Jaroslav Tuma und Matthias Müller eröffnen diesjähriges Rühlmann-Orgel-Festival

Ohne großartige Vorbereitung verzücken Organisten mit einem klanglichen Schatz

Von Constanze Arendt-Nowak

GroßSantersleben l Zum Rühlmann-Orgel-Festival, das der Organist Matthias Müller seit 2006 initiiert, hat er auch in diesem Jahr wieder namhafte Organisten eingeladen. Einer von diesen ist Jaroslav Tuma, der am Freitag aus dem tschechischen Prag anreiste, um der Orgel in der Groß Santersleber Kirche fantastische Töne zu entlocken.

Matthias Müller fiel zu Beginn des Konzertes erst einmal ein Stein vom Herzen. Fast wären beide Organisten zu spät zur Eröffnung des Festivals gekommen. Müller war auf der Fahrt von Ostfriesland nach Rottmersleben dreimal in ein Unwetter geraten. "Wir sind fast geschwommen auf der Autobahn", erklärte er. Und auch Jaroslav Tuma war gerade erst wenige Minuten zuvor angekommen.

Das Konzert meisterten beide dennoch souverän und ohne großartige Planung vorweg. "Wir haben gerade spontan beschlossen, was wir spielen", erklärte Matthias Müller lächelnd. Liest man in der Vita des jetzt in Rottmersleben beheimateten Organisten, stellt man fest, dass seine Lebenswege die von Jaroslav Tuma bereits vor längerer Zeit gekreuzt haben. "Studien bei Prof. Jaroslav Tuma in Prag" steht da ohne konkretes Datum. Und auch beim Harmoniumspezialisten Jan van Mol in Antwerpen (Niederlande), der weitere Konzerte des diesjährigen Rühlmann-Orgel-Festivals mitgestalten wird, hat Matthias Müller studiert.

Alle Drei verfolgen bei ihren gemeinsamen Konzerten ein Ziel: Sie wollen den klanglichen Schatz, den die meisten Rühlmann-Orgeln darstellen, in der Öffentlichkeit bekannter machen. Schon viele Generationen von Menschen haben den Klang dieser Orgeln in ihren Kirchen erlebt. Insgesamt sind bis zum 15. Juli zwei Orgelwanderungen und 15 weitere Konzerte in 21 verschiedenen Kirchen in Sachsen-Anhalt und Sachsen geplant, um das zu verdeutlichen. So spielen Matthias Müller und Jan van Mol, unterstützt von der Sopranistin Cristel De Meulder aus Antwerpen, am 10. Juli um 19 Uhr in der Irxleber Kirche, tags darauf um 19 Uhr in Satuelle und zum Abschluss am 15. Juli um 14 Uhr in Bösdorf.

Vier Generationen der aus Zörbig stammenden Familie Rühlmann haben zwischen 1842 und 1940 mehr als 450 Orgeln gebaut. "Einige Orgeln stellen einen Glanzpunkt des deutschen romantischen Orgelbaus dar", meinte Matthias Müller. Er ist seit vielen Jahren mit dem letzten Nachfahren dieser Orgelbauergeneration, dem Orgelbaumeister Albrecht Rühlmann, befreundet. Von ihm hat er in seiner Harmonium- und Orgelreparaturwerkstatt Werkzeug und Material der Firma Rühlmann übernommen. "Leider ist Herr Rühlmann nicht in so guter gesundheitlicher Verfassung, dass er selbst zu den Konzerten kommen könnte", sagte Matthias Müller, bevor die Rühlmann-Orgel in der Groß Santersleber Kirche erklang.