaiser Wilhelm, Ontario, Goldparmäne, Boskop, Croncels, Goldrenette von Blenheim, Jakob Lebel

Birnen: Köstliche von Charneau, Gellerts Butterbirne, Boscs Flaschenbirne, Gute Luise

Bis heute verbreitete Sorten

Äpfel: Grahams Jubiläumsapfel, Geflammter Kardinal, Weißer Winterglockenapfel, Antonowka, Roter Eiserapfel

Birnen: Kongressbirne, Präsident Drouard, Madame Verte, Tongern

Wolmirstedt/Barleben l Der Vorsitzende des Nabu, Jörg Brämer, Werner Gebauer sowie Yves Bloege freuen sich sichtlich über ihren Besuch. Dabei handelt es sich um die Studenten Leonie Steinherr, Michael Krack. Zu den beiden Letztgenannten wird auch noch Julius Brinken stoßen. Die Drei eint der Gedanke, etwas für die Natur zu tun – und zwar speziell für die Streuobstwiesen. Damit sind sie in der Region Wolmirstedt vollkommen richtig, denn der hiesige Nabu – mit der Heimstatt in Barleben – betreut 23 Streuobstwiesen.

Yves Bloege kann zu den Projekten sehr viel erzählen, ist er doch seit dem Jahr 2006 für den Nabu genau in diesem Bereich tätig. Dabei hat er schon etliche Helfer und Ein-Euro-Jobber bei Tätigkeiten an den Obstbäumen angeleitet. „Uns geht es darum, vorhandene Streuobstbereiche zu erhalten, zu pflegen und möglichst zu erweitern“, sagt Bloege im Gespräch mit der Volksstimme. „Die Bedeutung von Streuobstwiesen wird allgemein sehr unterschätzt.“

Ökologischer Faktor

Damit meint er auf der einen Seite den ökologischen Faktor. So gibt es Untersuchungen, die eine große Artenvielfalt nachweisen. Bei zehn im Land Sachsen-Anhalt ausgewählten Streuobstwiesen sind von 800 bis zu 3500 verschiedene Tier- und Pflanzenarten nachgewiesen worden. Darunter ist auch ein Bereich, den die Barleber Naturschützer dafür vorgeschlagen haben – es handelt sich um eine Streuobstwiese bei Gutenswegen.

Bilder

„So eine Wiese ist wie der Kühlschrank in der Wohnung“, erklärt Bloege recht bildlich. „Irgendwie kommt jeder daran vorbei und schaut einmal hinein. So ungefähr kann man sich das auf die Natur bezogen vorstellen.“ Dabei greifen auf diesem Gebiet noch viele weitere Dinge ineinander, wie der gerade aktuelle Insektenschutz. Es gibt aber auch noch einen weiteren Grund für die Anstrengungen der Naturschützer. Dabei handelt es sich um die alten Obstsorten, die in den 23 vom Nabu ausgewiesenen Bereichen zu finden sind. „Diese gilt es für die Gesellschaft zu erhalten, da sie für die Menschen absolut wertvoll sind“, betont Werner Gebauer. Er reicht die Kostprobe von einem Finkenwerder Herbstprinz herum, die alle verkosten können.

„Viele wissen gar nicht, dass gerade alte Obstsorten für Allergiker geeignet sind, da haben wir ein Riesenpotenzial“, erzählt er dabei. Zudem haben viele Obstbäume natürliche Immunitäten gegen Befall und Schädlinge entwickelt.

„Traurig ist auch die Entwicklung bei den Experten“, schätzt der Vorsitzende ein. „Es gibt einig, die aber in einem fortgeschrittenen Alter sind. Das gesammelte Wissen zu erhalten, wird uns sehr schwerfallen. Wir müssen damit rechnen, dass es zu großen Teilen irgendwann verloren geht.“

Studenten als Experten

Die motivierten Studenten aus Magdeburg wollen genau hier mit ansetzen. Ihnen geht es um die Pflege der vorhandenen Streuobstwiesen. Da ist auch wirklich jede hilfreiche Hand vonnöten. „In den alten Bundesländern ist es oft so, dass ein Baumwart sich um 100 Bäume kümmert“, erläutert Yves Bloege. „Wir reden dagegen bei uns über eine Zahl von gut 1500 Bäumen.“ Daher sei das Interesse der Studenten auf diesem Gebiet geradezu wie ein Sechser im Lotto.

Leonie Steinherr beispielsweise ist in einer Streuobstregion aufgewachsen und kennt sich daher bestens aus, zudem hat sie ihren Master in der ökologischen Landwirtschaft gemacht. Auf den Nabu Barleben und die Streuobstprojekte sind die Studenten übrigens im Internet gestoßen. Im Beratungskreis der Naturschützer können alle sofort über die Herausforderungen reden, um die es künftig gehen wird.

„Es dreht sich um den Baumschnitt und auch Kurse, die wir anbieten können“, sagt Jörg Brämer. „Außerdem müssen Vorhaben geplant werden, für die wir Fördergelder generieren können.“ Der Nabu sei auch sehr an der Zusammenarbeit mit Gemeinden und dem Landkreis interessiert. Aber auch der Kontakt zu interessierten Bürgern sei sehr wichtig.

„Menschen, die helfen wollen, sollten sich überlegen, ob sie nicht eine Baumpatenschaft übernehmen“, schlägt der Vorsitzende vor. „Diese Möglichkeit bieten wir an.“ Dabei wird von dem Paten eine moderate Geldsumme bereitgestellt, die quasi die Pflege über ein Jahr finanziell absichert. „Interessenten können sich da ohne Scheu bei uns melden, wir sind für jede nur mögliche Unterstützung dankbar“, betont Jörg Brämer.