Wolmirstedt l Rund um die Uhr sind in der Ohrestadt zwei Rettungswagen (RTW) stationiert und einsatzbereit. Die Johanniter und der ASB arbeiten dabei quasi Hand in Hand. Dabei geht es darum, innerhalb von zwölf Minuten nach der Alarmierung vor Ort zu sein. Das Notarzteinsatzfahrzeug des ASB hat dabei eine 20-Minuten-Vorgabe.

„Das klappt auch sehr gut“, sagt Gerald Wienhöfer, Fachbereichsleiter Einsatzdienste der Johanniter. Das bestätigt auch Marko Trenkler, Rettungsdienstleiter des ASB Magdeburg/Börde. „Die Zusammenarbeit leben wir hier und es gibt enge Absprachen“, fügt er hinzu. Die Bilanz für das Jahr 2019 kann sich auch sehen lassen. Die Johanniter waren 1500 Mal im Einsatz, der ASB 1314 Mal und das Notarzteinsatzfahrzeug des ASB war 1150 Mal vor Ort.

„Das ist eine weitere Steigerung zum Vorjahr“, bestätigt Matthias Ohlrich, Rettungsdienst-Bereichsleiter der Johanniter. „Wer die letzten drei Jahre anschaut, der wird pro Jahr eine Steigerung von etwa zehn Prozent bei den Einsätzen bemerken.“ Dabei sind die Retter nicht so oft wegen Verkehrsunfällen unterwegs, wie es vielleicht in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit scheinen mag. „Den Großteil machen Alarmierungen wegen Herz-Kreislauf-Problemen – wie auch Herzinfarkte und Schlaganfälle – und Stürze älterer Bürgerin den Haushalten aus“, erklärt Marko Trenkler.

Dazu kommen Einsätze wegen Brandsicherung bei Feuerwehreinsätzen sowie Unwettern, aber auch Fahrten, um Betrunkene zu versorgen. Anlaufstellen sind vermehrt große Veranstaltungen wie das Bockbierfest in Colbitz, Küchenhorn-Beats oder „Save the Rave“ in Loitsche. „Letzteres Events wird wohl ab 2020 eine Vor-Ort-Absicherung erhalten“, erläutert Ohlrich. „Das ist bei großen Veranstaltungen auch logisch, da diese sonst die Bereitschaft in der Region beeinträchtigen würden.“

Steigende Aggressivität gegenüber Helfern

Vermehrt sei auch eine steigende Agressivität gegenüber den Rettern zu beobachten. „Wir erwarten einfach mehr Respekt gegenüber den Einsatzkräften vor Ort“, bringt Trenkler vor. „Es kommt auch zu Sachbeschädigungen. Wenn die RTW mal in der zweiten Reihe halten müssen, sind die Retter auch schon angeschrien worden. Die Leute werden rücksichtloser.“ In solchen Fällen ziehen sich die Einsatzkräfte zurück und warten das Eingreifen der Polizei ab. Agressive Zeitgenossen werden mit Hilfe der Beamten gar bis in Krankenhäuser eskortiert.

„Es gibt aber auch gegenteilige Fälle, wenn sie auch seltener geworden sind“, beschreibt Matthias Ohlrich. „So bedanken sich gerettete Menschen im Nachgang bei uns, sei es per Händedruck oder es gibt ein Paket Kaffee. Die Geste zählt und macht uns glücklich.“

Marko Trenkler erinnert sich an eine Begebenheit in Samswegen. „Wir kamen dorthin und haben mit zwei Rettungskräften eine komplizierte Geburt begleitet“, erzählt er. „Das sind Momente, die einfach im Gedächtnis bleiben und die die positiven Dinge in dem Beruf darstellen.“ So seien nicht nur die Mutter, sondern auch die Retter an diesem Tag sehr glücklich gewesen.

Retter haben ein offenes Ohr

So manches Mal müssen die Rettungssanitäter und -assistenten auch als Psychologen tätig werden. „Da sind dann Menschen, oft alleinstehend, die dann einfach einmal eine Zuwendung brauchen“, schildert Trenkler. „Das ist sicher auch eine Notlage. Wir erfahren dann oft innerhalb kürzester Zeit eine ganze Lebensgeschichte und das manchmal nachts um drei Uhr.“ Die Retter sind aber auch dafür ausgebildet. Bei der Beendigung des Einsatzes geben sie aber dann den Hinweis, dass künftig ein entsprechender Arzt konsultiert werden sollte.

„Bei Nicht-Nofällen empfehlen wir grundsätzlich die Telefonnummer 116 117“, führt Matthias Ohlrich aus. „Das ist das Telefon für den kassenärztlichen Notdienst. Den sollte jeder wählen, für den nicht akut Gefahr für Leib und Leben besteht.“ In der Praxis werde das oft ausgeblendet. Von außergewöhnlichen Einsätzen weiß Ohlrich auch zu berichten. „Bei einem Chemieunfall in einem Logistikzentrum haben wir Menschen, die Atemwegsreizungen hatten, versorgt.“ Außerdem gebe es hin und wieder Einsätze zum Thema Chlorgas, so im Zielitzer Schwimmbad. Dabei gebe es auch Fehlalarme. Überhaupt seien gut 15 Prozent der Einsätze sogenannte „nicht einbringbare Fahrten“. Das betrifft die ambulante Versorgung vor Ort oder eben die bewusste Fehlfahrt.

Es kommt durchaus einmal vor, dass eine zu rettende Person nicht aufzufinden ist. „Es melden sich auch einmal Scherzbolde in der Rettungsleitstelle in Haldensleben, die aber meist schon durch entsprechende Fragen ausgefiltert werden“, weiß Matthias Ohlrich.

Manuelle Reanimation bis ins Krankenhaus

Richtig viel Handarbeit wird den Rettern bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand abverlangt. Der Patient wird während der Beförderung bis ins Krankenhaus manuell – stehend im fahrenden Rettungswagen – reanimiert. „Es gibt entsprechende Geräte, die das übernehmen können“, sagt Gerald Wienhöfer. „Allerdings werden in Sachsen-Anhalt die Kosten von den Krankenkassen dafür nicht übernommen. Wir reden da von 1500 Euro im Jahr.“ Angeschafft haben sowohl Johanniter wie auch ASB diese Geräte je einmal auf eigene Kosten für den Einsatz in der Landeshauptstadt. „Auch die Anschaffung von elektrohydraulische Tragen wären für die Einsatzkräfte und die Patienten von Vorteil“, fügt Wienhöfer hinzu.

In Wolmirstedt leisten ASB und Johanniter seit 2011 an der Basis eine enge Zusammenarbeit. Eine Rettungswagen ist mit einem Rettungssanitäter und einem -assistenten besetzt, das Notarzteinsatzfahrzeug ist mit einem Arzt und einem Rettungsassistenten unterwegs. Die entsprechende strategische Planung übernimmt der Landkreis Börde, wobei diese ständig fortgeschrieben wird. Die Rettungsleitstelle vergibt die Einsätze in den einzelnen Bereichen der Rettungswachen.