Wolmirstedt l Schon eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung herrscht reges Treiben in der Turnhalle der Gutenbergschule. Die Mitglieder der Schülerfirma des Kurfürst-Gymnasiums bereiten das Catering für die rund 250 zu erwartenden Gäste vor. Andere stehen am Einlass und begrüßen die Zuschauer mit Sekt und Saft. Auf dem Flur springen aufgeregt Mädchen und Jungen umher, die auf ihren großen Auftritt warten.

Unter ihnen ist auch Laura Bartkowiak. Die 15-Jährige gehört zu jenen Mädchen, die die Gäste freundlich am Einlass begrüßen. Schon seit zehn Jahren ist sie Mitglied im Ok-Live-Ensemble. „Immer, wenn zu Hause die Musik anging, habe ich angefangen zu tanzen. Das wollten ich schon immer tun. Dann, in der ersten Klasse, bin ich gemeinsam mit einer Schulkameradin zum Tanzkurs des Ensembles gegangen und seitdem dabei geblieben“, erzählt die Zehntklässlerin, die das Gymnasium besucht. Der Tanzkurs habe damals wie heute in der Leibnitz-Turnhalle stattgefunden.

Später habe sie sich spezialisiert, auch an der Stange vor dem Spiegel getanzt, später kamen die Ballettschuhe dazu, um sich auch auf Zehenspitzen zu bewegen. „Unter unserer Trainerin Galina Peters wurde das dann immer professioneller“, erzählt die Schülerin. Auch heute noch begleite sie Training und Auftritte von Laura und ihren Mitstreiterinnen. Bis zu vier Mal im Monat bestreite die Gruppe Tanz-Shows, und zwar weit über die Region hinaus.

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Guter Einfluss auf die Schule

Ihr Engagement habe Einfluss auf die Schule, „allerdings keinen negativen. Ich habe immer gute Noten“, sagt die 16-Jährige weiter und ergänzt: „Wir hatten auch im Sportunterricht einmal Tanz. Meine Kenntnisse aus dem Ensemble waren da von Vorteil. Weder die Schule leidet unter meinem Hobby, noch umgekehrt.“ Das Ensemble sei wie ein zweites Leben. „Wir sind hier ein großes Team, wir gehören zusammen“, hebt Laura hervor. Professionell tanzen möchte sie später allerdings nicht, „das ist mein Hobby und soll es auch bleiben.“ Sie könnte sich vorstellen, später einmal als Sozialpädagogin zu arbeiten.

Für jedes Programm, das sie mit ihren Mitstreiterinnen aufführe, brauche es etwa ein Jahr Vorbereitung. Und wenn ein Auftritt ansteht, sei sie immer aufgeregt. So ist es auch am heutigen Abend, wie sie zugibt. Viel mehr Zeit hat Laura denn auch nicht, schließlich steht ihr erster Auftritt bevor, „umziehen muss ich mich ja auch noch“, erklärt die Zehntklässlerin.

Laura Bartkowiak gehört zu den aktuell insgesamt 445 Mitgliedern des OK-Live-Ensembles. Wie Vereinschef Kurt Prilloff während seiner Begrüßungsrede betont, seien 90 Prozent Kinder und Jugendliche. Seit 25 Jahren nutzen sie die unterschiedlichsten Angebote in Sachen Artistik, Kunst, Musik und Tanz. Damit sei OK-Live die größte Jugendkunstschule des Landes. Viele Tourneen führten die Mitglieder bis weit über die Region hinaus, sogar in Länder wie die USA, Frankreich, die Türkei oder Bulgarien. „Das ist eine Bilanz, die sich sehen lassen kann“, hebt Prilloff hervor. Dennoch, so der Vereinschef weiter, gebe es auch Probleme, vor allem personeller und finanzieller Art. Zum Ende des kommenden Jahres möchte er seinen Posten abgeben. Die Führungsposition könne künftig nicht durch ein Ehrenamt besetzt werden, dafür sei der Verein mittlerweile viel zu groß. Diese Stelle sollte gefördert werden.

Ehrengäste sagen Unterstützung zu

Landesentwicklungsminister Thomas Webel (CDU) sicherte in seinem Grußwort denn auch Hilfe zu, genau wie ein Vertreter der Landkreisverwaltung. Wolmirstedts Bürgermeisterin Marlies Cassuhn bezeichnete das OK-Live-Ensemble als Botschafter der Stadt und wünschte dem Verein „eine gut durchfinanzierte Zukunft.“ Franz-Ulrich Keindorff als Vertreter Barlebens und Vorstandsmitglied des Vereins hob die Arbeit des Vorsitzenden hervor. „Ohne Kurt hätte der Verein die letzten fünf Jahre nicht überstanden“, betonte er. Darüber hinaus werde beim Ensemble nicht nur Sport getrieben, sondern auch Schule praktiziert. Dies müsse gefördert werden.

Daneben gab es Ehrungen für langjährige Verdienste. So dürfen sich Manfred Bär, Stefanie Höfecker, Thomas Bothe, René Fuchs, Anica Gensicke, Rebecca Lange und Nadine Kutschmann sowie die „Mutter“ des Ensembles, Heike Wolter, über Anerkennungen freuen.

Artisten, Tänzer, Sportler

Dann endlich folgen die Auftritte der Artisten, Tänzer und Sportler, so auch jener von Laura. In rot-schwarzen, spanisch anmutenden Kostümen besteigt die Gruppe die Bühne. Dann erklingt moderne elektronische Musik mit fetten Bässen und typisch andalusischen Parts. Die Zuschauer klatschen im Takt und stoßen Freudenschreie aus. Die Gruppe tanzt absolut perfekt und synchron, auch der Auftritt von Laura lässt keine Fehler erkennen. Mit tosendem Applaus werden die Mädchen nach ihrem Auftritt von der Bühne verabschiedet, doch für Laura soll es nicht der letzte Auftritt an diesem Abend gewesen sein.

Es folgen waghalsige Vorführungen mit dem Trapez und mit Stühlen, eine Darbietung mit großen Laufkugeln, am Drahtseil und immer wieder Tanz. Dann steht der letzte Auftritt von Laura für diesen Abend an. Schon das zweite Mal hat sie sich umgezogen und erscheint wie alle ihre Mitstreiterinnen in einem blauen Kostüm der 1970er Jahre. Kein Wunder, steht doch eine Tanzshow zu Musik der schwedischen Popband Abba an. Auch diesen Auftritt meistern die Mädels perfekt und wieder werden sie mit tosendem Applaus belohnt. Lauras Mutter Doreen Bartkowiak passt ihre Tochter ab, drückt sie und gratuliert zur perfekten Vorführung. „Ich bin richtig stolz auf meine Tochter“, sagt sie schnell, um das weitere Programm nicht zu verpassen. Und Laura? Ihr fällt ein riesige Stein vom Herzen, wie sie sagt. „Die ganze Anspannung fällt gerade ab“, beschreibt sie ihre Gefühle. Nun möchte sie mit ihren Freundinnen beisammen sein, um den Abend freudig zu genießen.

Die Vorführungen sind auch bald vorbei. Als einer der Höhepunkte folgt der Auftritt der Parkour-Gruppe. Diese Sportart bezeichnet eine Fortbewegungsart, deren Ziel es ist, nur mit den Fähigkeiten des eigenen Körpers möglichst effizient von Punkt A zu Punkt B zu gelangen. Bei Musik mit kräftigem Takt bahnen sich die Jungen und Mädchen ihren Weg über Hindernisse durch Kombination verschiedener Bewegungen. Dabei fliegen und drehen sich die Protagonisten teils so schnell, dass das Auge kaum hinterzukommen vermag.

Nach rund eineinhalb Stunden ist das Programm beendet, der Abend jedoch noch lange nicht. Bis gegen Mitternacht wird in der Turnhalle weiter gefeiert und die Gäste gehen zufrieden hach Hause.