Wolmirstedt l Martin Westphal wurde zum Neujahrsempfang der Stadt Wolmirstedt mit der heiligen Katharina geehrt. Den höchsten Ehrenpreis der Stadt bekam er für seinen unermüdlichen Einsatz im Sinne des Sports. Als er die weiße Tonfigur in den Händen hielt, bekannte er: „Ich bin von den Socken.“

Die Sprachlosigkeit währte nur kurz. Martin Westphal nutzte die Chance am Mikrofon für deutliche Worte, die vor allem in die politische Richtung zielten. Und dahin teilte er ordentlich aus. „Wer hat eigentlich festgelegt, was freiwillige Leistungen sind?“ Zu denen zählen Förderungen für Kultur, Sport, Museen, Bibliotheken und Vereine - Aufgaben, die Westphal keineswegs als „freiwillig“ bezeichnet wissen möchte. „Das sind Pflichtaufgaben. Das ist Bildung. Bildung. Bildung.“

Preisträger nimmt Politik in die Pflicht

Hintergrund sind die fortlaufenden Kürzungen der sogenannten freiwilligen Aufgaben. Die Gelder dafür sollen in Kommunen in der Konsolidierungsphase lediglich zwei Prozent des Verwaltungshaushalts betragen. Westphal forderte in Richtung des Bürgermeisters und der Verwaltung, die sogenannten Pflichtaufgaben effizienter zu gestalten, dann bleibe mehr Geld für Kultur und Sport.

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Holger Stahlknecht, den CDU-Innenminister, ermahnte der Katharina-Preisträger „seine Hausaufgaben zu machen. Wir sind das einzige Land der Welt, wo man ohne Pass reinkommt, aber ohne Pass nicht wieder raus.“ Auch Stahlknecht, den Sportminister, drängte Westphal: „Fülle den Förderbescheid für das Küchenhornstadion aus.“ Das soll für vier Millionen Euro auf Vordermann gebracht werden, zwei Millionen Landesförderung wurden beantragt. Doch Wolmirstedt ging in der vergangenen Förderperiode leer aus.

Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Manfred Behrens kam von Westphal nicht ungeschoren davon. „Manfred, mach‘ in Berlin den Mund auf." Westphal verbindet damit die Hoffnung, dass Manfred Behrens künftig mehr Präsenz in Berlin zeigt und nicht nur hier in der Region unterwegs ist und die Meinungen, die er hier empfängt, im Parlament vorbringt. An alle Verantwortlichen ging Westphals Forderung, das in Deutschland reichlich vorhandene Geld gerecht zu verteilen.

Auszeichnung wird "geteilt"

Für deutliche Worte ist Martin Westphal bekannt, die „Katharina“ bekam er jedoch für seine ehrenamtliche Arbeit als Vorsitzender des Sportvereins Kali Wolmirstedt. Diesem Verein steht er seit 1989 vor. Außerdem war er bis Sommer 2017 dienstältester Werkleiter bei Kali und Salz und hat als solcher ein weitverzweigtes Netzwerk zugunsten des Sportes gesponnen. „Durch Martins bewundernswertes und ausdauerndes Zutun ist das Kaliwerk heute - und das ist auf vielen Sportstätten des Umlandes weiß auf blau zu lesen - Partner der Region“, sagte Klaus Renner in deiner Laudatio. Der ehemalige Volksstimme-Sportredakteur fasste zusammen: „Ich glaube, fast überall, wo hier in der Gegend unter Tage Kali abgebaut wird, unterstützt das Kaliwerk über Tage Sport und Kultur - auch Dank des Einflusses von Martin.“ Auch das durchaus umstrittene Sportstättenkonzept Wolmirstedts trägt seine Handschrift.

Klaus Renner lobte außerdem, dass Westphal bei Unstimmigkeiten eher moderierend auftrete, es schafft, Menschen, die „hinwerfen“ wollen, zum Weitermachen zu motivieren.

Martin Westphal möchte die „Heilige Katharina“ teilen, mit all jenen, die es ihm in Wolmirstedt, Mose, Farsleben, Glindenberg und - natürlich - in seinem Geburtsort Elbeu gleichtun: ehrenamtlich für das Gemeinwohl arbeiten. „Allein kann ich die Katharina nicht annehmen, das ist eine viel zu hohe Auszeichnung.“

Stadttaler für Ehrenamtliche

Einen Teil möchte er jedoch für sich behalten, und zwar den Teil, der für Heimatverbundenheit steht. Der 67-Jährige ist Zeit seines Lebens nie aus Wolmirstedt weggegangen, war immer im Zielitzer Kaliwerk tätig, hat sich vom Lehrling bis zum Werkleiter hochgearbeitet. „Kaminkarriere“ nennt er das, „unten reingefeuert, oben herausgekommen.“ Er ist verheiratet, hat Tochter und Enkelkind.

Freudentränen kullerten, als Bürgermeister Martin Stichnoth silberne Stadttaler vergab. Damit wurden Maja Lehmann Gerda Bonewitz und Günter Töpfer geehrt. Die drei sind bei fast allen Museumsveranstaltungen vor Ort. Die Frauen kümmern sich vor allem um die Versorgung der Gäste, Günter Töpfer zeigt Kindern und Erwachsenen das Schmieden. Beim Schießen um den Bürgermeisterpokal hatten sich Sabine Schirrmacher, Uwe Hasselmann und Uwe Niemann gegen die Konkurrenz durchgesetzt und wurden dafür auf der Bühne belohnt.

Werner Schierhorn hat das Amt des Ortschronisten abgegeben. 50 Jahre lang hat er die Stadtgeschichte geordnet und festgehalten. Dabei versuchte er stets seinem Grundsatz treu zu bleiben: „Schreibe ohne Zorn und ereifere dich nicht dabei.“ Bürgermeister Martin Stichnoth dankte und versprach, man werde sich um einen würdigen Nachfolger bemühen.

Schweigeminute für verstorbenen Stadtrat

Einem endgültigen Abschied widmeten sich die Gäste des Neujahrsempfangs mit einer Schweigeminute. Linken-Stadtrat Detlef Horstmann war vor wenigen Tagen überraschend verstorben.

Bürgermeister Martin Stichnoth (CDU) zeigte sich in seiner Neujahrsansprache stolz, einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen zu können. Beinahe eine Stunde lang schaute er auf die Entwicklung Wolmirstedts im vergangenen Jahr zurück. Zudem freute er sich, dass zum Neujahrsempfang 199 Besucher gekommen waren, so viele, wie nie zuvor. „Trotz der fünf Euro Eintritt - das zeigt welchen Respekt Sie der Stadt entgegenbringen.“

Er hofft, dass sich mehr Bürger einbringen und nannte als nächste Gelegenheit den Frühjahrsputz. Auch den Streit um den Einsatz der Fördergelder für die Schlosskapelle sieht er als nicht beendet an. „Es ist wie Huhn oder Ei - Heizung oder Kapelle.“ Vor allem zeigte er sich zufrieden, dass von Verwaltungsseite her Planungsrecht geschaffen sei, damit sich Firmen ansiedeln können.

Für Musik war zum Neujahrsempfang auch gesorgt. Emmanuela Amoita sang unter anderem Tina Turner und begeisterte mit ihrer temperamentvollen Show. Sie hat lange in einer Wolmirstedter Band gesungen und lebt jetzt in Berlin.