Wolmirstedt l Erika Tholotowsky hat die Rathäuser gewechselt. Als Bürgermeisterin der Niederen Börde gehörte ihr ein Büro im Verwaltungssitz der Nachbargemeinde, nun sitzt sie im Wolmirstedter Rathaus und leitet einen Fachdienst mit großer Außenwirkung. Quasi das gesamte öffentliche Leben läuft in ihrem Büro zusammen, Erika Tholotowsky ist zuständig für Jugend, Kultur, Soziales, Sport und die Wirtschaftsförderung. Sie hat diesen Aufgabenbereich von Marlies Cassuhn übernommen, die im September zur Wolmirstedter Bürgermeisterin gewählt worden ist.

Seit Erika Tholotowsky in Wolmirstedt arbeitet, sieht sie die Stadt mit anderen Augen, versucht sich in das Kleinstadtgefüge einzufühlen und hat festgestellt: „Ich mag den charmanten, ländlichen Charakter.“ Sie schätzt, dass Dienstleister, Ärzte, Apotheken und Einkaufsmöglichkeiten sehr zentral vorhanden sind. „In der Innenstadt werden sogar Schuhe repariert.“

Überregional an Bedeutung gewinnen

Mit diesem wohlwollenden Blick ausgestattet, möchte die 60-Jährige gerne, dass die Stadt überregional an Bedeutung gewinnt. Ganz besonders hat sie dabei die Schlossdomäne im Blick. „Das ist so ein tolles Ambiente.“ Mittel des europäischen Leaderprogramms könnten dort etwas anschieben, die Ideen müssen jedoch erst noch ein bisschen gären.

Hinsichtlich europäischer Fördermittel wäre das der zweite Anlauf, denn in jüngster Zeit waren bereits beantragte und sogar bewilligte Projekte gescheitert. Eine Heizung für die Schlosskapelle und Möbel für ein Café im Bürgerhaus hatte der alte Stadtrat nicht bis zum Ende mitgetragen.

Schlossdomäne attraktiver machen

Das ficht Erika Tholotowsky vorerst nicht an. Als Vorsitzende der Leader-Aktionsgruppe „Colbitz-Letzlinger Heide“ setzt sie auf neue Ideen, die das Areal Schlossdomäne für Einwohner und Besucher attraktiver gestalten, lebendiger. Europäische Fördermittel aus dem Leader-Programm bleiben dabei interesant. Für erste Planungen ist sie bereits mit dem Schranke-Verein im Gespräch.

Die Finanzierung mit Leader-Mitteln hat sich schon an anderer Stelle bewährt, damit sind bereits nachhaltige Projekte angeschoben worden, wie die Elbeuer Kaffeemühle.

Umgestaltung des Bahnhofsgebäudes

Das nächste große Projekt wird die Umgestaltung des Bahnhofsgebäudes sein. Antragsteller ist das Bodelschwingh-Haus, das den Zuwendungsbescheid aus dem Landesverwaltungsamt Halle erwartet. „Das ist ein tolles Projekt mit überregionaler Strahlkraft“, schwärmt Erika Tholotowsky. Besonders haben es ihr die Fahrradwerkstatt und der Fahrradverleih angetan, die in diesem Gebäude installiert werden sollen. „Das passt hervorragend in die Region, die mit dem Elbe- und dem Elbe-Aller-Radweg vernetzt ist.“ Daran könne die Stadt Wolmirstedt anknüpfen.

Bevor die Gedanken allzusehr überschäumen, wartet ein Berg konkreter Arbeit. „Im Moment gibt es viele Gespräche darüber, wie Vereine unterstützt werden können, wie Verträge zur Bewirtschaftung der Sportanlagen gestaltet werden.“

Betreuung der Kinder

Erika Tholotowsky weiß, dass Vereinsförderung zu den freiwilligen Aufgaben einer Stadt gehört, mag sich mit dieser Begrifflichkeit jedoch nicht so recht anfreunden. „Die sogenannten freiwilligen Aufgaben gehören zur Daseinsvorsorge im ländlichen Raum.“

Noch wird das gemeinhin nicht so gesehen. Vereine, Bibliothek, Sportstätten, Schwimmbäder und so weiter werden als freiwillig betrachtet. Deshalb setzt sie auch da auf Fördertöpfe, will die Förderstruktur Sachsen-Anhalts überprüfen, um den Stadthaushalt zu entlasten, weiß aber auch: „Das Land unterstützt am ehesten Projekte, die überregional ausstrahlen.“

Zu den Aufgaben einer Kulturfachdienstleiterin zählt auch die Betreuung der Kinder. Da bringt Erika Tholotowsky Erfahrungen aus der Niederen Börde mit. Besonders am Herzen lagen ihr dort die Kita-Konferenzen, bei denen die Erzieherinnen der Gemeinde regelmäßig zusammenkommen. Die Wolmirstedter Kitas sind in freier Trägerschaft, doch das Hortpersonal der Kernstadt gehört zur Stadt. Hier setzt sie auf den Austausch mit den PädagogInnen der Nachbargemeinde. „Wir werden mit den Erzieherinnen eine Dienstreise nach Dahlenwarsleben antreten und dort im Hort hospitieren.“

Regionalmarkt wird vorbereitet

Auf der Agenda steht auch die Vorbereitung des zweiten Regionalmarktes. Der soll am 28. September auf der Schlossdomäne Besucher anlocken und schon jetzt gibt es einen regen Austausch mit möglichen Anbietern.

Dann liegen noch der Schultausch, die Zukunft des Küchenhornstadions, die Herausgabe eines Veranstaltungskalenders und mehr auf dem Tisch. Erika Tholotowsky lächelt: „Ich arbeite mich überall ein.“